Kältehilfe in Niedersachsen und Bremen: Wie Organisationen bei Frost Wohnungslose retten
Knurrende Mägen, steife Finger und durchgeweichte Schlafsäcke: Wer bei eisigen Temperaturen auf der Straße überleben muss, ist auf Hilfe angewiesen. Dieser Winter stellte Wohnungslose und Hilfsorganisationen in Niedersachsen und Bremen vor besondere Herausforderungen. Ehrenamtliche leisteten Sonderschichten, um Menschenleben zu retten.
Angebote für Wohnungslose im Winter
Für obdachlose Menschen in Bremen und Niedersachsen existieren verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten:
- Essensausgaben mit warmen Mahlzeiten
- Kältehilfebusse, die abends unterwegs sind
- Notunterkünfte für Übernachtungen
- Verteilung von Kleidung, Schlafsäcken und Hygieneartikeln
- Medizinische Versorgung durch Arztmobile
Die Johanniter sind in Hannover, Oldenburg und Bremen bis zu dreimal wöchentlich mit ihren Kältebussen im Einsatz. In Hannover gaben sie bereits mehr warme Mahlzeiten aus als üblich und rechnen bis Saisonende mit etwa 9.450 ausgegebenen Tellern. In Celle existiert eine stationäre Kältehilfe, die verstärkt von Obdachlosen mit ihrem gesamten Hab und Gut aufgesucht wird.
Herausforderungen durch den extrem kalten Winter
Die langanhaltenden Frostperioden zwangen Hilfsorganisationen zu außergewöhnlichen Maßnahmen. Die Diakonie in Niedersachsen berichtet von Sonderöffnungszeiten in verschiedenen Einrichtungen. Sozialarbeiter und Ehrenamtliche waren häufiger als sonst auf Straßen unterwegs, um schlafende Menschen anzusprechen – normalerweise eine unübliche Praxis zum Schutz der Privatsphäre, die jedoch aufgrund der akuten Erfrierungsgefahr notwendig wurde.
„Nasse Schlafsäcke und Kleidung stellten eine große Herausforderung dar, da sie witterungsbedingt schwerer trocknen“, teilte die Diakonie mit. Auch die Johanniter verzeichneten mehr Anfragen nach warmem Essen und Kleidung. Während des Sturmtiefs Elli war das Bremer Kältebus-Team zusätzlich jeden Abend im gesamten Stadtgebiet unterwegs, bis Mitternacht im Einsatz und übergab zwei stark unterkühlte Personen der Stadtrettung – ein lebensrettender Einsatz.
Von der Kältehilfe zur dauerhaften Lösung
„Kältehilfe ist zwar lebensrettend, aber sie löst das eigentliche Problem nicht“, betonte die Diakonie. Die Organisationen weisen darauf hin, dass es letztlich darum gehen muss, Wohnungslosigkeit ganzjährig zu verhindern. Kommunen sind für die Bereitstellung von Notunterkünften verantwortlich, während das Land Niedersachsen jährlich rund 45 Millionen Euro für Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten bereitstellt.
Sozialarbeiter unterstützen Betroffene bei der Wohnungssuche, vermitteln Kontakte zu Ämtern und bieten Beratung bei Suchtproblemen oder Gewalterfahrungen. Diese langfristige Hilfe ergänzt die akute Winterunterstützung.
Wie Bürger helfen können
Die Diakonie appelliert an die Bevölkerung, bei sichtbar unterkühlten oder nicht ansprechbaren Personen sofort den Rettungsdienst unter 112 zu verständigen. Hilfreich sind auch Hinweise auf Kältebusse, Notübernachtungen oder Tagesaufenthalte. Spenden ermöglichen den Organisationen, weiterhin Wärme, Sicherheit und Hoffnung zu spenden. Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich direkt bei Hilfsorganisationen wie den Johannitern als ehrenamtlicher Helfer melden.
Zahlen zur Wohnungslosigkeit
Wie viele Menschen in Bremen und Niedersachsen tatsächlich auf der Straße leben, lässt sich nur schätzen. Allein in Hannover leben nach Angaben der Diakonie Niedersachsen bis zu 4.500 Menschen ohne festen Wohnsitz, von denen etwa 500 regelmäßig im Freien übernachten. Verlässliche Zahlen existieren nur für in Unterkünften lebende Wohnungslose: Ende Januar 2025 waren in Niedersachsen mehr als 32.900 Menschen in entsprechenden Einrichtungen untergebracht.
Die Kältehilfe bleibt somit eine unverzichtbare, lebensrettende Maßnahme, während gleichzeitig an langfristigen Lösungen für die Betroffenen gearbeitet wird.



