Nach der Schließung des Sozialkaufhauses in Wolgast im vergangenen Jahr trifft es nun auch das Novi-Life in Anklam. Das gemeinnützige Kaufhaus in der Lindenstraße 28 muss seine Türen für immer schließen. Für Kunden ist der letzte Tag der 12. Juni, endgültig geschlossen wird am 30. Juni. Die Leiterin Birgit Heidschmidt bedauert dies sehr: „Dieser Anlaufpunkt für Sozialhilfeempfänger – wirklich günstig Textilien zu kaufen, Möbel zu kaufen – der fehlt. Dieser Anlaufpunkt, hierherzukommen, sich zu treffen und günstig einzukaufen, der fehlt.“
Finanzielle Engpässe als Ursache
Peter Hadeball, Leiter der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Rostock, die Träger beider Läden ist, erläutert die finanziellen Hintergründe. Die Finanzierung der Sozialkaufhäuser basiere im Wesentlichen auf zwei Säulen: der Pauschale vom Jobcenter für jeden Angestellten auf 1-Euro-Basis sowie dem Umsatz aus dem Verkauf gespendeter Ware. Problematisch sei die begrenzte Einnahmemöglichkeit, da die Preise unter denen von Möbeldiscountern bleiben müssten, um attraktiv zu sein. Zudem dürften nur finanziell schwächere Menschen wie Rentner oder Sozialhilfeempfänger einkaufen, was „natürliche Preisobergrenzen“ setze.
Umsatz und Personalprobleme
„Der Rahmen dessen, was wir für gebrauchte Artikel verlangen können, ist ausgereizt“, so Hadeball. Gleichzeitig könne die FAW die Kaufhäuser nicht zum Selbstzweck betreiben. Die vordergründige Aufgabe sei es, Menschen für das Jobcenter im Sinne einer Arbeitsgelegenheit fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen. Auf 1-Euro-Basis arbeiten dort Menschen, die als „schwer vermittelbar“ gelten. An solchen Arbeitskräften fehle es zunehmend, was die Schließung zusätzlich befördert habe.
Situation in Greifswald
Das Sozialkaufhaus der ABS gGmbH am Helmshäger Berg 3 in Greifswald setzt ebenfalls auf 1-Euro-Kräfte. Geschäftsführerin Doreen Au bestätigt, dass weniger 1-Euro-Kräfte vermittelt werden als früher, sieht ihr Haus dadurch aber nicht gefährdet. Die wirtschaftliche Situation sei zufriedenstellend, die Personalkosten tragbar und die Spendenbereitschaft gut.
Allerdings gibt es auch hier Probleme: „Dass wir oft als Sperrmüllentsorger und allgemein als Entsorger von Spendern benutzt werden, die einfach ihre Sachen loswerden möchten, diese aber oft aufgrund ihres Zustandes nicht an Bedürftige weitergegeben werden können und wir für die Entsorgung Geld bezahlen, das belastet uns sehr“, so Au. Auch gestiegene Benzinkosten machen zu schaffen, was zu Anpassungen bei den Auslieferungskosten führt. Eine Schließung stehe aber nicht zur Debatte – ein klares „Nein“ auf die entsprechende Frage.



