Archäologisches Landesmuseum Rostock: Societät als Alternative zum Stadthafen im Gespräch
Die Diskussion um den Standort des geplanten Archäologischen Landesmuseums (ALM) in Rostock gewinnt neue Dynamik. Während ursprünglich ein Neubau im Stadthafen für rund 85 Millionen Euro vorgesehen war, wird nun ernsthaft geprüft, ob das Museum stattdessen in das historische Societätsgebäude in der August-Bebel-Straße 1 einziehen könnte.
Fraktionsübergreifender Antrag fordert Standortprüfung
Gleich mehrere Fraktionen der Rostocker Bürgerschaft – Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen – haben einen gemeinsamen Antrag eingebracht. Sie fordern, dass die Stadt mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern Gespräche aufnehmen soll, um zu prüfen, ob das geschlossene und sanierungsbedürftige Societätsgebäude „eine realistische und wirtschaftlich vertretbare Alternative zur Stadthafen-Variante darstellen kann“. Dieser Vorschlag ist nicht neu: Bereits vor etwa zehn Jahren und zuletzt im Oktober 2025 wurde die Idee diskutiert, das ALM in der Societät unterzubringen.
Landesregierung zeigt sich skeptisch
Die Reaktion des Landes auf frühere Überlegungen war deutlich ablehnend. Dr. Anna Lewerenz, Sprecherin des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern, erklärte vor einigen Monaten: „Wir haben das geprüft und das Gebäude kommt dafür nicht infrage.“ Als Gründe nannte sie die kleinteilige räumliche Struktur und erhebliche konstruktive Defizite des denkmalgeschützten Bauwerks, die eine Unterbringung eines modernen archäologischen Museums nicht sinnvoll erscheinen lassen.
Neue Gespräche zwischen Stadt und Land
Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) bestätigte jedoch, dass es inzwischen erneut Gespräche zu diesem Thema gegeben hat. Im Februar fand ein Austausch auf Ministerebene mit der Stadtspitze statt, und das Societätsgebäude wurde bereits besichtigt. „Das Land prüft, ob die Anforderungen, welche den Bau und Betrieb eines Archäologischen Landesmuseums erfordern, an diesem Standort einschließlich der gegenüberliegenden Fläche am Rosengarten untergebracht werden können“, so Kröger. Sie betonte, dass alle Voraussetzungen erfüllt sein müssen und das Land die finale Entscheidung über einen Standortwechsel treffen wird.
Kostenexplosion beim Stadthafen-Projekt
Ein wesentlicher Faktor in der Diskussion sind die deutlich gestiegenen Kosten für das Großprojekt. Ursprünglich waren 45 Millionen Euro kalkuliert, inzwischen belaufen sich die geschätzten Kosten auf 85 Millionen Euro. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur besorgt: „Wir wollen das Archäologische Landesmuseum in Rostock. Aber wir müssen auch die Kosten im Griff behalten.“
Bedenken und alternative Vorschläge
Dr. Sybille Bachmann (Rostocker Bund) warnt vor den Konsequenzen einer Verlagerung: „Eine Verlagerung des ALM aus dem Stadthafen hätte den Verzicht der Stadt Rostock auf einen gesellschaftlichen Zweckbau durch das Land zur Folge – ohne Ersatz. Stadthafen- und Stadtentwicklung blieben auf der Strecke.“ Sie regt in einem Änderungsantrag an, auch zu untersuchen, wo Kostenreduzierungen beim ALM im Stadthafen fachlich vertretbar sind und inwiefern eine Nutzung für universitäre Zwecke möglich ist.
Gleichzeitig unterstreicht Bachmann, dass die Stadt ihren zugesagten Beteiligungsbeitrag von 15 Millionen Euro nicht infrage stellen sollte. Stattdessen solle gemeinsam mit dem Land eine Lösung auch für die Societät gesucht werden. Mittel aus einer möglichen Kostenreduzierung beim Museum könnten dann in die Sanierung der Societät fließen, „unter Beibehaltung der kommunalen Zusage von 15 Millionen Euro für das ALM“.
Ausblick und Entscheidungsprozess
Die Bürgerschaft muss noch über die verschiedenen Anträge entscheiden. Die Zukunft des Archäologischen Landesmuseums in Rostock bleibt damit vorerst ungewiss. Während die einen in der Societät eine Chance für den Erhalt des historischen Gebäudes und mögliche Kosteneinsparungen sehen, befürchten andere negative Auswirkungen auf die Stadthafenentwicklung. Klar ist: Sowohl die Standortfrage als auch die Finanzierung des ambitionierten Kulturprojekts bedürfen einer sorgfältigen Abwägung aller Argumente.



