Rostocks historische Lindenallee in Gefahr: Parkdruck bedroht 100-jährige Bäume
In der Rostocker Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) steht ein generationsübergreifendes Naturdenkmal vor einer ungewissen Zukunft. Die über 100 Jahre alte Lindenallee in der Maßmannstraße, einst mit 70 stattlichen Bäumen gesegnet, kämpft heute um ihr Überleben. Aktuell säumen nur noch 34 Linden die historische Straße, und selbst von diesen befinden sich lediglich vier in einem guten Gesundheitszustand.
Illegales Parken als Hauptbedrohung
Die eigentliche Gefahr für die majestätischen Bäume geht von einem scheinbar harmlosen Alltagsphänomen aus: dem Parken. Seit Jahrzehnten duldet die Stadt das Abstellen von Fahrzeugen auf den Grünflächen zwischen den Linden, obwohl dies eigentlich illegal ist. Die Konsequenzen sind verheerend. Das ständige Befahren und Parken hat den Boden derart verdichtet, dass den Baumwurzeln die lebensnotwendige Luft fehlt.
Fachleute des Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen erklären das Problem deutlich: „Durch die Verdichtung ist nicht mehr ausreichend Luft im Erdreich, sodass die Wurzeln ersticken und den Baum nicht mehr versorgen können. Daraus resultierend sterben die nicht versorgten Äste ab.“ Zwei Linden mussten bereits gefällt werden, 15 weitere werden als mittelmäßig eingestuft und bei weiteren 15 ist der Zustand als „abgängig“ bewertet.
Rettungsplan mit weitreichenden Konsequenzen
Um die verbliebenen historischen Bäume zu retten, hat die zuständige Senatorin Dr. Ute Fischer-Gäde (Grüne) einen klaren Plan vorgelegt. Zuerst müsste das Parken zwischen den Bäumen durch Poller oder Baumbügel komplett verhindert werden. Anschließend könnte der verdichtete Boden durch ein spezielles Belüftungsverfahren wieder aufbereitet werden, was mit geschätzten Kosten von 99.000 Euro verbunden wäre.
Dieser Rettungsplan hätte jedoch massive Auswirkungen auf die Anwohner. Lajos Orban von der Hansefraktion in der Rostocker Bürgerschaft schätzt, dass etwa 100 Stellflächen in dem ohnehin schon parkplatzarmen Viertel wegfallen würden. Er schlägt einen Kompromiss vor: „Wasserdurchlässige Belege wie beispielsweise Rasengitter oder Schotter im Parkbereich einbringen, um die Bodenverdichtung und -versiegelung zu begrenzen.“
Historischer Rückgang und politische Entscheidung
Die Geschichte der Lindenallee ist eine des schleichenden Verlusts. 1915 als Doppelallee gepflanzt, zeigte ein Luftbild aus dem Jahr 1953 noch 70 gesunde Bäume. Seitdem mussten immer wieder Linden aus Verkehrssicherungsgründen gefällt werden. Die aktuelle Situation stellt die Stadt vor eine grundsätzliche Entscheidung zwischen Naturschutz und urbaner Mobilität.
Die finale Entscheidung über das Schicksal der historischen Lindenallee liegt nun bei der Rostocker Bürgerschaft. In einer der kommenden Sitzungen wird das Gremium darüber beraten, ob und welche Maßnahmen zum Schutz der 100-jährigen Bäume ergriffen werden sollen. Die Diskussion spiegelt einen größeren städtischen Konflikt wider: Wie lassen sich historisches Stadtgrün und moderne Parkraumbedürfnisse in dicht besiedelten Vierteln vereinbaren?



