Ein Balkon kann weit mehr sein als nur ein Abstellplatz für Fahrräder oder Wäscheständer. Mit etwas Planung und den richtigen Grundlagen verwandelt er sich in eine grüne Oase, die nicht nur das Auge erfreut, sondern auch den Gaumen. Selbst auf kleinstem Raum lassen sich frische Kräuter, saftiges Obst und knackiges Gemüse anbauen. Die Expertinnen Melanie Öhlenbach und Andrea Heistinger verraten, worauf es beim Balkongärtnern ankommt.
Die richtige Planung: Sonne, Wasser und Platzbedarf
Bevor die ersten Samen in die Erde kommen, sollten Hobbygärtner einige grundlegende Fragen klären: Wie viel Zeit und Geld möchte ich investieren? Bin ich im Sommer häufig verreist? Und wie stelle ich die Wasserversorgung sicher? Melanie Öhlenbach, Autorin des Buches „Mein Stadtbalkon“, rät: „Lieber klein anfangen, bevor man sich überfordert. Schließlich soll das Gärtnern Spaß machen und keinen Stress verursachen.“ Ein Wasseranschluss auf dem Balkon erleichtert das Gießen enorm und ermöglicht den Anschluss eines automatischen Bewässerungssystems, das teilweise sogar ohne Strom auskommt, wie Agrarwissenschaftlerin Andrea Heistinger betont.
Damit die Pflanzen gut gedeihen, müssen die Lichtverhältnisse stimmen. „Tomaten, Paprika und Auberginen brauchen viel Sonne. Auf einem schattigen Nordbalkon gedeihen sie nicht richtig und kränkeln“, erklärt Heistinger. Selbst sonnenliebende Pflanzen können jedoch auf einem Südbalkon im Sommer überhitzen. Eine Beschattungsmöglichkeit, etwa durch ein Sonnensegel, ist dann wichtig. Allerdings sollten Mieter vorher klären, ob für die Befestigung Löcher in die Wand gebohrt werden dürfen, um die Dämmung nicht zu beschädigen. Auch die Statik des Balkons spielt eine Rolle: Große Gefäße mit feuchter Erde können schnell sehr schwer werden.
Die Qualität der Erde macht den Unterschied
Schwere Mutterböden sind für Balkone ungeeignet, da sie pro Kubikmeter etwa eine Tonne wiegen. Stattdessen empfiehlt Andrea Heistinger hochwertige Trogerde mit einem hohen Anteil an mineralischem Substrat wie Bims, Lava oder Ziegelsplitt. Diese sorgen für eine gute Belüftung, sodass die Erde zu etwa 25 Prozent aus Luft besteht – eine wichtige Voraussetzung für gesunde Wurzeln. Günstige Einheitserde sackt dagegen schnell zusammen und verdichtet sich, was das Wurzelwachstum hemmt. Hochwertige Erde kann hingegen mehrfach verwendet werden, wenn sie regelmäßig mit organischem Dünger wie Schafwollpellets oder Wurmkompost angereichert wird. „Das rechnet sich nach einigen Jahren und hat den Vorteil, dass man die Erde nur einmal hochschleppen muss“, so Heistinger. Um Bodenmüdigkeit zu vermeiden, sollte jedoch nicht jedes Jahr die gleiche Pflanzenart in dasselbe Gefäß gesetzt werden. Melanie Öhlenbach empfiehlt zudem torffreie Bio-Erde, um Umwelt und Klima zu schonen.
Die passenden Pflanzgefäße: tief und voluminös
Auf dem Balkon ist jeder Zentimeter kostbar. Melanie Öhlenbach setzt daher auf möglichst große, rechteckige Kästen, in denen sie Mischkulturen wie Tomaten, Salat und Basilikum anbaut. Gerne verwendet sie auch gebrauchte Holzkisten vom Wochenmarkt, die nach einiger Zeit verrotten, aber für ein kleines Dankeschön zu haben sind. Andrea Heistinger bevorzugt Gefäße mit einer Höhe von 50 bis 60 Zentimetern und einer Breite von nur etwa 30 Zentimetern. So bieten sie ausreichend Wurzelraum, ohne zu viel Platz wegzunehmen. Denn selbst die beste Erde nützt nichts, wenn das Volumen zu gering ist, um genügend Wasser und Nährstoffe zu speichern. Von dunklen Gefäßen rät Heistinger ab, da sie sich in der Sonne stark aufheizen.
Der Balkon als Extremstandort: Hitze und Kälte im Griff
Im Sommer kann die Temperatur auf einem Südbalkon schnell über 40 Grad Celsius steigen. Selbst wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten und Auberginen leiden dann unter Brennflecken und stellen ab 45 Grad Celsius das Wachstum ein. Eine helle Beschattung oder die Verwendung von hellen Holzverkleidungen hilft, die Hitze zu reduzieren. Im Winter hingegen bietet der Balkon einen geschützten Standort, an dem mediterrane Kräuter wie Zitronenverbene oder Rosmarin gut überwintern können.
Pflanzenauswahl: Schön, nützlich und insektenfreundlich
Melanie Öhlenbach mag Pflanzen, die gut aussehen, essbar sind und Insekten anziehen. Dazu zählen Kräuter wie Schnittlauch, Thymian und Salbei sowie kompakte Obstsorten wie Blaubeeren, Himbeeren und Brombeeren, die in großen Kübeln gedeihen. Auch Blumen wie heimische Stauden und einjährige Pflanzen, die sich selbst aussamen, gehören zu ihrem Balkon. „Im Frühling gucke ich immer zuerst, was von allein wächst.“ Für den Anbau in Kübeln eignen sich stumpfe oder kugelige Möhrensorten, Radieschen, Schnittsalat und Rucola. Tomaten, insbesondere Cocktail- oder Cherrytomaten, hat die Buchautorin ebenfalls gute Erfahrungen gemacht. Andrea Heistinger schwört auf duftende Pflanzen wie Muskatellersalbei: „Es ist so herrlich, wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag auf meinem Balkon in einer Duftwolke sitze.“



