Hochzeitsmode 2026: Minimalismus, Mix & Match und Farbtrends
Hochzeitsmode 2026: Trends für Braut, Bräutigam und Gäste

Stuttgart/Chemnitz - Zwischen Satinroben, Tüllkleidern und Zweiteilern: Wer heute ein Brautkleid sucht, hat eine riesige Auswahl. Besonders angesagt derzeit ist allerdings ein minimalistischer Stil. „Clean Chic ist in aller Munde“, sagt Doris Nothnagel, die einen Podcast rund ums Brautkleid hat und eine Brautmoden-Boutique in Stuttgart betreibt. Das bedeutet: Kleider mit klaren Linien und reduzierten Details sind gefragt. Statt üppiger Verzierungen stehen hochwertige Stoffe wie Satin, Mikado oder Seide im Mittelpunkt.

Spitze und Baskentaille

Parallel dazu kehrt eine andere Silhouette zurück: das große Kleid mit weiten Röcken, teilweise sogar mit Reifrock oder mehreren Lagen Tüll. Häufig zu sehen ist hier die sogenannte Baskentaille mit V-Form, also vorn spitz zulaufend. „Solche Schnitte lassen die Taille schmaler erscheinen und heben die Silhouette besonders hervor“, sagt Jaqueline Kämpfe, Hochzeitsplanerin aus Chemnitz. In dieser Saison werden auch die Hüften stärker betont, was an historische Ballkleider erinnert.

Bei den Stoffen spielen neben Satin und Mikado auch Chiffon oder feine Spitzen eine große Rolle, etwa die filigrane Chantilly-Spitze mit floralen Motiven. Teilweise experimentieren Designer auch mit Drapierungen oder besonderen Webarten, sodass Stoffe strukturiert wirken oder dreidimensionale Effekte entstehen. Perlen, Pailletten oder Glitzerelemente tauchen ebenfalls häufiger auf und werden direkt in die Stoffe eingearbeitet, so Kämpfe.

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Kleidchen wechsel dich

Bei allen angesagten Details: „Die Branche ist heute weniger trendorientiert als früher, sondern stark von Individualität geprägt“, sagt Susan Lippe-Bernard, Chefredakteurin des „Braut & Bräutigam“-Magazins. Viele Hersteller setzen auf wandelbare Modelle mit abnehmbaren Ärmeln, Überröcken und Co. Und unter so manchem langen Rock ist ein kürzeres Kleid verborgen, das später für die Party zum Vorschein kommt. „Man kann an einem Tag zwei oder drei verschiedene Auftritte haben“, sagt Susan Lippe-Bernard.

Ein weiterer Ansatz sind sogenannte Mix-and-Match-Kollektionen. Verschiedene Oberteile lassen sich hier mit unterschiedlichen Röcken kombinieren, etwa mit einem schlichten Etuirock, einem Tüllrock oder einer voluminösen Prinzessinnen-Variante.

Und auch bei den Accessoires geht es um die Wandlungsfähigkeit: Capes oder Bolero-Jäckchen werden eingesetzt, um für die Zeremonie einen anderen Look zu schaffen als für die Feier am Abend. Statt klassischer weißer Brautschuhe greift man zu festlichen Schuhen in Gold, Silber oder Pastelltönen, die sich auch nach dem großen Tag noch tragen lassen. Auffällig sind laut Doris Nothnagel außerdem lange Schleier, teilweise mehrere Meter lang, und sogenannte Choker, also eng anliegende Halsbänder für die Braut.

Zurück zum weißen Klassiker

Farblich zeigt sich die Branche vergleichsweise zurückhaltend. Während in vergangenen Jahren häufig zarte Rosé- oder Blushtöne zu sehen waren, dominiert aktuell wieder eine klassische Farbpalette. „Der Hauptanteil der Kleider ist in Ivory oder Creme“, sagt Jacqueline Kämpfe. Auch Susan Lippe-Bernard beobachtet eine Rückkehr zu schmeichelnden Weiß- und Cremetönen. Internationale Laufstege zeigen zwar immer wieder farbige Modelle, etwa hellblaue Brautkleider, doch solche Ideen schaffen es laut Kämpfe nur selten in die Verkaufsräume.

Bei den Herren sind laut Lippe-Bernard derzeit übrigens Beige- und Grüntöne vertreten: Olive, Tanne oder Waldgrün. Auch hellere Blautöne oder sanfte Braun- und Beigetöne werden jetzt häufiger vom Bräutigam gewählt. Und es geht weg von sehr traditionellen Hochzeitsanzügen mit Brokatstoff hin zu modernen Anzügen mit klarer Schnittführung, die auch später noch zu anderen Anlässen getragen werden können, beobachtet Jaqueline Kämpfe. Dabei greifen laut Doris Nothnagel viele zur schlichten Krawatte statt zur klassischen Fliege. Auch Zweireiher sind nach ihrer Beobachtung häufiger zu sehen.

Farbwahl für Festgäste

Und bei den Gästen? Während in den vergangenen Jahren häufig Farbkonzepte oder abgestimmte Outfits vorgegeben wurden, etwa bei Brautjungfern, wird die Kleiderwahl inzwischen wieder freier. „Es wird bunter und flexibler“, so Doris Nothnagel. Gäste orientieren sich stärker an ihrem eigenen Stil statt an einem festen Farbschema.

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Ganz in Weiß zu erscheinen, bleibt aber weiterhin tabu, schließlich ist diese Farbe traditionell der Braut vorbehalten. Auch komplett schwarze Outfits gelten nach Einschätzung von Doris Nothnagel und Susan Lippe-Bernard bei vielen Hochzeiten als eher unpassend – besonders bei sommerlichen Feiern im Freien. Dafür gibt es eine Tendenz zu längeren Kleidern bei der Hochzeitsgesellschaft. Kurze Cocktailkleider werden seltener getragen, beobachtet Susan Lippe-Bernard. Ein beliebtes Element: der Schlitz am Kleid.