ZDF-Mitarbeiter in Aufruhr: Interner Aufstand nach KI-Skandal bei „heute journal“
Hinter den Kulissen des ZDF brodelt es gewaltig. Nach dem KI-Skandal um gefälschte Videoclips im „heute journal“ haben sich mehr als 1000 Mitarbeiter in einer internen Teams-Schaltung zu Wort gemeldet und ihren Unmut lautstark kundgetan. Die Betriebsversammlung, die ursprünglich zur Beruhigung der Lage dienen sollte, entwickelte sich zu einem offenen Frontalangriff auf die Senderführung.
Chefredakteurin Schausten in der Defensive
ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten (61) versuchte während der Schalte, die Wogen zu glätten, musste sich jedoch harscher Kritik aus den eigenen Reihen stellen. Sie begründete die Abberufung der New-York-Studiochefin Nicola Albrecht (50) damit, dass das KI-Video „bewusst“ verwendet worden sei. Albrecht habe sich selbst gesagt: „Ach, das geht ja, wenn ich es kennzeichne.“ Doch Schausten betonte: „So geht es nicht.“ Realität dürfe nicht mit KI-Material bebildert werden, „wie sie sein könnte“.
Mitarbeiter sprechen von „unfassbar gravierendem Fehler“
Die Stimmung unter den Kollegen war angespannt bis aufgebracht. Eine langjährige Mitarbeiterin bezeichnete den Vorfall als „unfassbar gravierenden Fehler“, der dem Sender auf Jahre schaden werde. Sie kritisierte, dass Führungskräfte zwar Verantwortung trügen, aber keine Konsequenzen zu sehen seien. Ein anderer Mitarbeiter warnte vor einem „Wir-gegen-die-da-draußen“-Reflex und bemängelte, dass Kritik abgewehrt statt geprüft werde. Schon der Titel des betroffenen Beitrags „Kinder in Angst vor ICE“ sei ihm „zu schwarz-weiß“ gewesen – eine „totale Zuspitzung auf das Narrativ“.
Theveßen bleibt stur – Dunja Hayalis Rolle unklar
US-Korrespondent Elmar Theveßen zeigte sich in der Runde uneinsichtig und beharrte darauf: „Kein einziges Wort an den Beiträgen von Nicola war falsch“, man habe „die Realität abgebildet“ und sich nichts vorzuwerfen. Diese Haltung war offenbar selbst für Chefredakteurin Schausten zu viel. Sie widersprach deutlich und betonte, das KI-Video sei „wissentlich“ verwendet worden.
Unklar bleibt die Rolle von „heute“-Frontfrau Dunja Hayali. Schausten beteuerte, Hayali habe nicht gewusst, dass KI-Material im Beitrag steckte und sei von einer anderen Fassung ausgegangen. Doch dann folgte der Seitenhieb: Es wäre „schön gewesen“, sie hätte sich den Beitrag noch einmal angesehen.
Externe Kritik und Vertuschungsvorwürfe
Die Aufzeichnung der internen Runde, die vom Portal „Nius“ veröffentlicht wurde, belegt die angespannte Lage. Das ZDF versucht die Vorgänge herunterzuspielen und spricht von „aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten“. Fernsehratsmitglied Steffen Hörtler (52) vom „Bund der Vertriebenen“ zeigte sich gegenüber BILD irritiert: „Wenn die Betriebsversammlung so stattgefunden hat, dann bin ich irritiert.“ Eine BILD-Anfrage zu den durchgestochenen Aufnahmen blieb unbeantwortet.
Die bange Frage eines Mitarbeiters hallt nach: „Ist das unser Relotius-Moment?“ – eine Anspielung auf den früheren Spiegel-Reporter Claas Relotius, der durch gefälschte Reportagen einen der größten Medienskandale der jüngeren Geschichte auslöste. Beim ZDF scheint das Vertrauen in die eigene Redaktionsarbeit nachhaltig erschüttert.



