Berliner Karfreitagsprozession setzt Zeichen für psychische Gesundheit
Die traditionelle ökumenische Karfreitagsprozession in Berlin stand in diesem Jahr ganz im Zeichen psychischer Erkrankungen. Unter dem bewegenden Motto „Wenn die Seele leidet“ versammelten sich zahlreiche Gläubige und Interessierte, um gemeinsam durch die Hauptstadt zu ziehen und ein besonderes Symbol zu tragen.
Grünes Kreuz als zentrales Symbol
Im Mittelpunkt der Prozession befand sich ein beeindruckendes grünes Kreuz mit einem Gewicht von 80 Kilogramm. Dieses wurde von der Sankt Marienkirche am Alexanderplatz aus durch die Berliner Innenstadt getragen. Die Route führte die Teilnehmer an bedeutenden Stationen vorbei:
- Berliner Dom
- Unter den Linden
- Bebelplatz
An diesen Haltepunkten wurden Texte vorgetragen, die sich intensiv mit dem Thema seelisches Leid auseinandersetzten. Die Prozession fand ihren feierlichen Abschluss in der katholischen Sankt-Hedwigs-Kathedrale, wo die Teilnehmer zusammenkamen.
Prominente kirchliche Unterstützung
Die Veranstaltung wurde von hochrangigen Vertretern verschiedener christlicher Konfessionen begleitet, was die ökumenische Ausrichtung unterstrich. Zu den prominenten Teilnehmern gehörten:
- Der evangelische Berliner Landesbischof Christian Stäblein
- Erzbischof Heiner Koch von der katholischen Kirche
- Bischof Emmanuel von Christoupolis für die griechisch-orthodoxe Kirche
Der Karfreitag als einer der ältesten Gedenktage des Christentums rückt traditionell das Leiden und Sterben Jesu in den Mittelpunkt. In diesem Jahr wurde dieser Fokus um die Dimension psychischer Erkrankungen erweitert.
Predigten thematisieren weltweites Unrecht
In seiner ergreifenden Predigt kurz vor Beginn der Prozession bezog Landesbischof Stäblein die Schreie Jesu am Kreuz direkt auf aktuelle Missstände in der Welt. „Manchmal ist da die Sorge, dass wir stumm werden. Dass keiner mehr schreit. Dass all das Elend geschieht, und niemand sagt etwas laut“, äußerte Stäblein mit bewegenden Worten.
Er nannte konkrete Beispiele für das Schweigen angesichts von Leid:
- Die unfassbar vielen Toten im Südsudan
- Die Hölle des Milizenkrieges
- Das Verschleppen von syrischen und belarussischen Oppositionellen
„Wer schreit? Schreit noch wer? Oder sind wir stumm geworden?“, fragte der Bischof provokativ und forderte damit zum Nachdenken auf.
Osterpredigt verspricht Hoffnung und Kraft
Erzbischof Heiner Koch wird in seiner Osterpredigt am Sonntag einen hoffnungsvollen Akzent setzen. In seinem vorab verbreiteten Manuskript betont er, dass Gott Menschen auch in schweren Zeiten Halt und Kraft geben könne. „Gerade in einer Zeit mit so viel Krieg und Elend, in einer Zeit gefüllt mit so viel Verzweiflung und Wirrsinn, in einer Zeit der Gewalt und des Terrors bekennen und hoffen wir auf den Auferstandenen“, heißt es in den vorbereiteten Worten.
Die Berliner Karfreitagsprozession hat damit nicht nur ein traditionelles religiöses Ereignis dargestellt, sondern auch eine wichtige gesellschaftliche Botschaft transportiert. Durch die Thematisierung psychischer Erkrankungen und die Bezugnahme auf weltweites Unrecht positionierte sie sich als relevantes zeitgenössisches Zeichen in einer komplexen Welt.



