Papst Leo XIV. in Kamerun: Friedensappell gegen eine Handvoll Tyrannen
Bei einem Besuch in Kamerun hat Papst Leo XIV. angesichts weltweiter Kriege und blutiger Konflikte eindringlich zu Versöhnung aufgerufen. In der Stadt Bamenda im Nordwesten des westafrikanischen Landes würdigte der Pontifex die gemeinsamen Friedensbemühungen von Christen und Muslimen. In dieser Region tobt seit 2017 ein schwerer Konflikt zwischen Regierung und Separatisten, der bereits Tausende Todesopfer forderte und Hunderttausende Menschen zur Flucht zwang. Die Religionsgemeinschaften versuchen hier aktiv zu vermitteln und Brücken zu bauen.
Vorbild für andere Regionen der Welt
Das Oberhaupt der katholischen Kirche bezeichnete diese interreligiösen Initiativen als ein leuchtendes Beispiel für andere Krisenregionen auf dem Globus. „Ich würde mir das für so viele Orte auf der Erde wünschen. Selig sind die Friedfertigen. Wehe jedoch denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen“, erklärte der Papst mit deutlichen Worten. Er fügte hinzu: „Die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten.“ Mit dem Begriff Myriaden ist eine riesige, unzählbare Menge gemeint.
Konkrete Länder oder Politiker nannte Leo XIV. in seiner Ansprache nicht beim Namen. Seine Botschaft war jedoch unmissverständlich und richtete sich gegen jene, die Religion für eigene Machtinteressen instrumentalisieren. Der Papst betonte die essentielle Rolle der einfachen Menschen, die durch Solidarität und Friedensarbeit die Welt zusammenhalten.
Unbeirrt trotz Kritik aus dem Weißen Haus
In den vergangenen Tagen war der Papst nach mehreren Friedensappellen wiederholt von US-Präsident Donald Trump kritisiert worden. Der erste US-Amerikaner als Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern und setzte seine Mission unbeirrt fort. Leo XIV. ist seit Mai des vergangenen Jahres im Amt und nutzt seine Afrika-Reise, um für Dialog und Versöhnung zu werben.
Zweite Station einer elftägigen Afrika-Reise
Kamerun stellt für Papst Leo nach Algerien die zweite Station einer elftägigen Reise durch Afrika dar. Zum Auftakt hatte er bereits am Mittwoch die Regierung von Langzeit-Präsident Paul Biya aufgefordert, sich intensiv um Frieden zu bemühen. Der 93-jährige Biya gehört zu den dienstältesten Staatschefs weltweit und regiert das Land seit mehr als vier Jahrzehnten. In Bamenda stand am Donnerstag auch eine große Messe mit Zehntausenden gläubigen Teilnehmern auf dem Programm, bei der der Papst eine weiße Taube als Symbol des Friedens fliegen ließ.
Die sozialen und politischen Rahmenbedingungen in Kamerun sind herausfordernd:
- Schätzungen zufolge leben etwa 40 Prozent der rund 30 Millionen Einwohner in Armut.
- Opposition, Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt.
- Mehr als die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zum Christentum, davon etwa ein Viertel zum katholischen Glauben.
- Zum Islam bekennen sich circa 20 Prozent der Menschen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt der interreligiöse Dialog, den der Papst hervorhob, eine besondere Bedeutung. Viele Menschen in Kamerun erwarten den Papstbesuch mit großer Freude und Hoffnung auf positive Impulse für ihr von Konflikten gezeichnetes Land.



