Lebenserwartung stagniert - Rentenalter steigt weiter: Linke kritisiert Regierungspläne
Lebenserwartung stagniert - Rentenalter steigt weiter

Lebenserwartung stagniert - Rentenalter steigt weiter: Linke kritisiert Regierungspläne

Berlin • Die Lebenserwartung in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert, während das gesetzliche Rentenalter kontinuierlich angehoben wird. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Statistische Daten zeigen deutliche Diskrepanz

Laut aktuellen Statistiken hatten 65-Jährige in den Jahren 2022 bis 2024 durchschnittlich noch 19,4 Lebensjahre vor sich. Dieser Mittelwert liegt fast genau auf dem Niveau von 2014, was eine Stagnation der Lebenserwartung über ein ganzes Jahrzehnt hinweg bedeutet. Gleichzeitig wurde das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr angehoben.

Der tatsächliche Renteneintritt verschob sich binnen zehn Jahren im Durchschnitt um gut 1,3 Jahre nach hinten. Diese Entwicklung stellt die Grundlage für die aktuelle politische Debatte über die Rentenpolitik dar.

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Linke widerspricht Regierungsargumentation

Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath hatte die parlamentarische Anfrage gestellt, um Forderungen aus der Regierung nach einer weiteren Erhöhung des Rentenalters zu kontern. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte im September erklärt, „dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen“.

Vollath hält dem entschieden entgegen: „Das stimmt einfach nicht.“ Aus der Antwort der Regierung auf ihre Anfrage schließt sie: „Die Lebenserwartung stagniert. Gleichzeitig steigt die Regelaltersgrenze schon jetzt immer weiter an.“

Zahlen belegen unterschiedliche Entwicklungen

Das gesetzliche Rentenalter wird bis 2030 in kleinen Schritten von 65 auf 67 Jahre erhöht, also um zwei volle Jahre. Die bis 2030 hochgerechnete Lebenserwartung wächst laut Antwort der Regierung aber im Mittel nur um:

  • Ein Jahr für Männer
  • Acht Monate für Frauen

„Die Regelaltersgrenze steigt zwischen 2012 und 2030 ungefähr doppelt so schnell wie die Lebenserwartung“, fasst Vollath die Situation zusammen.

Die vollen zwei Jahre Zugewinn an Lebenszeit sind nach Angaben der Regierung in verschiedenen Rechenszenarien für Männer frühestens im Jahr 2035 und spätestens im Jahr 2056 erreicht. Für Frauen dauert es im optimistischsten Szenario bis 2039 und im negativsten Fall sogar bis 2069.

Regionale Unterschiede verschärfen soziale Ungleichheit

Die Lebenserwartung unterscheidet sich den Regierungsangaben zufolge regional deutlich. So hatten 65-jährige Frauen 2024 in Baden-Württemberg noch Aussicht auf 21,5 Jahre – im Saarland waren es nur knapp 20,2 Jahre. 65-jährige Männer in Baden-Württemberg hatten statistisch noch 18,6 Jahre vor sich, in Sachsen-Anhalt rund 16,6 Jahre.

Für Männer lag die Lebenserwartung in Westdeutschland durchweg etwas höher als in Ostdeutschland (Westen: 17,8; Osten 17,2). Bei Frauen ist es umgekehrt (Westen: 20,8; Osten: 21,1).

Daraus schließt Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek, dass eine weitere Erhöhung des Rentenalters bestehende soziale Ungleichheiten verschärfen würde. „Niedriges Einkommen und niedriger Bildungsstand sowie schlechte Arbeitsbedingungen und Wohnsituation beeinflussen die Gesundheit und damit auch die Lebenserwartungen erheblich“, stellt Reichinnek fest.

Rentenkommission soll Vorschläge erarbeiten

Die Bundesregierung ließ in ihrer Antwort offen, ob es tatsächlich zu einer weiteren Anhebung des Rentenalters kommen könnte. Mit der Frage befasse sich die Alterssicherungskommission, deren Vorschläge man abwarte, hieß es aus Regierungskreisen.

Die politische Debatte um die Rentenreform wird somit weitergehen, während die statistischen Daten eine komplexe Realität zwischen stagnierender Lebenserwartung und steigendem Rentenalter aufzeigen.

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