Tafel in Prenzlau: 85 Prozent der Kunden haben Migrationshintergrund, Ukraine-Herkunft dominiert
Prenzlauer Tafel: 85% der Kunden mit Migrationshintergrund

Inflation treibt Menschen zur Tafel: Ukrainische Geflüchtete bilden größte Nutzergruppe in Prenzlau

Die anhaltende Inflation mit einem Preisanstieg von 2,1 Prozent im Januar 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat belastet insbesondere einkommensschwache Haushalte in der Uckermark. Viele Menschen sind auf die Unterstützung der Tafeln angewiesen, um ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu decken.

Demografischer Wandel bei den Tafel-Kunden

Kerstin Kühn, die Leiterin der Prenzlauer Tafel, bestätigt einen bemerkenswerten Trend: Etwa 85 Prozent der Nutzer ihrer Einrichtung haben inzwischen einen Migrationshintergrund. Die überwiegende Mehrheit dieser Personen stammt aus der Ukraine und bezieht Bürgergeld oder andere staatliche Leistungen. Insgesamt betreute das Team im vergangenen Jahr 5.680 Besucher, wobei fast 500 Personen wöchentlich das angebotene Mittagessen in Anspruch nahmen.

„Bei uns muss sich niemand schämen“, betont Kerstin Kühn und ermutigt ausdrücklich Menschen in Not, den Weg zur Tafel zu finden. Die Einrichtung erhebt keine persönlichen Daten außer dem Nachweis über den Bezug von Sozialleistungen, um die Anonymität der Hilfesuchenden zu wahren.

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Strukturen für gerechte Verteilung und kontinuierliche Versorgung

Um Konflikte bei der Lebensmittelausgabe zu vermeiden, hat die Tafel ein Nummernsystem eingeführt. Für die kontinuierliche Befüllung der Regale sorgen lokale Unternehmen wie der Rewe-Markt von Matthias Becker, der seit Jahren als verlässlicher Partner und großzügiger Spender auftritt.

Aktuell läuft in Beckers Supermarkt in der Steinstraße die „Tüten“-Aktion unter dem Motto „Gemeinsam Teller füllen“. Kunden können innerhalb von 14 Tagen vorgepackte Tüten mit haltbaren Lebensmitteln erwerben und der Tafel spenden, ohne diese physisch zur Kasse tragen zu müssen – ein einfacher Scan reicht aus.

Engagement und Forderungen für die Zukunft

Kerstin Kühn dankt nicht nur den Spendern, sondern auch den Zuverdienstkräften und Ehrenamtlern, unter denen sich ebenfalls viele Menschen mit Migrationshintergrund befinden. Diese helfen bei der Verständigung und tragen zum reibungslosen Ablauf bei.

Gleichzeitig appelliert die Tafel-Chefin an die Regierung, über Rentenpunkte für ehrenamtliches Engagement nachzudenken: „Damit wäre den Helfern am meisten geholfen“. Trotz schwacher Spendenmonate wie Februar, März und April konnte die Tafel bisher alle Hilfesuchenden versorgen – niemand musste mit leeren Taschen weggehen.

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