Köthen/MZ. – Paul Hesse ist für seine wissenschaftlich fundierten Analysen bekannt. Genau eine solche erwarteten die Mitglieder des Sozial-, Gesundheits- und Jobcenterausschusses des Kreistages auch in ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag. Der Verantwortliche für die Sozialplanung beim Landkreis hatte sie diesmal unter die Thematik „Armutsgefährdung im Landkreis Anhalt-Bitterfeld“ gestellt. Doch den Nerv der Ausschussmitglieder traf er damit nicht. Im Gegenteil: Er erntete harschen Widerspruch.
Zu akademisch für die Praxis?
Die Analyse, die Hesse präsentierte, war detailliert und datenbasiert. Doch für die Kreistagsmitglieder war sie offenbar zu theoretisch. „Das ist mir zu akademisch“, kritisierte ein Ausschussmitglied. „Wir brauchen konkrete Handlungsempfehlungen, keine abstrakten Zahlen.“ Hesse, der sonst für seine klaren Analysen gelobt wird, geriet zwischen die Fronten. Die Politiker forderten mehr Praxisnähe und weniger wissenschaftliche Fachbegriffe.
Armutsgefährdung in Anhalt-Bitterfeld
Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld gehört zu den Regionen mit erhöhter Armutsgefährdung in Sachsen-Anhalt. Die Analyse zeigte, dass insbesondere Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose von Armut betroffen sind. Hesse betonte die Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen und einer besseren Vernetzung der Hilfsangebote. Doch die Ausschussmitglieder vermissten konkrete Vorschläge zur Umsetzung.
Kritik an Methodik und Darstellung
Ein weiterer Kritikpunkt war die Darstellung der Daten. Die Grafiken und Tabellen seien schwer verständlich, so die Politiker. „So erreichen wir die Bürger nicht“, hieß es. Hesse verteidigte seine Arbeit: „Eine solide Analyse ist die Grundlage für gute Politik. Ohne fundierte Daten können wir keine zielgerichteten Maßnahmen ergreifen.“ Dennoch blieb die Stimmung im Ausschuss angespannt.
Reaktionen und Ausblick
Die Vorsitzende des Ausschusses, Petra Müller (CDU), bat um eine überarbeitete Version der Analyse mit stärkerem Praxisbezug. „Wir schätzen die Arbeit von Herrn Hesse, aber wir müssen die Ergebnisse so aufbereiten, dass sie im Alltag ankommen“, sagte sie. Hesse zeigte sich kompromissbereit: „Ich werde die Anregungen aufnehmen und eine praxisorientiertere Fassung erstellen.“ Die nächste Sitzung des Ausschusses findet in vier Wochen statt. Bis dahin soll die überarbeitete Analyse vorliegen.



