Schönheitschirurg Werner Mang predigt auf dem Heiligen Berg Oberschwabens
Der Lindauer Schönheitschirurg Prof. Werner Mang hat in der Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist auf dem Berg Bussen bei Uttenweiler die erste Fastenpredigt der Saison gehalten. Die Veranstaltung lockte mehr Gläubige an als die Predigt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor zwei Jahren und füllte die Kirche bis auf den letzten Platz.
Von Ministrant zum international bekannten Chirurgen
Pater Alfred, der Organisator der Veranstaltung, stellte Mang als tiefgläubigen Christen vor, der früher Ministrant war und seinen Glauben aktiv lebt. In seiner 30-minütigen Predigt mit dem Titel „Die Schönheit des Glaubens - Mit dem christlichen Glauben lebt es sich einfacher“ verband Mang persönliche Erfahrungen mit theologischen Betrachtungen.
„Ich bin ein alemannischer Junge, der mit nichts angefangen hat“, sagte der 1949 in Ulm geborene Chirurg. Er betonte, dass er trotz seines internationalen Erfolgs die Wurzeln seines christlichen Glaubens am Bodensee nie vergessen habe. Jährlich unternimmt er eine Wallfahrt auf dem Jakobsweg von Babenhausen nach Kirchhaslach, eine Tradition, die sein Vater eingeführt hatte.
Ernste Botschaft mit humorvollen Einlagen
Mang begann seine Predigt mit humorvollen Bemerkungen: „Danke für die Einladung hier auf dem ‚Busen‛, sorry, ‚Bussen‘“ und „Wir sind keine Botox-Klinik. Schlauchboote gehören auf den Bodensee und nicht ins Gesicht.“ Doch schnell wandte er sich ernsteren Themen zu.
Die Fastenzeit beschrieb er als mehr als nur Handyverzicht oder Aschermittwochssatire. „Die 40 Tage vor Ostern bieten großartige Gelegenheiten zur spirituellen und intellektuellen Sammlung und Neufindung“, so Mang. Er betonte, dass Fasten nicht nur dem Verzicht auf Süßigkeiten, Rauchen und Fleisch diene, sondern auch der Selbstreflexion und darüber hinaus äußerst gesund sei.
Kritik an der Kirche und Aufruf zur Erneuerung
Mang äußerte sich besorgt über die aktuellen Probleme der katholischen Kirche: „Eigentlich ist es schade, dass mein Name so viele Menschen in diese ehrfürchtige Kirche gelockt hat. Die Kirche sollte immer voll sein.“ Er forderte Reformen, um die Kirche wieder attraktiver für die Jugend zu machen, und appellierte an Prominente, ihren christlichen Glauben öffentlich zu bekennen.
Der Schönheitschirurg betonte die Gemeinsamkeiten aller Religionen: „Wenn man alle Religionen studiert, auch den Koran, dann liegen die Religionen gar nicht so weit auseinander“. Das Leben nach dem Tod sei in allen Religionen verankert und gebe ihm in seinem christlichen Glauben Halt.
Die Bergpredigt als Leitfaden für Frieden
Ein zentraler Punkt von Mangs Predigt war die Bergpredigt, die er als „Herzstück des Neuen Testaments und Magna Charta des Christentums“ bezeichnete. Er analysierte ihre Bedeutung für persönliches und politisches Handeln und entwickelte daraus eine Friedensethik mit vier Kernelementen:
- Weltweit Menschenrechte schützen, Entwicklung fördern und Armut bekämpfen
- Demokratie fördern und rechtsstaatliche Strukturen aufbauen
- Welthandel mit wirtschaftlicher Entwicklung und Industrialisierung
- Supranationale Verflechtungen schaffen und Bündnisse aufbauen
„Bei den Aussagen und Geboten der Bergpredigt geht es nicht um einzelne Taten, sondern um einen Lebensstil“, erklärte Mang. Dieser Lebensstil betreffe das individuelle Leben, sei aber gleichzeitig bedeutungsvoll für gesellschaftliche und politische Fragen.
Persönliche Rituale und abschließende Worte
Mang gab Einblick in seine täglichen Rituale: „Jeden Tag, wenn ich über die Seebrücke in die Klinik fahre, bekreuzige ich mich, schaue in die wunderbare Natur und sage: Danke, lieber Gott, dass ich wieder einen Tag in Gesundheit leben darf.“ Sein tägliches Abendgebet umfasst Fürbitten für verstorbene Familienmitglieder und Gebete für seine Frau, Kinder und Enkelkinder.
Zum Abschluss seiner Predigt empfahl Mang scherzhaft: „Ich empfehle Donald Trump, die Bergpredigt zu lesen.“ Und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Mal schauen, ob ich in den Himmel komme – denn auch im Himmel brauchen die sicher einen guten Schönheitschirurgen!“
Nach der Predigt beteten und sangen Pater Alfred und Prof. Mang gemeinsam. Als Abschiedsgeschenk erhielt Mang eine Flasche „Bussenwasser“ und eine Dose Nivea-Creme mit der Aufschrift „Bussen“. Weitere Fastenpredigten in diesem Jahr halten unter anderem der Stuttgarter Unternehmensberater Dr. Christoph Palmer, Biberachs Filmfest-Gründer Adrian Kutter, Prälatin i.R. Gabriele Wulz und Brauerei-Geschäftsführer Gottfried Härle.



