Rostocks Steintor: Ein Zeitzeuge mit bewegter Vergangenheit
In der beliebten Reihe Historische Ansichten werfen der renommierte Rostocker Fotograf Gerhard Weber und der stadtgeschichtlich versierte Thomas Werner vom Kulturamt erneut einen faszinierenden Blick in die Vergangenheit der Hansestadt. Die aktuelle Folge Nummer 1738 widmet sich dem markanten Steintor, das als eines der bedeutenden Stadttore Rostocks eine äußerst wechselvolle Historie durchlebt hat.
Vom Wohnhaus zur Gaststätte: Die friedlichen Jahre
Bevor das Steintor durch die verheerenden Bombardierungen des Jahres 1942 schwer beschädigt wurde, dienten seine Räumlichkeiten ganz anderen Zwecken. Bis in die Mitte der 1930er-Jahre wurden die Innenräume des Tores als Wohnraum genutzt. Anschließend erfolgte ein umfassender Umbau, der das Gebäude grundlegend veränderte.
Im Jahr 1938 eröffnete schließlich die Steintorgaststätte, die sich gezielt an das Publikum des gegenüberliegenden Stadttheaters wandte. Die Werbung versprach ein stilvolles Abendessen vor Theaterbeginn - ein Angebot, das bei den kulturinteressierten Rostockern sicherlich gut ankam.
Die Zerstörung und ihre Spuren
Die Bombenschäden aus dem Jahr 1942 sind bis heute deutlich sichtbar und prägen das Erscheinungsbild des historischen Bauwerks. Fotograf Gerhard Webers Aufnahmen aus seiner umfangreichen Sammlung dokumentieren diese Kriegsspuren eindrucksvoll und machen sie für nachfolgende Generationen erfahrbar.
Besonders bemerkenswert erscheint dabei die lateinische Inschrift über dem Torbogen, die angesichts der Zerstörung fast zynisch wirkt: „Sit intra te concordia et publica felicitas“ - zu Deutsch: „In deinen Mauern herrsche Eintracht und öffentliches Wohlergehen“. Dieser Wunschkontrast zur realen Geschichte des Gebäudes unterstreicht die Tragik des Krieges auf besondere Weise.
Ein Fenster in die Vergangenheit
Die Zusammenarbeit zwischen Fotograf Gerhard Weber und Kulturamtsmitarbeiter Thomas Werner bietet den Rostockern regelmäßig einzigartige Einblicke in die Stadtgeschichte. Durch die Kombination von historischem Bildmaterial und fachkundiger Interpretation entsteht ein lebendiges Bild vergangener Epochen.
Das Steintor steht damit exemplarisch für viele historische Gebäude Rostocks, die nicht nur architektonische Zeugnisse sind, sondern auch Geschichten von Bewohnern, Nutzungen und Schicksalsschlägen in sich tragen. Die Reihe Historische Ansichten bewahrt diese Geschichten vor dem Vergessen und macht sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.



