Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster: Ein fortschrittlicher Geistlicher übernimmt das größte Bistum Deutschlands
Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster: Fortschrittlicher Geistlicher

Heiner Wilmer wird neuer Bischof von Münster: Ein fortschrittlicher Geistlicher übernimmt das größte Bistum Deutschlands

Heiner Wilmer, der amtierende Bischof von Hildesheim in Niedersachsen, wird ab dem Sommer das Bistum Münster leiten. Am Donnerstag stellte er sich im Dom zu Münster den Gläubigen vor und betonte dabei seine fortschrittlichen Positionen, darunter alternative Leitungsmodelle mit Frauen und die Segnung homosexueller Paare. Der 64-Jährige, der seit 2018 im Bischofsamt in Hildesheim tätig ist, wird am 18. Juni offiziell in sein neues Amt eingeführt.

Emotionale Vorstellung im Dom mit klaren Worten zum Missbrauchsskandal

Bei seiner Vorstellung im Münsteraner Dom zeigte sich Wilmer voller Emotionen und persönlicher Worte. Er sprach eindringlich über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und kritisierte, dass viele Verantwortungsträger zu lange weggeschaut hätten. „Das alles darf es nie wieder geben, und ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist“, sagte er in seiner Rede. Der Wechsel falle ihm nicht leicht, betonte er, und bei der Erwähnung seiner Mitarbeiter in Hildesheim kämpfte er kurz mit den Tränen.

Rückkehr in die alte Heimat und ungewöhnlicher Werdegang

Wilmer kehrt mit seiner Ernennung fast in seine alte Heimat zurück. Er ist auf einem Bauernhof im südlichen Emsland aufgewachsen und sollte ursprünglich den Hof übernehmen. Weil er nur Plattdeutsch sprach, schickten ihn seine Eltern in einen Kindergarten nach Hopsten in Nordrhein-Westfalen, um Hochdeutsch zu lernen. „Das Lernen des Hochdeutschen ist mir mit Abstrichen gelungen“, berichtete er bei einer Pressekonferenz nach der Vorstellung. Er folgt auf Felix Genn, der im vergangenen Jahr mit 75 Jahren in den Ruhestand ging.

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Doppelte Verantwortung als Bischof und Vorsitzender der Bischofskonferenz

Erst im Februar wurde Wilmer zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt. Am 17. März erhielt er die Anfrage, ob er nach Münster gehen würde. „Doch, ich habe darüber nachgedacht. Tatsächlich“, sagte er. Nachdem sich die Frauen und Männer in Münster für ihn ausgesprochen hatten und Papst Leo ihn ausgewählt habe, stimmte er zu. „Am 19. März um 6.00 Uhr am Morgen habe ich unterschrieben. Wie das genau gehen soll, mit diesen zwei großen Aufgaben, werden wir sehen. Es muss gut koordiniert werden“, erklärte Wilmer.

Das Ernennungsverfahren nach dem Preußischen Konkordat

Die Ernennung eines Bischofs folgt einem genau festgelegten Verfahren. Im Bistum Münster gilt das Preußische Konkordat aus dem Jahr 1929, ein völkerrechtlicher Vertrag mit dem Vatikan. Dabei legt das Bistum Rom eine Liste mit geeigneten Kandidaten vor, und das Domkapitel erhält über den Botschafter des Vatikans in Deutschland eine Liste mit drei Kandidaten zurück. Der Papst ist nicht an diese Liste gebunden. Das Domkapitel wählt einen Kandidaten, und nach Zustimmung der Landesregierung wird der Name Rom gemeldet, woraufhin der Papst den neuen Bischof ernennt.

Das Bistum Münster: Größtes Bistum Deutschlands mit regionaler Ausdehnung

Das Bistum Münster umfasst das Münsterland bis zum Niederrhein und zum Nordrand des Ruhrgebiets in Nordrhein-Westfalen sowie das Oldenburger Land in Niedersachsen. Mit 1,63 Millionen Katholiken ist es gemessen an der Zahl der Gläubigen das größte Bistum in Deutschland, knapp vor dem Erzbistum Köln mit 1,62 Millionen Katholiken, basierend auf Zahlen der Bischofskonferenz für das Jahr 2024.

Fortschrittliche Positionen und Engagement für Erneuerung

Wilmer gilt als fortschrittlicher Bischof, der in seinem bisherigen Bistum Hildesheim alternative Leitungsmodelle mit Frauen erprobt hat. Er setzt sich für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral ein und befürwortet die Segnung homosexueller Paare. Damit passt er zum als progressiv geltenden Bistum Münster, von dem aus sich die Initiative Maria 2.0 entwickelte, die sich für eine stärkere Rolle von Frauen in der Kirche einsetzt. Gleichzeitig engagiert sich Wilmer stark für das Thema Evangelisierung, das traditionell konservativen Bischöfen wichtig ist.

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Internationale Erfahrung und diplomatisches Auftreten

Wilmer hat einen internationalen Hintergrund: Er unterrichtete Deutsch und Geschichte in der New Yorker Bronx und leitete eine Ordensgemeinschaft in Rom. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller beschreibt ihn als „katholischen Weltenbürger“ mit guten Kontakten zum Vatikan. Bei seiner Vorstellung in Münster wirkte er deutlich lockerer als in früheren TV-Interviews, wo er oft diplomatische Antworten gab. Münsters Oberbürgermeister Tilmann Fuchs (Grüne) begrüßte ihn im Dom und unterstrich damit die Bedeutung dieser Ernennung für die Region.