Neue BKA-Studie enthüllt erschreckende Gewaltzahlen in Partnerschaften
Eine aktuelle Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland legt offen, was sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Mehr als 95 Prozent der Fälle von psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb von Partnerschaften oder Ex-Partnerschaften werden niemals angezeigt. Die Studie untersucht detailliert, welche Formen der Gewalt am häufigsten vorkommen und wie stark die Betroffenen darunter leiden.
Psychische Gewalt betrifft fast jede zweite Frau
Die Zahlen zeigen, dass fast jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens mindestens einmal psychische Gewalt in einer Partnerschaft erlebt – das sind 49 Prozent. Bei Männern liegt dieser Wert bei 40 Prozent. Betrachtet man nur die letzten fünf Jahre, liegen beide Geschlechter mit jeweils etwa 23 Prozent fast gleichauf. Unter psychischer Gewalt werden dabei vier verschiedene Formen zusammengefasst.
Emotionale Gewalt umfasst vor allem Beleidigungen, Einschüchterungen und aggressives Anschreien. Mehr als jede dritte Frau hat dies bereits erfahren, bei Männern sind es 26 Prozent. Die häufigste Bedrohung, die vom Partner ausgeht, ist die Androhung von Selbstverletzung oder Suizid. 8,5 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer haben dies bereits erlebt.
Kontrollierende Gewalt, etwa durch Überwachung von Kontakten und Alltag, kennen etwa 15 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer. Ökonomische Gewalt hat fast jede zehnte Frau erlebt, bei Männern ist es knapp jeder zwanzigste. Hierbei bestimmt der Partner beispielsweise, wofür das gemeinsame Geld ausgegeben wird.
Körperliche Gewalt: Frauen langfristig stärker betroffen
Bei körperlicher Gewalt in Partnerschaften zeigt sich ein interessantes Bild: In den vergangenen fünf Jahren waren Männer mit 6,1 Prozent sogar etwas häufiger betroffen als Frauen mit 5,2 Prozent. Über das gesamte Leben betrachtet kehrt sich dieses Verhältnis jedoch um – hier berichten 18 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer von körperlicher Gewalterfahrungen.
Die konkreten Zahlen schockieren: Mehr als elf Prozent der Frauen wurden im Laufe ihres Lebens absichtlich getreten, gestoßen oder hart angefasst. Etwa jede zehnte Frau wurde bereits von ihrem (Ex-)Partner geohrfeigt. 6,4 Prozent der Frauen erlebten, dass ihnen der Arm umgedreht oder sie an den Haaren gezogen wurden.
Frauen erleben häufiger und schwerere Gewalt
Die Studie zeigt deutlich, dass Frauen bei beiden Gewaltformen „eine deutlich höhere Inzidenz und Schwere der Gewalt aufweisen“. Das bedeutet nicht nur, dass mehr Frauen Gewalt erfahren, sondern auch, dass sie diese häufiger und intensiver erleben. So berichteten 1000 befragte Frauen von 240 körperlichen Gewalthandlungen innerhalb von fünf Jahren, während Männer von 184 solcher Vorfälle sprachen.
Auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht schlimm) bis 7 (sehr schlimm) bewerten Frauen Gewalterfahrungen deutlich höher. Körperliche Gewalt wird von Frauen mit durchschnittlich 5,5 bewertet, von Männern hingegen nur mit 3,7. Dies zeigt, dass Frauen die Vergehen als deutlich schlimmer und beängstigender empfinden.
Sexuelle Belästigung und Übergriffe
Am häufigsten erleben Frauen sexuelle Belästigung: Mehr als 62 Prozent waren im Laufe ihres Lebens betroffen, 36 Prozent in den letzten fünf Jahren. Bei Männern liegen diese Werte bei 29 Prozent im Leben und 16 Prozent zuletzt. Sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt – wie Nachpfeifen oder Anstarren – erlebten 57 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer im Lebensverlauf.
Mit Körperkontakt – beispielsweise ungewolltes Anfassen – sind es bei Frauen mehr als 40 Prozent, bei Männern gut 12 Prozent. Sexuelle Übergriffe betreffen vor allem Frauen: 18 Prozent im Leben, vier Prozent in den letzten fünf Jahren. Bei Männern liegen die Werte bei vier Prozent im Leben und einem Prozent zuletzt. Fast jede zehnte Frau gibt an, dass schon einmal jemand versucht hat, sie zu sexuellen Handlungen oder zum Geschlechtsverkehr zu zwingen.
Stalking und digitale Gewalt
Knapp 27 Prozent der Frauen sind im Laufe ihres Lebens Opfer von Stalking geworden, bei Männern sind es 15 Prozent. Digitale Gewalt – etwa bedrohliche Nachrichten – trifft beide Geschlechter, Frauen jedoch häufiger: In den letzten fünf Jahren erlebten dies 20 Prozent der Frauen, aber nur 14 Prozent der Männer. K.-o.-Tropfen vermuten sieben Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer bereits erlebt zu haben.
Die Dunkelfeldstudie des BKA macht deutlich, dass Gewalt in Partnerschaften ein weit verbreitetes Problem ist, das oft im Verborgenen bleibt. Die hohen Zahlen unterstreichen die Notwendigkeit von Aufklärungsarbeit, Unterstützungsangeboten und einem sensibleren Umgang mit Betroffenen.



