Bürgerräte: Quedlinburgerin zieht nach Berliner Engagement bitteres Fazit
Bürgerräte: Quedlinburgerin zieht bitteres Fazit

Komplette Ernüchterung nach Bürgerrat-Engagement

Die Bundesregierung setzte große Hoffnungen in Bürgerräte, um das schwindende Vertrauen in die politischen Prozesse wiederherzustellen. Die Idee: Bürgerinnen und Bürger sollten direkten Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen können. Biggy Kewitsch, eine 50-jährige Eisverkäuferin aus Quedlinburg im Harzkreis, wurde für den Bürgerrat Ernährung im Wandel berufen und reiste dafür mehrfach nach Berlin.

Zwischen Aufregung und Frustration

Die anfängliche Begeisterung war groß, wie Kewitsch berichtet. Die Diskussionen mit Politikerinnen, Experten und anderen Teilnehmern aus ganz Deutschland weckten ihren Ehrgeiz und ließen sie intensiv in die Materie der Ernährungspolitik eintauchen. Das war aufregend, erinnert sie sich. In der Zeit damals war es total positiv. Doch nach über zwei Jahren Engagement zieht sie nun ein bitteres Fazit.

Die Ernüchterung setzte ein, als sie realisierte, dass die Empfehlungen des Bürgerrats kaum Gehör in der politischen Praxis fanden. Die versprochene Einflussnahme blieb aus, und die mühsam erarbeiteten Vorschläge verhallten weitgehend ungehört. Diese Erfahrung hat Kewitsch zutiefst frustriert und wirft Fragen zur Wirksamkeit solcher Partizipationsmodelle auf.

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Ein persönlicher Einblick

Für Kewitsch war die Teilnahme am Bürgerrat eine prägende Zeit, die ihr politisches Interesse nachhaltig geweckt hat. Bis heute beschäftigt sie sich intensiv mit Ernährungsthemen. Doch die Diskrepanz zwischen den hochgesteckten Erwartungen und der politischen Realität hinterlässt bei ihr ein Gefühl der Enttäuschung. Ich hatte gehofft, dass unsere Stimmen wirklich etwas bewegen, erklärt sie. Stattdessen musste sie erfahren, wie schwer es ist, als Bürgerin tatsächlich Gehör zu finden.

Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Herausforderungen, die mit partizipativen Demokratieformen verbunden sind. Während die Bundesregierung mit Bürgerräten das Vertrauen in die Politik stärken wollte, zeigt der Fall Kewitsch, dass ohne konkrete Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge das Gegenteil eintreten kann: verstärkte Politikverdrossenheit.

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