Nudossi: Wie eine DDR-Nuss-Nougat-Creme bis heute Ost-West-Diskussionen am Frühstückstisch prägt
Nudossi: DDR-Creme löst noch heute Ost-West-Diskussionen aus

Nudossi: Ein Stück DDR-Geschichte auf dem Frühstückstisch

Wenn am deutschen Frühstückstisch die Diskussion über Nuss-Nougat-Creme entbrennt, geht es oft um mehr als nur Geschmack. Die Frage „Nutella oder Nudossi?“ spiegelt eine tiefere Rivalität wider – sie steht symbolisch für das Verhältnis zwischen Ost und West sowie für den Gegensatz zwischen Mangelwirtschaft und Einfallsreichtum in der DDR-Zeit.

Die Entstehung einer ostdeutschen Ikone

Während Ferrero im Westen bereits seit 1965 die berühmte Nutella produzierte, suchte man in der Deutschen Demokratischen Republik nach einer eigenen Alternative. Im Jahr 1966 begann ein Entwicklungskollektiv beim sächsischen Süßwarenhersteller in Radebeul mit der Arbeit an einer heimischen Nuss-Nougat-Creme. Zwei Jahre später, im Sommer 1968, kam das fertige Produkt in die Regale der Feinkost- und Delikatläden.

Der Name Nudossi entstand als Kunstwort aus „Nuss“ und „Vadossi“ und sollte fortan die Genusskultur der DDR prägen. Schon kurz nach der Einführung entwickelte sich die Creme zum absoluten Verkaufsschlager.

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Produktionsboom und plötzliches Verschwinden

Die Erfolgsgeschichte von Nudossi verlief beeindruckend:

  • 1970 produzierte das Werk eine halbe Million Becher
  • 1971 verdoppelte sich die Produktionsmenge
  • Bis 1985 steigerte die Produktionsstätte die Ausgabe auf stolze sechs Millionen Becher

1972 wurde der Betrieb verstaatlicht und in den VEB Elbflorenz eingegliedert. Mit der Abwicklung dieses Volkseigenen Betriebes im Jahr 1990 verschwand Nudossi jedoch plötzlich aus den Supermarktregalen – die einstige Kultcreme schien für immer verloren.

Das phänomenale Comeback einer Marke

Erst Jahre später gelang der Wiederbelebung. Karl-Heinz Hartmann, der neue Eigentümer von Vadossi, erwarb die Markenrechte vom Mitteldeutschen Rundfunk und nahm am 23. März 1998 die Produktion wieder auf. Bereits 1999 präsentierte das Unternehmen das Comeback auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln.

Neben dem klassischen Nudossi entwickelte das Team innovative neue Produkte:

  1. „Naschi“ – eine Variante mit Kokos
  2. „Nu Pagadie“ – eine Milch-Kakao-Creme

Nach einer Insolvenz im Jahr 2005 setzte das Unternehmen in Radebeul seine Tätigkeit unter dem Namen Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG fort. Mit etwa 35 Mitarbeitern produziert es heute jährlich rund 4,5 Millionen Becher und Gläser verschiedener Cremes.

Was Nudossi von Nutella unterscheidet

Der charakteristische Unterschied zwischen den beiden Konkurrenten besteht bis heute: Nudossi verarbeitet einen Haselnussanteil von 36 Prozent, während Nutella lediglich 13 Prozent verwendet. Diese höhere Nusskonzentration verleiht der DDR-Creme ihr unverwechselbares Aroma.

In den letzten Jahren hat das Unternehmen seine Rezepturen kontinuierlich weiterentwickelt:

  • Ende 2016 erfolgte eine leichte Anpassung der Originalrezeptur
  • 2017 brachte Nudossi eine palmölfreie Variante im Glas auf den Markt
  • 2019 erweiterte das Sortiment um eine spezielle Kakaocreme
  • 2021 wurden auch die Produkte „Naschi“ und „Duo“ auf palmölfreie Rezepturen umgestellt
  • 2025 führte die Marke eine vegane Variante ein, die auf tierische Inhaltsstoffe verzichtet und den charakteristisch hohen Nussanteil beibehält

Weitere DDR-Klassiker im Sortiment

Das Unternehmen brachte mit „Oma Hartmann's“ einen weiteren DDR-Klassiker zurück in die Supermärkte: den sogenannten „Kalten Hund“, einen Schichtkuchen aus Keks und Schokolade. Die Konditorin Annalies Hartmann verfeinerte das Rezept auf Basis alter Familienüberlieferungen.

Bereits 1998 produzierte das Unternehmen die ersten 400 Kuchen – im selben Jahr kauften Kunden rund eine Million Stück. Seitdem wurde die Produktlinie kontinuierlich mit neuen Größen und Verpackungsformen erweitert.

Ein Stück lebendige Geschichte

Ob palmölfrei, vegan oder klassisch im originalen Becher – Nudossi bleibt, was es schon zu DDR-Zeiten war: ein Stück sächsischer Schokoladentradition und ein süßer Beweis dafür, dass manche Marken Generationen verbinden können.

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Die Diskussion um „Ost oder West“, „Nutella oder Nudossi“ wird wohl nie endgültig entschieden werden. Doch am deutschen Frühstückstisch ist genug Platz für beide – und für die Geschichten, die sie erzählen.