Ex-Pfarrer lädt Trauernde zu besonderem Osterbrunch in München ein: Ein Fest des Neuanfangs
Trauer und Hoffnung – diese beiden Pole prägen das Osterfest, das traditionell den Übergang vom Tod zum Leben symbolisiert. Für Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben, kann der Frühling jedoch wie ein gebrochenes Versprechen wirken. Der ehemalige evangelische Pfarrer Torsten Resack (43) lädt deshalb am Ostersonntag zu einem besonderen Osterbrunch für Trauernde in der Lutherkirche in Obergiesing ein. "Ich will niemandem sagen, freut euch, die Trauer ist jetzt vorbei", betont Resack. "Denn das ist sie natürlich nicht. Aber man kann das neu aufsprießende Leben feiern im Bewusstsein des Verlustes."
Von persönlicher Erfahrung zur Gemeinschaftsaktion
Torsten Resack kennt die Tiefen der Trauer aus eigener Erfahrung. Vor sechs Jahren starb seine Mutter, nachdem er sie durch eine schwere Krankheit begleitet hatte. Ein weiterer Trauerfall in der Familie gab den Anstoß für die Initiative: Seine Patentante verlor ihren Ehemann, gerade als sie in den Ruhestand starten wollten. Sie regte an, dass Resack, der auch als Coach arbeitet, etwas für Trauernde organisieren sollte. So entstand die Idee, die erstmals im Dezember 2025 mit einem Weihnachtsessen für einsame und trauernde Menschen umgesetzt wurde. Zehn Teilnehmer zwischen 27 und 72 Jahren erlebten dabei einen wunderbaren Abend des gemeinsamen Kochens und Essens. "Beim Schnippeln und Kochen kommt man am leichtesten ins Gespräch und ins Gemeinschaftsgefühl, ohne dass man sich zu sehr exponieren muss", erklärt Resack.
Programm des Osterbrunchs: Vom gemeinsamen Essen zur meditativen Aktion
Für den Osterbrunch am Sonntag, dem 5. April, von 10 bis 15 Uhr, hofft Resack auf eine ähnlich positive Resonanz. Das Programm beginnt mit einem Ankommen bei Kaffee und Tee, gefolgt von einer kurzen Einführung. Anschließend wird gemeinsam der Brunch vorbereitet und verzehrt. Da sich die Veranstaltung explizit an Trauernde richtet, schließt sich am Nachmittag eine meditative Aktion an: Jeder Gast gestaltet einen Blumentopf und pflanzt einen Samen – ein symbolträchtiges Bild für den Neuanfang, das mit nach Hause genommen werden kann. Die Teilnahme ist auf bis zu 30 Personen begrenzt und kostet einen Unkostenbeitrag von 25 Euro. Anmeldungen sind bis Donnerstag, den 2. April, 12 Uhr, unter torsten.resack@gmail.com möglich.
Keine klassische Kirchenveranstaltung, sondern ein inklusives Angebot
Torsten Resack betont, dass es sich nicht um eine kirchliche Veranstaltung im klassischen Sinne handelt. "Es sind ausdrücklich alle Menschen eingeladen, unabhängig davon, ob sie einer Kirche angehören, anders glauben oder gar nicht", sagt er. "Es geht um die Erfahrung, dass nach einem Verlust neues Leben möglich ist." Pfarrer Micha Boerschmann von der Lutherkirche Giesing unterstützt die Initiative erneut und stellt den Raum zur Verfügung. "Die Weihnachtsaktion hat gezeigt, wie groß der Bedarf ist. Es ist toll, dass Torsten diesen Weg weitergeht", so Boerschmann.
Vom Pfarrer zum Unternehmensberater: Ein Lebensweg voller Umbrüche
Resacks eigener Lebensweg spiegelt Themen des Wandels wider. Ursprünglich Pfarrer in der badischen Landeskirche, sogar mit einem Jahr als Co-Studienleiter in Jerusalem, durchlief er eine Glaubenskrise. "Mein Glaube hat sich verändert", erzählt er. "Irgendwann wollte ich das nicht mehr machen. Ich hatte damals das Gefühl, ich spiele nur noch eine Rolle da oben auf der Kanzel." Mit einer Neigung zu Mathematik, Physik und Wirtschaft wechselte er mit 34 Jahren in die Unternehmensberatung, absolvierte einen MBA und ist heute selbstständig als Berater und Coach. Geblieben ist ihm die Freude an der Seelsorge. "Trauergespräche waren immer – so seltsam das klingen mag – einer der schönsten Teile meiner Arbeit", resümiert Resack. "Man hat mal gemeinsam geweint oder auch gelacht, das war immer sehr echt, das habe ich geliebt."



