ZDF-Intendant Norbert Himmler tritt ohne Gegenkandidat zur Wiederwahl an – Experten kritisieren Verfahren
Beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) steht am Freitag eine wichtige Personalentscheidung an: Die Wahl des Intendanten. Doch von einem demokratischen Wettbewerb kann kaum die Rede sein, denn Amtsinhaber Norbert Himmler (54) bewirbt sich um eine zweite Amtszeit – ohne einen einzigen Gegenkandidaten. Die Entscheidung im 60-köpfigen ZDF-Fernsehrat gilt daher bereits im Vorfeld als sicher.
Kubicki: „Intransparenter Muff“ beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk
FDP-Politiker Wolfgang Kubicki (74) übt scharfe Kritik an dem Verfahren. Gegenüber Medien äußerte er: „Dieser intransparente Muff hängt wie ein Mühlstein um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Frage nach der Existenzberechtigung des ZDF wird sich weiter intensivieren.“ Kubicki fordert grundlegende Reformen: „Ich würde die Intendantensuche radikal demokratisieren: mit öffentlichen Kandidaten-Hearings und Town Halls.“ Sein Ziel ist ein transparenterer Prozess, bei dem sich Bewerber öffentlich vorstellen und der Fernsehrat eine echte Auswahl hat.
Kritik aus dem Fernsehrat: „Wagenburgmentalität“ beim ZDF
Auch aus dem ZDF-Fernsehrat selbst kommen kritische Stimmen. Steffen Kampeter (62), Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Mitglied des Kontrollgremiums, bemängelt: „Der ÖRR muss Vertrauen zurückgewinnen. Dem ZDF hätte ein Rennen mehrerer Kandidaten und damit eine Debatte über verschiedene Wege zu diesem Ziel gutgetan.“ Kampeter sieht beim Sender eine defensive Haltung: „Erkennbar ist eine Wagenburgmentalität, die alle Kritik an Fehlern bei den Sendern in die Nähe radikaler und demokratiefeindlicher Umtriebe rückt.“
CDU/CSU fordert Aufarbeitung von Fehlern
Das ZDF stand in jüngster Zeit mehrfach in der Kritik, unter anderem wegen im „heute-journal“ gezeigter KI-generierter Falschdarstellungen. Die medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ottilie Klein (42), fordert Konsequenzen: „Nach den jüngsten Vorkommnissen beim ZDF ist es wichtig, dass sich der Sender grundsätzlich und kritisch mit den gemachten Fehlern auseinandersetzt. Gerade eine Intendantenwahl muss der Anlass für eine konsequente Aufarbeitung sein, denn hier werden für das ZDF die Grundlagen der kommenden Jahre gelegt.“ Klein betont, dass es weniger um die Anzahl der Kandidaten gehe, sondern darum, Fehler glaubhaft zu analysieren und zukünftig zu vermeiden.
Hintergrund: Wahlverfahren und bisherige Kandidatur
Der ZDF-Intendant wird für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Der Fernsehrat fungiert dabei als Kontrollgremium und „Anwalt des Publikums“, besetzt mit Vertretern aus Politik, Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden. Bewerber für das Amt müssen von Mitgliedern des Fernsehrats nominiert werden. Neben Norbert Himmler war zwischenzeitlich auch die NDR-Journalistin Floria Fee Fassihi (bekannt aus Formaten wie „Panorama“ und „Zapp“) vorgeschlagen worden, zog ihre Kandidatur jedoch kurz darauf zurück.
Norbert Himmler war im Juli 2021 zum Intendanten gewählt worden und setzte sich damals gegen die ARD-Journalistin Tina Hassel (61) durch. Seine aktuelle Amtszeit läuft noch bis zum 14. März 2027. Dennoch strebt er bereits jetzt die Sicherung einer zweiten Amtsperiode an – ohne Wettbewerb um die Spitzenposition. Die Wahl am Freitag wird damit voraussichtlich zu einer reinen Formalität, was die Diskussion über Transparenz und demokratische Legitimation im öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter anheizt.



