Es ist ein Schock für Wittenberge: Wenige Wochen vor der lange geplanten Wiedereröffnung des historischen Bahnhofsgebäudes wird es dort erst einmal keine Gastronomie geben. Die Feldküche Wittenberge, die eigentlich im alten Mitropa-Saal einen Imbiss eröffnen wollte, hat kurzfristig abgesagt.
Das sind die Gründe für die Absage
Laut einer gemeinsamen Erklärung der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Wittenberge (WGW) und von Feldküchen-Betreiberin Sabine Opitz haben sich beide Seiten einvernehmlich darauf verständigt. Hintergrund der Entscheidung sind demnach unter anderem bauliche Verzögerungen, die die wirtschaftlichen Planungen der Feldküche Wittenberge zuletzt erschwert hätten.
Darüber hinaus haben der Erklärung zufolge die „aktuellen allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ dazu beigetragen, dass sich das Team der Feldküche auch künftig auf den Hauptstandort an der Lenzener Chaussee in Wittenberge konzentrieren möchte.
Wie WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn auf Nachfrage unserer Redaktion sagte, sei vor allem Personalmangel für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen. Die Absage sei vor rund zwei Wochen bei der WGW eingegangen. Die Wohnungsbaugesellschaft sowie die Stadt Wittenberge bedauern nach eigenen Angaben diese Entscheidung, haben jedoch Verständnis für den Schritt.
WGW sucht jetzt neue Interessenten
„Wir bauen gegenwärtig noch am Bahnhof, stellen den Saal fertig und bauen die Küche ein“, sagte Diehn. Neue Bewerber gebe es derzeit allerdings nicht. „Wir haben vorab bereits mit mehreren Interessenten gesprochen, die sich wegen der Arbeitskräftesituation nicht in der Lage sahen, die Gastronomie zu realisieren.“
Das bedeutet: Aller Voraussicht nach wird es zur offiziellen Wiedereröffnung des Bahnhofsgebäudes im nächsten Monat kein gastronomisches Angebot geben. Am 13. Juni plant die Stadt Wittenberge einen „Tag des offenen Bahnhofs“.
Vorgesehen ist ein großes Bürgerfest mit Live-Musik, Talkrunden und Einblicken in das sanierte Gebäude. Darüber hinaus ist ein buntes Familienprogramm geplant, hieß es von der Stadt. Zum 14. Juni plant die Deutsche Bahn die komplette Wiedereröffnung der sanierten Bahnstrecke Berlin-Hamburg, sodass Wittenberge nach über zehn Monaten wieder an den Bahnverkehr angebunden sein wird.
Laut WGW-Geschäftsführer Diehn wird der ehemalige Mitropa-Saal im Bahnhof trotz fehlender Gastronomie geöffnet sein, zumal auch die Eisenbahngesellschaft ODEG sowie der Geldautomat der VR Bank über den Saal erreichbar sein werden. Auch der Wartebereich im Saal werde geöffnet sein.
Neue Mieter in alten Gemäuern
Im Jahr 2018 hatte die WGW das Gebäude von der Deutschen Bahn erworben. 2023 begann die Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks aus dem Jahr 1846 und Anbauten von 1873 und 1924 mit rund 3600 Quadratmetern Nutzfläche. Herzstück des Gebäudes ist der ehemalige Mitropa-Saal, der künftig als Mobilitätszentrale mit Wartebereich und Gastronomie sowie dem angrenzenden Ticketverkauf durch die ODEG genutzt werden soll.
Zu den weiteren Mietern des Objekts zählen das Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz, das bereits eröffnete Jobcenter Prignitz, die Deutsche Gesellschaft für zerstörungsfreie Prüfung (DGZfP), die Deutsche Bahn, das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg sowie die Geschäftsstelle der bundesweit agierenden Kleinstadtakademie.
Außerdem betreibt die WGW nach eigenen Angaben in dem Gebäude ein branchenoffenes Gründerzentrum mit Gründerbüros, mietbaren Besprechungsräumen sowie einem Coworking-Space.



