Deutsche empfinden Umgangston als zunehmend unfreundlich
Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Sprachlernplattform Babbel nehmen viele Bürgerinnen und Bürger in Deutschland eine deutliche Verschlechterung des zwischenmenschlichen Umgangstons wahr. Die Studie, für die im März 2026 insgesamt 1.012 in Deutschland lebende Personen befragt wurden, offenbart eine klare Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des allgemeinen Klimas und der Selbsteinschätzung.
Generationenunterschiede und regionale Divergenzen
Besonders auffällig sind die signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Während satte 65 Prozent der sogenannten Boomer-Generation eine spürbare Verschlechterung des Umgangstons in den letzten fünf Jahren konstatieren, teilen lediglich 39 Prozent der jüngeren Befragten diese kritische Einschätzung. Diese Kluft deutet auf unterschiedliche Wahrnehmungsmuster und möglicherweise auch auf divergierende Kommunikationsgewohnheiten zwischen den Generationen hin.
Auch auf regionaler Ebene zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede. Hamburg schnitt im bundesweiten Ländervergleich mit Abstand am besten ab – hier erlebten immerhin 61 Prozent der Befragten ihren Alltag als überwiegend höflich. Das Schlusslicht bildet hingegen Bremen, wo nur 36 Prozent der Studienteilnehmer ihren täglichen Umgang als freundlich charakterisierten.
Straßenverkehr als Hauptschauplatz der Unhöflichkeit
Als besonders konfliktträchtiger und von Unhöflichkeit geprägter Ort kristallisierte sich in der Umfrage eindeutig der Straßenverkehr heraus. Ganze 61 Prozent der Befragten empfanden diesen Bereich als Ort spürbarer und regelmäßiger Unhöflichkeit. Im deutlichen Kontrast dazu steht der Arbeitsplatz, der lediglich von 15 Prozent der Teilnehmer als besonders unfreundliches Umfeld wahrgenommen wurde.
Interessanterweise spielt die politische Zugehörigkeit laut der Studie nur eine untergeordnete Rolle, wenngleich gewisse Unterschiede erkennbar sind. Unter Anhängern der Linken störten sich lediglich 10 Prozent am allgemeinen Umgangston, während bei CDU/CSU- und SPD-Anhängern diese Werte bei 16 beziehungsweise 15 Prozent lagen. Am kritischsten äußerten sich hingegen Anhänger von AfD und BSW mit jeweils 19 Prozent Unzufriedenheit.
Selbstwahrnehmung versus Fremdwahrnehmung
Ein besonders bemerkenswerter Aspekt der Studie ist die deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des allgemeinen Umgangstons und der Selbsteinschätzung. Während 59 Prozent der Befragten den Umgangston im Alltag als rauer empfinden als noch vor fünf Jahren, halten sich gleichzeitig 85 Prozent selbst für überdurchschnittlich höflich. Diese Diskrepanz könnte auf unterschiedliche Maßstäbe oder auf eine gewisse Blindheit gegenüber dem eigenen Verhalten hindeuten.
Babbel, der Auftraggeber der Studie, zog aus den Ergebnissen eine klare Schlussfolgerung: Die Deutschen sähen beim Thema Höflichkeit und zwischenmenschlicher Kommunikation eindeutigen „Nachholbedarf, insbesondere dort, wo es um direkten Kontakt mit anderen Menschen geht“. Die Studie unterstreicht damit die wachsende Bedeutung von respektvoller Kommunikation in einer zunehmend digitalisierten und beschleunigten Gesellschaft.



