Berlin plant digitales Buchungssystem für Wohnungslosenunterkünfte
Berlin: Digitales System für Wohnungslosenunterkünfte

Berlin plant digitales Buchungssystem für Wohnungslosenunterkünfte

Die Berliner Sozialverwaltung plant eine umfassende Reform des Systems zur Unterbringung wohnungsloser Menschen. Künftig soll die Unterbringung zentral auf Landesebene gesteuert werden, ähnlich wie bei Flüchtlingen. Sozialstaatssekretär Aziz Bozkurt kündigte an, dass das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) den Prozess übernehmen wird.

Zentrale Steuerung statt Bezirksverantwortung

Bisher sind die Berliner Bezirke für die Unterbringung wohnungsloser Menschen zuständig. Sie schließen individuelle Verträge mit verschiedenen Anbietern von Unterkünften ab. Dies führt zu hohen Kosten für den Staat und teilweise sehr unterschiedlichen Qualitätsstandards. Pro Person und Tag kostet die Unterbringung im Durchschnitt etwa 35 Euro.

Die Sozialverwaltung verspricht sich von der zentralen Steuerung mehr Einfluss auf die Kosten und eine Vereinheitlichung der Qualitätsstandards. Das Land Berlin habe deutlich mehr Verhandlungsmacht als einzelne Bezirke, betonte Bozkurt.

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Digitale Datenbank nach Hotel-App-Vorbild

Im ersten Schritt sollen alle Unterkünfte in den Berliner Bezirken in einer digitalen Datenbank vereint werden. Der Bezirk Reinickendorf macht den Anfang, die anderen Bezirke sollen bis zum Jahresende folgen. In der Datenbank werden detaillierte Informationen zu jeder Unterkunft hinterlegt, darunter Größe, genauer Zuschnitt und verfügbare Plätze.

Müssen Bezirksmitarbeiter wohnungslose Menschen unterbringen, können sie freie Plätze künftig wie bei einer Hotel-App buchen. Bisher nehmen die zuständigen Behördenmitarbeiter in solchen Fällen den Telefonhörer in die Hand und telefonieren eine Liste von Wohnheimen ab, bis die benötigte Anzahl an Plätzen gefunden ist.

Bekämpfung unseriöser Anbieter und menschenunwürdiger Zustände

Die Unterbringung Wohnungsloser hat sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt, auf dem sich nach Erkenntnissen von Fachleuten auch unseriöse Anbieter tummeln. Recherchen des „Tagesspiegel“ ergaben jüngst, dass in manchen Heimen menschenunwürdige Zustände herrschen.

„Es gibt Situationen, da geht es in die kriminelle Richtung“, sagte Bozkurt dazu. „Das muss aufgeklärt werden.“ Teil der Reform ist, dass künftig das Land Berlin neue Verträge mit Anbietern schließt und klare Kriterien für die Unterbringung festlegt.

Langfristige Perspektiven und Herausforderungen

Zur Bewältigung der Probleme könnte auch die Schaffung landeseigener Räumlichkeiten beitragen, etwa durch den Umbau nicht mehr genutzter Bürokomplexe. Da die kommunalen Wohnungsgesellschaften dies derzeit nicht leisten können, sucht die Verwaltung noch nach praktikablen Lösungen.

In Berlin gibt es laut Bozkurt 40.000 bis 50.000 Menschen ohne eigene Wohnung, die der Staat unterbringen muss. Dabei handelt es sich nicht um Obdachlose, die auf der Straße leben, sondern beispielsweise um Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben oder nach Schicksalsschlägen Hilfe benötigen. Hinzu kommen etwa 35.000 geflüchtete Menschen, die das LAF unterbringt.

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