Die Schade-Brauerei in Dessau: Ein Denkmal zwischen Hoffnung und Realität
Seit Jahren steht die ehemalige Schade-Brauerei im Dessauer Zentrum als Symbol für gescheiterte Pläne und verpasste Chancen. 2016 schien die Rettung greifbar, als die IDT Biologika und die Klocke Holding das brachliegende Gelände für einen zweistelligen Millionenbetrag erwarben. Geplant waren ein Schulungs- und Kongresszentrum sowie Wohnungen im denkmalgeschützten Hauptgebäude, mit einem Baustart noch im selben Jahr. Doch wie die Dessau-Roßlauer wissen, fanden 2018 keine Kongresse statt – das Projekt platzte, und das Denkmal verfiel weiter.
Neue Studie bringt Bewegung in die Debatte
Im Jahr 2026 kommt nun neuer Schwung in die Diskussion. Im Bauausschuss wurde kürzlich eine Studie des internationalen Beratungsbüros Drees & Sommer präsentiert, die im Rahmen eines städtischen Ideenwettbewerbs erarbeitet wurde. Das Ergebnis ist ein ambitioniertes 25-Millionen-Euro-Projekt, das jedoch kontroverse Reaktionen hervorruft. Um das Vorhaben zu realisieren, müssten Teile der Brauerei-Gebäude abgerissen werden. Nur die beiden Treppentürme sollen als unzugängliches „Sichtdenkmal“ erhalten bleiben.
Ab 2030 soll das Gelände im Einklang mit dem Buga-Konzept begrünt werden, inklusive einer temporären Ausstellungshalle für die Bundesgartenschau 2036. Ab 2040 ist der Bau eines mehrgeschossigen Bürogebäudes mit 4.300 Quadratmetern durch einen privaten Investor geplant, der dann an die Stadtverwaltung vermietet werden soll. Die durchschnittliche Miete wird auf 35 Euro pro Quadratmeter veranschlagt – ein Wert, der selbst bei den Stadträten für Irritationen sorgt.
35 Euro Miete in einem Markt mit 7,50 Euro?
In Dessau werden auf einschlägigen Immobilienportalen tausende Quadratmeter Bürofläche angeboten, teils zusammenhängend und für maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter. Selbst bei einer jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent entspräche die geplante Miete von 35 Euro heute etwa 28 Euro. Zum Vergleich: In Leipzig liegen die Spitzenmieten derzeit knapp über 20 Euro. Diese Diskrepanz wirft Fragen zur Realisierbarkeit des Projekts auf.
Hinzu kommt ein weiterer kritischer Punkt: Selbst wenn das Bürogebäude zu diesen Konditionen vermietbar wäre, würde der Grundstückseigentümer erste Gewinne erst im Jahr 2073 verbuchen können – also in 47 Jahren. Diese Prognose lässt reichlich Optimismus erkennen, wie vorsichtig formuliert werden muss. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Frage „Wie weiter mit der Schade-Brauerei?“ noch viele Jahre diskutiert werden wird, möglicherweise bis das Denkmal nicht mehr zu retten ist.
Rückblick und lokale Highlights
Neben der Schade-Brauerei bietet Dessau-Roßlau auch positive Nachrichten. So überraschte das Oldtimertreffen auf der Alten Landebahn den Veranstalter Nicky Lau mit etwa 400 Oldtimern und über 3.000 Besuchern. Lau, selbst passionierter Oldtimerfreund, plant bereits weitere Termine im April, Juli und August. Zudem stehen kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte in der Kunsthalle, Genussmessen in Mosigkau und Ostermärkte in Roßlau auf dem Programm.
Im Bereich Soziales und Stadtentwicklung beschäftigen sich Studenten der Hochschule Anhalt mit der Nutzung des fast leerstehenden Dessau-Centers als Wohnraum, während der Fotograf Sebastian Kaps weiterhin Missstände in der Stadt anspricht. Die Diskussionen um die Schade-Brauerei zeigen, dass Dessau zwischen historischer Verantwortung und wirtschaftlicher Realität balanciert – ein Spannungsfeld, das die Stadt noch lange begleiten wird.



