Rostocker Hochhaus-Debatte: Stadt muss bei Neubau in Ziolkowskistraße notfalls finanziell einspringen
Rostock: Stadt muss bei Hochhaus-Neubau notfalls einspringen

Rostocker Hochhaus-Debatte: Stadt muss bei Neubau in Ziolkowskistraße notfalls finanziell einspringen

In der Rostocker Südstadt steht ein zwölfgeschossiges Hochhaus in der Ziolkowskistraße vor einer grundlegenden Veränderung. Die Eigentümerin, die Wohnungsgenossenschaft Süd, hat sich aufgrund des erheblichen Sanierungsbedarfs entschieden, alle Mieter ausziehen zu lassen und einen kompletten Neubau zu errichten, anstatt weiterhin kostspielige Reparaturen durchzuführen. Dieser radikale Schritt erscheint konsequent, da ein Neubau gegenüber einer Sanierung eine deutlich längere Restnutzungszeit bietet und potenziell verträglichere Mieten ermöglicht – sofern dies angesichts der aktuell hohen Baupreise überhaupt realisierbar ist. Kritisch zu betrachten ist jedoch die Haltung der Stadtverwaltung, die beharrlich auf der Erhaltung eines Hochhauses an dieser Stelle besteht.

Identitätsstiftendes Ensemble versus moderner Wohnraumbedarf

Das Argument der Stadt, dass das Hochhaus Teil eines sogenannten „identitätsstiftenden Hochhausquartetts“ in der Südstadt sei, ist durchaus nachvollziehbar. Bei der Planung des Viertels in den 1960er-Jahren wurde bewusst auf eine architektonische Gestaltung Wert gelegt, die das Stadtbild prägt. Allerdings entwickeln sich sowohl die Stadt als auch ihre Bewohner kontinuierlich weiter. Die Südstadt hat sich inzwischen zu einem Viertel gewandelt, in das vermehrt Familien ziehen, das jedoch bisher nur begrenzt Wohnraum mit mehr als drei Zimmern bietet. Genau solchen Wohnraum möchte die Wohnungsgenossenschaft Süd in ihrem Neubauprojekt schaffen, wobei die Nachfrage nach Vierraumwohnungen für die geplanten Neubauten bereits jetzt enorm ist.

Die Suche nach einem Kompromiss, der das traditionell gewachsene Bild der Südstadt bewahrt, ist zwar ehrenhaft, stößt jedoch an finanzielle Grenzen. Für eine kleinere Genossenschaft wie die WG Süd kann es schlichtweg nicht mehr tragbar sein, an ihrem Gründungsstandort weiterhin bezahlbaren Wohnraum anzubieten, wenn die Kosten für ein Hochhaus die finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Sollte sich herausstellen, dass die Genossenschaft den Bau eines Hochhauses nicht stemmen kann, muss die Stadt Rostock entweder von ihrer Forderung nach einem Vierer-Ensemble abweichen und alternative Bauformen gestatten oder aber den Bau eines Hochhauses durch finanzielle Unterstützung ermöglichen.

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Gefahr des Immobilienverkaufs und Konsequenzen für Familien

Andernfalls droht ein Verkauf der Immobilie, und es bleibt ungewiss, ob eine andere Wohnungsgenossenschaft bereit wäre, das Grundstück zu erwerben und tatsächlich ein Hochhaus zu errichten. An erster Stelle sollte jedoch die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum für Familien mit möglichst preiswerten Mieten stehen. Für viele Familien mit einem oder mehreren Kindern bleibt der Traum vom Eigenheim aufgrund der aktuell extrem hohen Bau- und Kaufpreise unerreichbar. Daher ist es essenziell, dass bezahlbarer Mietwohnraum in ausreichender Größe zur Verfügung gestellt wird.

Die Wohnungsgenossenschaft Süd verfolgt mit ihrem Neubauprojekt genau dieses Ziel, indem sie größere Wohnungen für Familien plant. Die Stadt Rostock steht nun in der Verantwortung, dieses Vorhaben nicht durch starre Vorgaben zu gefährden, sondern im Notfall aktiv zu unterstützen, um die Wohnversorgung in der Südstadt langfristig zu sichern und den sozialen Frieden zu wahren.

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