Von der Krone zum Kasernenhof: Europas junge Royals im Wehrdienst
Vom Schloss in die Kaserne: Europas Prinzessinnen und Prinzen tauschen für den Wehrdienst Glamour gegen Drill. Dänemarks Isabella zieht nach – und folgt damit einer langen royalen Tradition. In diesen unsicheren Zeiten inspirieren Königskinder in Tarnuniform sogar andere Wehrdienst-Anwärter. Ein detaillierter Überblick über die militärischen Karrieren der jungen Royals.
Dänemark: Tradition und moderne Verpflichtung
Prinzessin Isabella (18) beginnt im Sommer mit dem Wehrdienst und tritt damit in die Fußstapfen ihrer Familie. Ihre Oma, Alt-Königin Margrethe, absolvierte als Prinzessin eine militärische Ausbildung und leistete zwölf Jahre freiwilligen Dienst bei der Luftwaffe. Isabella wird Teil des Gardehusar-Regiments in Slagelse sein. Die älteste Tochter von König Frederik X. gehört zu den ersten Frauen, die den neuen verlängerten Wehrdienst in Dänemark absolvieren: Angesichts der Sicherheitslage in Europa wurde dieser von vier auf elf Monate verlängert.
Isabellas älterer Bruder Kronprinz Christian (20) hatte nach seinem Wehrdienst im letzten Sommer eine Ausbildung zum Leutnant begonnen. Vater Frederik X. steht dem Militär besonders nahe. Bei der dänischen Marine war er Teil der Eliteeinheit der Kampfschwimmer und erhielt den Spitznamen „Pingo“. Diese familiäre Verbindung unterstreicht die tiefe Verwurzelung des Militärdienstes im dänischen Königshaus.
Niederlande: Thronfolgerin als Vorbild
Die niederländische Kronprinzessin Amalia (22) hat die Grundausbildung bereits abgeschlossen und absolviert nun den Rest der Ausbildung zur Reservistin neben ihrem Jurastudium. Dienst in der Armee ist Tradition bei den Oranjes: Auch der heutige König Willem-Alexander leistete seinen Wehrdienst und diente bei der Marine und später der Luftwaffe. Aber seine Tochter Amalia ist die erste Thronfolgerin im Tarnanzug.
Amalias Mutter, Königin Máxima (54), folgte dem Beispiel ihrer ältesten Tochter. Sie meldete sich freiwillig zum Reservisten-Dienst und will damit nach Angaben des Hofes zeigen, dass „unsere Sicherheit nicht mehr selbstverständlich ist und sie einen Beitrag“ dazu leisten möchte. Offenbar sind Kronprinzessin und Königin für viele junge Leute ein Vorbild. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums ist die Zahl der Anmeldungen deutlich gestiegen, nachdem die Royals sich für den Dienst entschieden hatten.
Belgien: Auf dem Weg zur ersten Königin als Oberbefehlshaberin
Kronprinzessin Elisabeth (25) von Belgien ist ebenfalls militärisch ausgebildet. Sie wird eines Tages voraussichtlich als erste Frau in der Geschichte ihres Landes auf dem Thron sitzen und damit auch Oberbefehlshaberin der belgischen Streitkräfte sein. Elisabeth hat eine zweijährige Ausbildung an der königlichen Militärschule in Brüssel absolviert und ist Offizierin. Auch ihr jüngerer Bruder Prinz Gabriel war an der Militärakademie und ist Offizier.
Gesetzlich gibt es für das Königshaus keine Vorgaben, aber: „Die Monarchin, in diesem Fall Elisabeth als künftige Königin, muss jederzeit zumindest symbolisch in der Lage sein, zu den Waffen zu greifen und ihr Land zu verteidigen“, sagt der Royal-Experte Thomas de Bergeyck vom belgischen Sender RTL. Diese Bereitschaft ist in Belgien auch historisch verankert. Seit König Albert I. im Ersten Weltkrieg die Truppen führte, ist er auch als Soldatenkönig bekannt.
Großbritannien: Eine königliche Militärtradition
Eine enge Verbindung des Adels zum Militär ist auch im Vereinigten Königreich Tradition. Damals noch als Prinzessin trat die junge Elizabeth II. 1945 der Frauenabteilung der britischen Armee während des Zweiten Weltkrieges bei. Damit war sie das erste weibliche Mitglied der Königsfamilie, das als Vollzeitkraft im Militärdienst tätig war.
Sohn Charles, der heutige Monarch und damit formell Oberbefehlshaber des Militärs, diente in der Royal Navy und absolvierte eine Ausbildung bei der Royal Air Force. Die Enkel William (43) und Harry (41) dienten den Streitkräften ebenso über Jahre. Thronfolger William kehrte dem aktiven Dienst nach mehr als sieben Jahren 2013 den Rücken. Während seiner Laufbahn diente er als Regimentsoffizier in der Armee und absolvierte auch Stationen bei der Royal Air Force und Royal Navy. Harry diente bis 2015 über zehn Jahre in der britischen Armee und absolvierte zwei Einsätze in Afghanistan. Dabei durchlief er eine Ausbildung zum Piloten und fungierte als Kampfhubschrauberpilot.
Spanien: Militärdrill ohne königliche Extrawürste
Spaniens Kronprinzessin Leonor (20) befindet sich in der Endphase ihrer dreijährigen militärischen Ausbildung, die sie als Vorbereitung auf ihre künftige Rolle als „Capitana General“, als Oberbefehlshaberin der Streitkräfte durchläuft. Sie begann ihre Ausbildung beim Heer in Saragossa. Dann absolvierte sie bei der Marine eine mehrmonatige Seefahrt auf dem Schulschiff „Juan Sebastián El Cano“.
Dabei genoss sie laut Königshaus keine royale Bevorzugung. Sie musste sich mit Kolleginnen eine kleine Kabine teilen, in einer Koje schlafen, eine Gemeinschaftstoilette benutzen und kräftig mit anpacken. Seit dem vergangenen September ist Leonor bei der Luftwaffe, wo sie kurz vor Weihnachten erfolgreich ihren ersten Soloflug machte. Die älteste Tochter von König Felipe VI. und Königin Letizia gilt zwar als verträumt und etwas schüchtern, aber auch als besonnen, umsichtig und gut organisiert. Sie habe unter anderem Überlebenstraining bestanden und sei körperlich sehr fit, berichten spanische Medien unter Berufung auf militärische Vorgesetzte.
Norwegen: Persönliche Entwicklung und königliche Pflicht
Auch die norwegische Erbprinzessin Ingrid Alexandra (22) hat ihren Grundwehrdienst bereits absolviert. 15 Monate verbrachte sie mit dem Pionierbataillon der Brigade Nord. Und sagte zum Abschluss im April 2025: „Ich habe viel über mich selbst gelernt.“
Die militärische Ausbildung sollte Ingrid Alexandra auch auf ihre Aufgaben als zukünftige Königin vorbereiten. Denn als Monarchin wird sie Oberbefehlshaberin der norwegischen Streitkräfte sein - wie es heute ihr Opa, König Harald V. ist. Ihre Oma, Königin Sonja, wurde vor vielen Jahren als Kronprinzessin übrigens als erste Frau Norwegens Oberst und gleichzeitig die erste Frau in der Königsfamilie mit einem militärischen Rang. Diese generationenübergreifende Tradition zeigt, wie tief der Militärdienst in den europäischen Königshäusern verwurzelt ist.



