Nackenkissen auf Reisen: So beugen Sie Nackenschmerzen vor
Nackenkissen auf Reisen: Schmerzen vorbeugen

Ob im Flugzeug, in der Bahn oder im Fernbus: Auf langen Reisen fallen den meisten auch im Sitzen irgendwann die Augen zu. Der Kopf kippt ab, und nach dem Nickerchen tut der Hals weh. Genau hier setzen die an Flughäfen und Bahnhöfen omnipräsenten Nackenkissen an. Die Orthopädin Ricarda Seemann erklärt im Interview, wann sie helfen und warum ihr Ratschlag für entspanntes Reisen dennoch ein anderer ist.

Bringen Nackenkissen wirklich etwas?

„Ja, durchaus“, sagt Seemann. Wenn man in einer eigentlich unbequemen Position sitzt, sorgen sie dafür, dass der Nacken und die Halswirbelsäule nicht in eine zu unnatürliche Haltung geraten und damit Spannungskräften ausgesetzt sind. Denn schläft man ein, entspannt sich auch die Muskulatur – kippt der Kopf, unterstützen die Muskeln die Halswirbelsäule nicht mehr so gut wie sonst. Das sorgt für Schmerzen. Das Nackenkissen kann hier stützen und damit zumindest vorbeugen.

Worauf sollte man bei der Auswahl achten?

Seemann empfiehlt ein weiches, aber dennoch festes Material. Es sollte kein harter Schaumstoff sein, denn damit bringt man den Hals wieder in eine Zwangshaltung. Und es sollte nicht zu klein sein. Legt man es sich um, sollte der Kopf relativ bald Kontakt zum Kissen haben. Das muss man ausprobieren. Eine genaue Richtschnur zu geben, ist schwierig, aber wenn bei gerader Haltung ein bis zwei Fingerbreit Platz zwischen Kopf und Kissen sind, dürfte das eine gute Größe sein. Oft werden auch aufblasbare Reisekissen als Werbegeschenke verteilt, die aber meist deutlich kleiner sind. Wenn man nichts anderes zur Hand hat, funktioniert das natürlich auch, aber wenn man öfter reist, lohnt sich vielleicht die Anschaffung eines hochwertigeren Produktes.

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Gibt es Alternativen zu Nackenkissen?

Theoretisch kann man den Kopf mit sehr vielen Dingen stützen. Ein normales Kissen oder ein zusammengerollter Pullover tun es schon auch mal. Nackenkissen sind aber insofern praktisch, weil sie ihre Form schon haben und behalten. Man muss sie nicht erst zurechtklopfen. Und sie verrutschen nicht, wenn man einschläft. Doch selbst mit Nackenkissen ist Schlafen auf Reisen aus ganz vielen Gründen oft keine erholsame Sache – vor allem, wenn man sich eben nicht lang hinlegen kann. Seemanns Rat ist deshalb: Statt unterwegs zu schlafen, lieber die Reise auf zwei Tage ausdehnen. Und sich zwischendurch eine erholsame Übernachtung bei Freunden oder in einem Hotel gönnen.

Zur Person

PD Dr. Ricarda Seemann ist Orthopädin und Manualmedizinerin an der Berliner Charité und in eigener Praxis. Sie leitet die Arbeitsgemeinschaft Manuelle Medizin der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seemann selbst hat kein Nackenkissen: „Denn ich kann lange Flugreisen nicht ausstehen und verbringe meine Urlaube am liebsten an der Nordsee – auf dem Weg werden liebe Freunde besucht, sodass ich gar nicht in die Verlegenheit komme, im Zug schlafen zu müssen.“

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