Sexuelle Therapie nach schiitischer Lehre: Ein Mullah und seine Kurzzeit-Ehefrauen
Im Zentrum einer ungewöhnlichen medizinischen und religiösen Geschichte steht Modschtaba Chamenei (56), der als wahrscheinlichster Nachfolger seines verstorbenen Vaters Ali Chamenei für das Amt des „Obersten Führers“ im Iran gilt. Laut vertraulichen diplomatischen Quellen, die durch WikiLeaks-Veröffentlichungen aus dem Jahr 2008 bekannt wurden, litt der Hardliner des Regimes unter schwerer Impotenz, die ihn zu mehrfachen Krankenhausaufenthalten zwang.
Londoner Klinikaufenthalte und ein persönliches Dilemma
Nachdem klar wurde, dass Chamenei und seine Ehefrau trotz langjähriger Ehe kein Kind zeugen konnten, suchte der Mullah-Sohn medizinische Hilfe in spezialisierten Londoner Kliniken. Insgesamt absolvierte er mindestens vier Behandlungen, wobei er einmal sogar zwei Monate kontinuierlich in einer Potenzklinik verbrachte. Diese intensive Therapie zeigte schließlich Erfolg: Nach der Behandlung gelang es ihm, seine Frau zu schwängern und damit seine Ehe zu retten.
In der streng schiitischen Lehre stellt Impotenz den einzigen akzeptablen Grund dar, der einer Frau das Recht auf Scheidung gewährt. Die familiäre und gesellschaftliche Erwartung, Nachkommen zu zeugen, lastete schwer auf Chamenei, dessen drei Brüder ebenfalls unter diesem Druck standen. Tragischerweise sollen sowohl seine Ehefrau als auch sein Sohn bei dem israelischen Angriff in Teheran ums Leben gekommen sein, bei dem auch sein Vater getötet wurde.
Das islamische Schlupfloch: Zeit-Ehen als legale Prostitution
Zur umfassenden Behandlung seiner Potenzprobleme gehörte nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch praktische Übung. Hier kam ein besonderes islamisches Konzept zum Tragen: die sogenannte Mutʿa-Ehe oder Zeit-Ehe. Diese im schiitischen Islam legalisierte Praxis erlaubt Männern, befristete Ehen mit Frauen einzugehen, die zwischen einer Minute und 99 Jahren dauern können und notariell beglaubigt werden.
Laut den Enthüllungen soll Modschtaba Chamenei während seiner Londoner Aufenthalte mindestens zwei solcher Kurzzeit-Ehen eingegangen sein. Die Islam-Expertin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş (62) erklärt dazu: „Es handelt sich um ein für Kriegszeiten eingeführtes Prinzip aus frühislamischer Zeit. Es sollte sicherstellen, dass Männer auch dann Sex haben, wenn sie weit von ihren Ehefrauen sind – die ‚Kurzzeit-Ehefrauen‘ aber auch entschädigt bzw. bezahlt werden.“
Moderne Anwendung eines alten Prinzips
Während die meisten islamischen Strömungen, darunter auch Saudi-Arabien, diese Praxis als Prostitution bewerten und unter Strafe stellen, bleibt sie im schiitischen Gottesstaat Iran legal. Notarbüros beglaubigen dort offiziell die Mutʿa-Ehen und geben ihnen einen rechtlichen Rahmen.
Seyran Ateş weist darauf hin, dass dieses Konzept auch in Deutschland Anwendung findet: „Auch in Deutschland gibt es Imame, die Zeit-Ehen schließen und damit Geld verdienen. Sie ist gängige Praxis in deutschen Bordellen. Frauen bieten diese ‚Ehen‘ für einen Aufpreis an.“ Oft erfolge dies ohne direkte Beteiligung eines Imams, indem der Freier die Sexarbeiterin zum Islam konvertieren lasse und sie dann durch einen Koran-Spruch vorübergehend zu seiner Ehefrau erkläre.
Die Geschichte von Modschtaba Chamenei zeigt damit nicht nur die persönlichen Herausforderungen eines politischen Erben, sondern auch, wie religiöse Rechtskonzepte in modernen Kontexten interpretiert und angewendet werden können. Sie wirft Fragen nach der Schnittstelle zwischen traditionellen religiösen Praktiken und zeitgenössischen medizinischen sowie gesellschaftlichen Realitäten auf.



