Rostocks historische Lindenallee in der KTV: Illegal parkende Autos gefährden 100-jährige Bäume
Rostocks Lindenallee: Illegal parkende Autos gefährden 100-jährige Bäume

Rostocks historische Lindenallee in der KTV: Illegal parkende Autos gefährden 100-jährige Bäume

In der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) steht eine historische Lindenallee vor einer ungewissen Zukunft. Die mehr als 100 Jahre alten Bäume in der Maßmannstraße leiden massiv unter den Folgen illegal parkender Fahrzeuge, die das Erdreich verdichten und die Wurzeln ersticken lassen. Der Ortsbeirat der KTV fordert nun dringend Schutzmaßnahmen von der Stadt, doch diese könnten den Verlust von etwa 100 Parkplätzen in dem bereits stark belasteten Viertel bedeuten.

Von 70 auf 34 Bäume: Ein dramatischer Rückgang

Die Lindenallee wurde im Jahr 1915 als Doppelallee gepflanzt und zählte einst stolze 70 Bäume. Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1953 sind noch alle diese Bäume zu erkennen. Heute stehen nur noch 34 Linden, und ihr Zustand ist alarmierend. Laut dem Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen mussten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Bäume aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt werden. Zwei Linden sind bereits abgestorben und wurden entfernt.

Die aktuelle Situation ist kritisch: Nur vier der verbliebenen Bäume befinden sich in einem guten Vitalitätszustand. 15 werden als mittelmäßig eingestuft, und bei weiteren 15 ist der Zustand so schlecht, dass sie als „abgängig“ gelten – ein Fachbegriff für Bäume, die demnächst absterben könnten. Die Ursache liegt im illegalen Parken auf der Grünfläche, das seit Jahrzehnten von der Stadt geduldet wird.

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Illegales Parken führt zu Bodenverdichtung und Wurzelsterben

Die parkenden Fahrzeuge haben das Erdreich zwischen den Bäumen so stark verdichtet, dass nicht mehr genug Luft an die Wurzeln gelangt. „Durch die Verdichtung ist nicht mehr ausreichend Luft im Erdreich, sodass die Wurzeln ersticken und den Baum nicht mehr versorgen können. Daraus resultierend sterben die nicht versorgten Äste ab“, erklären Fachleute aus dem Stadtgrünamt. Dieser Prozess schwächt die Bäume nachhaltig und führt zu ihrem langsamen Absterben.

Die zuständige Senatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Grüne) betont, dass zum Schutz der verbliebenen Linden nur eine Lösung möglich sei: „Um die noch vorhandenen Linden langfristig zu erhalten, muss zuerst das Abstellen von Fahrzeugen mittels Pollern oder Baumbügeln am Standort verhindert werden.“ Anschließend könnte der verdichtete Boden durch ein spezielles Belüftungsverfahren wieder aufgelockert werden, was mit Kosten von schätzungsweise 99.000 Euro verbunden ist. Auch Nachpflanzungen wären dann denkbar.

Konflikt zwischen Baumschutz und Parkplatzmangel

Die geplanten Schutzmaßnahmen würden jedoch bedeuten, dass in der KTV etwa 100 Parkplätze wegfallen – ein schwerwiegender Eingriff in ein Viertel, das bereits unter hohem Parkdruck leidet. Lajos Orban von der Hansefraktion in der Rostocker Bürgerschaft schlägt daher einen Kompromiss vor: „Meine Idee ist, wasserdurchlässige Belege wie beispielsweise Rasengitter oder Schotter im Parkbereich einbringen, um die Bodenverdichtung und -versiegelung zu begrenzen.“ Dieser Ansatz könnte sowohl die Bäume schützen als auch einen Teil der Stellflächen erhalten.

Die finale Entscheidung über die Schutzmaßnahmen liegt bei der Rostocker Bürgerschaft, die auf einer ihrer kommenden Sitzungen darüber beraten wird. Es geht dabei nicht nur um den Erhalt eines historischen Naturdenkmals, sondern auch um die Abwägung zwischen Umweltschutz und den Bedürfnissen der Anwohner in einem dicht besiedelten Stadtteil.

Die Lindenallee in der Maßmannstraße ist mehr als nur eine grüne Oase – sie ist ein Stück Rostocker Geschichte, das es zu bewahren gilt. Ob die Stadt einen Weg findet, die Bäume zu retten, ohne den Parkplatzmangel weiter zu verschärfen, bleibt abzuwarten. Die Diskussion zeigt exemplarisch die Herausforderungen des urbanen Grünerhalts in wachsenden Städten.

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