Ostern in der DDR: Ein Fest zwischen Sparsamkeit und Tradition
Während heute meterlange Supermarktregale mit Osterartikeln gefüllt sind und Kinder oft teure Geschenke erhalten, sah das Osterfest in der Deutschen Demokratischen Republik deutlich bescheidener aus. Ein Blick zurück enthüllt eine Welt, in der aus der Not eine Tugend gemacht wurde und einfache Dinge besondere Freude bereiteten.
Der arbeitsfreie Ostermontag: Ein späteres Privileg
Heute genießen viele den entspannten Ostermontag als gesetzlichen Feiertag. In der DDR war dies über zwei Jahrzehnte lang nicht der Fall. Erst 1967 beschloss der Ministerrat der DDR, mehrere Feiertage zu streichen, um die neu eingeführte Fünf-Tage-Arbeitswoche wirtschaftlich auszugleichen. Neben dem Ostermontag traf es vor allem kirchliche Feiertage. Erst nach der politischen Wende kehrte der Ostermontag zurück – am 16. April 1990 war er zum ersten Mal wieder ein offizieller Feiertag.
Kulinarische Besonderheiten: Soleier und DDR-Klassiker
In einer Zeit mit begrenzten Lebensmittelressourcen wurden aus einfachen Zutaten kreative Gerichte gezaubert. Besonders beliebt waren würzige Soleier, die durch Einlegen in eine Mischung aus Wasser, Essig, Salz, Zwiebeln und Kümmel haltbar gemacht wurden. Diese Methode diente vor allem dazu, überzählige Ostereier zu konservieren.
Bei den Süßigkeiten dominierten bescheidene Freuden:
- Selbstbemalte Eier als persönliche Geschenke
- Papp-Eier mit versteckten Dragee-Eiern
- Schlagersüßtafeln oder Knusperflocken der Marke Zetti
- Bambina-Butterkaramelltafeln für besondere Anlässe
Für Erwachsene gehörte Eierlikör von Goldbrand in praktischen Waffelbechern zum festen Osterritual, oft auch in hausgemachter Variante.
Das kultige Papp-Ei: Symbol für Sparsamkeit und Wiederverwendung
Jeder, der in der DDR aufwuchs, kennt die bunten Papp-Eier, in denen kleine Naschereien versteckt wurden. Diese Eier aus dem Familienbetrieb Nestler GmbH Feinkartonagen in Ehrenfriedersdorf erlangten Kultstatus. Ihre Beliebtheit erklärt Grafikdesignerin Christiane Beck: „Vor allem, weil man sie immer wieder verwenden konnte. Dieser Aspekt der Sparsamkeit war sehr wichtig. Die Eltern haben die Eier jedes Jahr aufs Neue zu Ostern versteckt.“
Heute werden originale DDR-Papp-Eier mit historischen Motiven im Internet gehandelt und sind im Berliner DDR-Museum ausgestellt – echte Sammlerstücke mit nostalgischem Wert.
Familientraditionen: Vom Eierkullern bis zum Festtagsbraten
Ostern in der DDR war geprägt von einfachen, aber herzlichen Familientraditionen. Ein besonderer Brauch war das Eierkullern, bei dem bunte Ostereier einen Hang hinuntergerollt wurden – pure Freude für Kinder ohne materiellen Hintergrund.
Die festlichen Mahlzeiten folgten einem traditionellen Ablauf:
- Am Gründonnerstag gab es „etwas Grünes“, meist Spinat mit Spiegelei
- Karfreitag wurde mit Fischgerichten wie gebratenen Heringen oder Kochfisch begangen
- Ostersonntag stand ein festlicher Braten – Kaninchen, Hammel oder Rouladen – auf dem Tisch, abgerundet mit Kompott als Nachtisch
Religiöse Sendungen: Eine Fernsehsensation zu Ostern 1978
In einem atheistisch geprägten Staat waren religiöse Sendungen im Fernsehen lange tabu. Zu Ostern 1978 kam es jedoch zu einer bemerkenswerten Ausnahme. Nach einer Vereinbarung zwischen SED-Chef Erich Honecker und Vertretern der evangelischen Kirche wurde erstmals eine kirchliche Sendung im DDR-Staatsfernsehen ausgestrahlt. Sechs evangelische TV-Sendungen pro Jahr wurden genehmigt – ein Zugeständnis, das staatlicherseits als bedeutende Geste gegenüber der Kirche gewertet wurde.
Diese Ostererinnerungen zeigen, wie in der DDR aus begrenzten Mitteln kreative Traditionen entstanden, die bis heute nostalgische Gefühle wecken und einen Einblick in den Alltag vor der Wende geben.



