Visionäre Masterarbeit: Zwei Studentinnen planen Wittenberger Bahnhofsumfeld neu
Das historische Empfangsgebäude am Bahnhof Wittenberge öffnet ab April schrittweise seine Pforten. Doch wie soll das gesamte Bahnhofsumfeld in der Elbestadt künftig gestaltet werden? Zwei Berliner Studentinnen haben dazu in ihrer Masterarbeit konkrete und visionäre Ideen eingebracht, die bereits jetzt für Diskussionsstoff sorgen.
Exzellente Arbeit mit Bestnote 1,0 bewertet
Mathilda Ehinger und Sarah Ingrid Rosemarie Misselbeck, beide Studentinnen des Masterstudiengangs Stadt- und Regionalplanung an der Technischen Universität Berlin, haben in diesem Jahr ihre Masterarbeit über das Bahnhofsumfeld von Wittenberge verfasst. Die Stadt Wittenberge teilte mit, dass diese Arbeit mit der Bestnote 1,0 bewertet wurde – ein herausragendes Ergebnis für die beiden angehenden Stadtplanerinnen.
Vom Transitort zum lebendigen Stadtbaustein
Unter dem Titel „Anschluss gesucht! Vom Transitort zum Stadtbaustein. Transformation des Bahnhofsumfeldes Wittenberge“ beschäftigt sich die Arbeit mit der zentralen Frage: Wie kann das Bahnhofsumfeld zu einem echten Stadtbaustein werden? Also zu einem Ort, der nicht nur der An- und Abreise dient, sondern an dem auch gewohnt, gelebt und gearbeitet wird. Die Studentinnen untersuchten dabei insbesondere die Bedeutung von Bahnhöfen in ländlich geprägten Räumen und entwickelten Konzepte für deren bessere Integration in die Stadtstruktur.
Begleitet und fachlich unterstützt wurden die beiden Studentinnen vom Sachgebiet Stadtentwicklung des Wittenberger Bauamtes. Stadtplanerin Kathrin Maltzahn aus dem Bauamt der Elbestadt bezeichnet die Arbeit als „super Arbeit“ und lobt die fundierte Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstands. Sie hat die Masterarbeit ihren Kollegen zur Lektüre empfohlen, betont aber auch: „Ich habe gesagt, es ist ganz gut, wenn jemand von außen auf die Situation am Bahnhof schaut.“
Konkrete Vorschläge mit Konfliktpotenzial
Die Vorstellungen des Bauamtes decken sich nicht in allen Punkten mit denen der Studentinnen – was nach Ansicht von Maltzahn durchaus legitim ist. Ein Streitpunkt betrifft die künftige Gestaltung des Schillerplatzes. Die Studentinnen sehen dort eine Quartiersgarage als Parkmöglichkeit für Anwohner vor. Diese würde allerdings die Sichtachse auf das frisch renovierte Bahnhofsgebäude einschränken, die von vielen Wittenbergern als wichtig erachtet wird.
Weitere Vorschläge der Master-Absolventinnen dürften ebenfalls für kontroverse Diskussionen sorgen. So sollen die bisherigen Parkflächen vor dem Bahnhof überbaut werden. Zwar plant die Stadt ein Parkhaus in mehreren Bauabschnitten, das im Endausbau rund 600 Pkw-Parkplätze beherbergen soll – doch das Parken wird dann kostenpflichtig, was besonders für Pendler und Dauerparker unattraktiv sein könnte.
Moderne Wohnformen und attraktiver öffentlicher Raum
Neben den verkehrstechnischen Aspekten sehen die angehenden Stadtplanerinnen eine Mehrzweckhalle vor, wo sich derzeit der Sportplatz der Jahnschule befindet. Geplant sind moderne Wohnformen wie Mikroappartements, Wohngemeinschaften, Ateliers und betreutes Wohnen – alles Elemente, die das Bahnhofsumfeld zu einem lebendigen Quartier machen sollen.
Der öffentliche Raum soll durch möglichst attraktive Wegeverbindungen und eine Abfolge von kleinen Plätzen bestimmt sein. Besonders wichtig ist den Studentinnen dabei die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer: Die Wege sollen so gestaltet werden, dass Fußgänger, Rad- und Autofahrer gleichermaßen berücksichtigt werden.
Ausstellung der Arbeit in Wittenberge
Die Masterarbeit kann auf der Homepage der Stadt Wittenberge heruntergeladen werden. Ein Teil der Arbeit ist zudem im Wittenberger Rathaus, im Gang des 1. Obergeschosses, sowie in der Ansprech.Bar in der Bahnstraße 79 zu den regulären Öffnungszeiten ausgestellt. Damit haben interessierte Bürger die Möglichkeit, sich direkt mit den visionären Ideen für ihr Bahnhofsumfeld auseinanderzusetzen.
Die Goethestraße wurde bereits entlang des historischen Gleises zur Bahnpromenade ausgebaut – ein erster Schritt in der Transformation des Bahnhofsumfeldes. Die Masterarbeit von Ehinger und Misselbeck zeigt nun, wie dieser Prozess weitergeführt werden könnte, um aus dem Transitort einen lebendigen Stadtbaustein zu machen.



