Bitterfelder Pietà: Ein Trostbild voller Hoffnung zu Ostern
Bitterfelder Pietà: Trostbild mit Osterbotschaft

Bitterfelder Pietà: Ein Trostbild voller Hoffnung zu Ostern

In der katholischen Kirche von Bitterfeld steht eine eindrucksvolle Holzplastik, die das gesamte Ostergeschehen in sich vereint. Die 1,20 Meter hohe Pietà zeigt die trauernde Maria mit dem toten Jesus auf ihrem Schoß – eine Darstellung, die seit dem 13. Jahrhundert existiert und hier in der Region eine besondere Rarität darstellt.

Die Geschichte einer verschollenen Plastik

Pfarrer Andreas Ginzel erklärt, dass die Plastik nicht zur ursprünglichen Ausstattung der 1895 eingeweihten Kirche gehörte. Experten datieren ihre Entstehung auf die Zeit zwischen 1895 und 1929. „Möglicherweise stand sie in der Kapelle der Kriegstoten im ersten Turm. Da hätte sie gut hingepasst“, so der Pfarrer. Tatsächlich war die Pietà jahrzehntelang nicht in der Kirche zu sehen und wurde erst nach der Jahrtausendwende unter Pfarrer Thomas Kriesel wiederentdeckt.

Ein Ort des Trostes und der Trauer

Für die Gemeindemitglieder ist die Pietà vor allem ein Zufluchtsort in schwierigen Zeiten. Angezündete Kerzen vor der Plastik zeugen von den Besuchen trauernder Menschen. „Die Pietà ist ein Trostbild. Sie zeigt ihnen, dass sie nicht allein in ihrem Schmerz sind“, betont Ginzel. Doch die Plastik ist mehr als nur ein Ausdruck mütterlicher Trauer – sie verkörpert den Übergang von Verzweiflung zu Hoffnung.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Der Kreuzweg-Zyklus von Ivo Janacek

Noch deutlicher wird die Osterbotschaft durch den Bilderzyklus des Kunstlehrers Ivo Janacek an den Kirchenwänden. Zwischen 1983 und 1985 malte er die Stationen von Jesu Weg zum Kreuz. Das 13. Bild zeigt dieselbe Szene wie die Pietà: Maria mit dem toten Jesus. Doch darauf folgt das Bild der leeren Grabeshöhle als Zeichen der Auferstehung.

Besonders bemerkenswert ist das 15. Bild, das Janacek zusätzlich schuf. Es zeigt die Begegnung des auferstandenen Jesus mit zwei Jüngern im Dorf Emmaus. Damit macht der Künstler die in der Pietà bereits angelegte Hoffnung auf Auferstehung sichtbar und konkret.

Zeitlose Bedeutung über christliche Deutung hinaus

Die Pietà hat längst eine Bedeutung über das Christliche hinaus gewonnen. Durch Versionen wie die von Käthe Kollwitz steht das Motiv als zeitloses Bild menschlichen Leids und als Mahnung gegen den Krieg. In der aktuellen Situation mit Konflikten wie dem Ukraine- und Iran-Krieg könnte die Bitterfelder Pietà für viele Menschen neue Bedeutung erlangen.

Pfarrer Ginzel spürt bei manchen Gemeindemitgliedern große Sorgen in diesen unsicheren Zeiten. „Ich selber habe ein diffuses Unbehagen bei der Frage: Auf wen kann man in dieser Welt noch vertrauen?“, gibt er zu. Solchen Fragen kann man auch im Ostergottesdienst nachgehen, der in der katholischen Kirche Bitterfeld am Samstag um 21 Uhr beginnt und musikalisch von Marek Merseburger begleitet wird.

Die klare Botschaft von Ostern

Die Osterbotschaft, die sowohl die Pietà als auch das Emmaus-Bild vermitteln, ist eindeutig: Es geht um Hoffnung. Diese Hoffnung kann zum Handeln motivieren. „Ich muss nicht verzweifeln angesichts des Leids, sondern kann mithelfen, es zu ändern“, sagt Ginzel. Die Plastik zeigt nicht nur den schmerzvollen Karfreitag, sondern weist bereits auf das kommende Licht der Auferstehung hin.

Die doppelte Darstellung des Ostergeschehens – einmal in der dreidimensionalen Holzplastik und einmal in den Wandbildern – schafft ein besonderes Spannungsfeld in der Bitterfelder Kirche. Während die Pietà zunächst die Trauer und Verzweiflung verkörpert, machen die Bilder von Ivo Janacek den Weg zur Hoffnung und Auferstehung sichtbar. Zusammen erzählen sie die komplette Ostergeschichte von Tod und neuerhofftem Leben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration