ZDF warnt vor KI-Fälschungen und nutzt selbst manipulierte Videos im Beitrag
ZDF nutzt KI-generierte Videos trotz eigener Warnung

ZDF zeigt manipulierte Videos trotz eigener Warnung vor Fälschungen

In einem Beitrag über die US-Migrationsbehörde ICE hat das ZDF im Heute Journal künstlich generierte Videoaufnahmen verwendet, ohne diese als solche zu kennzeichnen. Dieser Vorfall wirft erhebliche Fragen zur journalistischen Sorgfaltspflicht auf, insbesondere da Moderatorin Dunja Hayali in derselben Sendung ausdrücklich vor gefälschten Inhalten in sozialen Netzwerken gewarnt hatte.

Emotionale Szenen – doch nicht echt

Der Beitrag zeigte eine emotional aufgeladene Szene: Eine Mutter wird von zwei Beamten abgeführt, während zwei verzweifelte Kinder versuchen, dies zu verhindern. Im Hintergrund sind weinende Kinderstimmen zu hören. Diese Aufnahmen, die grobes Verhalten der Einsatzkräfte suggerieren sollten, waren jedoch nicht authentisch. Ein Wasserzeichen auf dem Video verriet, dass es sich um KI-generiertes Material handelte.

Weder im Beitrag selbst noch in der Moderation wurde dieser Umstand für die Zuschauer kenntlich gemacht. Dabei hatte Hayali in ihrer Anmoderation betont: „Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird festgestellt haben, dass es sehr viele Videos zu den Einsätzen der ICE-Truppen von Donald Trump gibt. Nicht alle sind echt.“

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Redaktion korrigiert den Fehler nachträglich

In einer Stellungnahme teilte das ZDF mit, die Redaktion habe den Fehler erkannt und das Video entsprechend angepasst. In der Mediathek ist inzwischen eine geänderte Fassung der Sendung verfügbar, in der die KI-generierten Bilder ersetzt wurden.

Zudem wurde ein zweiter Clip entfernt, der ursprünglich die angebliche Abschiebung eines Schulkindes zeigte. Tatsächlich handelte es sich dabei um Aufnahmen der Festnahme eines 10-Jährigen nach einer Amokdrohung in Florida aus dem Mai 2022.

Offene Fragen zur Medienverantwortung

Das ZDF äußerte sich auf Medienanfragen nicht dazu, ob der Redaktion während der Produktion bewusst war, dass es sich bei den verwendeten Videos um KI-generierte Inhalte handelte. Dieser Vorfall unterstreicht die wachsende Herausforderung für Medienhäuser, im Zeitalter künstlicher Intelligenz die Authentizität von Bildmaterial sicherzustellen und transparent zu kommunizieren.

Die Diskrepanz zwischen der Warnung vor Fälschungen und der anschließenden Nutzung nicht gekennzeichneter KI-Inhalte wirft grundlegende Fragen zur Glaubwürdigkeit und Ethik im journalistischen Alltag auf. In einer Zeit, in der manipulierte Medieninhalte zunehmen, kommt öffentlich-rechtlichen Sendern eine besondere Verantwortung zu, mit visuellen Darstellungen besonders sorgfältig umzugehen.

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