SPD in Brandenburg setzt auf digitale Themen für junge Wähler
Die SPD befindet sich bundesweit in einer schwierigen Phase, doch in Brandenburg hat die Partei gerade eine neue Koalition mit der CDU gebildet. Mit Blick auf die nächste Landtagswahl im Jahr 2029 will die Sozialdemokratische Partei Deutschlands gezielt jüngere Wählerinnen und Wähler ansprechen und ihre Beliebtheit in dieser Altersgruppe steigern.
Neue Sprecher für Games und E-Sport ernannt
Die SPD-Landtagsfraktion hat mit Annemarie Wolff eine Sprecherin für Games und mit Lars Katzmarek einen Sprecher für E-Sport benannt. Beide Abgeordnete sollen die Themen Gaming und elektronischer Sport stärker in den politischen Fokus rücken. „Entscheidend ist, dass wir als SPD in Brandenburg sichtbar junge Themen vertreten und dies mit glaubwürdigen und überzeugenden Gesichtern verbinden“, erklärte Generalsekretär Kurt Fischer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Annemarie Wolff betonte die Notwendigkeit, dass Politikerinnen und Politiker aktiv auf junge Menschen zugehen müssen: „Die digitalen Räume sind schon ganz lange Lebensrealität von jungen Menschen. Wir müssen als Politikerinnen und Politiker endlich verstehen, dass die Leute nicht zu uns kommen, sondern dass wir zu den Menschen gehen.“ Die 35-Jährige aus Ludwigsfelde setzt dabei bewusst auf Aufklärung statt auf Verbote, um Risiken wie Radikalisierungstendenzen im Netz zu begegnen.
Games als Zugang zur digitalen Teilhabe
Laut der Stiftung Digitale Spielkultur spielen in Deutschland etwa 37,5 Millionen Menschen Games, wobei das Durchschnittsalter der Spieler bei fast 40 Jahren liegt. Für die SPD-Fraktion stellt Gaming einen wichtigen ersten Zugang zur digitalen Teilhabe dar, während E-Sport als organisierte Spitze dieser Entwicklung gilt.
Zur Gamescom im August in Köln, die als größtes Games-Event der Welt gilt, organisiert die SPD-Fraktion eine Delegation aus Brandenburg, um dort Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen. „Gaming ist für viele der erste Zugang zu digitaler Teilhabe, E-Sport die organisierte Spitze davon“, erläuterte die Abgeordnete Wolff.
Talentsuche und Vorurteile abbauen
Im Rahmen des Brawl Cup, einer E-Sports-Meisterschaft, die vom 15. bis 17. Mai in Berlin stattfindet, will die SPD nach Talenten aus Brandenburg Ausschau halten. Lars Katzmarek, der selbst als Rapper aktiv ist und früher Lan-Partys besuchte, betonte: „Wir haben mit E-Sports etwas aufgetan, worüber ganz viele Leute reden.“ Er möchte mit dem Vorurteil aufräumen, dass E-Sport kein richtiger Sport sei, und verwies auf professionelle Trainingsstrukturen mit Sporttrainern, Psychologen und Physiotherapeuten.
Wissenschaftliche Bestätigung der Strategie
Der Potsdamer Politikwissenschaftler Jan-Philipp Thomeczek hält die SPD-Strategie, Themen wie Games und E-Sport in den Mittelpunkt zu rücken, für „wirklich sinnvoll“. Er wies darauf hin, dass die Wahlbeteiligung bei Erstwählern zwar relativ hoch ist, in den folgenden Altersgruppen jedoch sinkt und erst ab etwa 30 Jahren wieder ansteigt. „Das heißt, dass man bei den Jüngsten noch mehr mobilisieren kann“, so Thomeczek.
Historische Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Bei der Brandenburger Landtagswahl 2024 lag die AfD bei den 16- bis 24-Jährigen mit 31 Prozent vor der SPD, die auf 19 Prozent kam. Die Jusos, die Jugendorganisation der SPD, äußerten sich zum Start der neuen Koalition kritisch und vermissten konkrete Projekte für junge Menschen.
SPD-Generalsekretär Kurt Fischer unterstrich die Bedeutung einer fokussierten Jugendpolitik: „Es muss um den Fokus auf die Interessen und die analoge sowie digitale Lebensrealität junger Menschen in unserem Land gehen - im Speckgürtel genauso wie im ländlichen Raum.“ Im Schulterschluss mit den Jusos will die Partei durch harte Überzeugungsarbeit schrittweise Vertrauen zurückgewinnen und sich so für die Landtagswahl 2029 besser positionieren.



