Shrinkflation: Immer mehr Hersteller tricksen mit kleineren Packungen
Shrinkflation: Hersteller tricksen mit kleineren Packungen

Supermarkt-Kunden kennen das Gefühl: War da nicht kürzlich noch mehr drin? Bei Kartoffelchips, Schokolade oder Duschgel schrumpfen die Füllmengen, während die Preise stabil bleiben oder sogar steigen. Diese Praxis, bekannt als „Shrinkflation“ oder „Schrumpflation“, wird immer dreister. Nun hat ein Gericht den Milka-Hersteller Mondelez wegen Irreführung verurteilt. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Milka-Urteil: Signalwirkung für Verbraucher

Das Landgericht Bremen entschied am 22. April 2026, dass Mondelez Verbraucher getäuscht hat, indem es die Füllmenge von Milka-Schokoladentafeln von 100 auf 90 Gramm reduzierte, die Verpackung aber unverändert ließ. Gleichzeitig stieg der Preis von 1,49 auf 1,99 Euro – eine versteckte Preiserhöhung von 48 Prozent. „Viele Menschen greifen zu den Tafeln und merken nicht, dass sie weniger bekommen“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das Urteil stärke die Rechte der Verbraucher und habe Signalwirkung.

Mogelpackungsliste wächst wöchentlich

Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine „Mogelpackungsliste“ mit über 1000 Produkten, die ständig länger wird. „Seit Jahren beobachten wir eine Masche: weniger Inhalt, Preis gleich – eine versteckte Preiserhöhung“, so die Verbraucherschützer. Zwar sind Preiserhöhungen erlaubt, aber Mogelpackungen sind gesetzeswidrig. Die Grenzen sind oft schwer zu ziehen, doch im Milka-Fall war die Täuschung eindeutig.

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Besonders dreiste Beispiele

Die Liste der schrumpfenden Produkte ist lang: Das „Original Schoko Hafer-Müsli“ von Kölln und die „Pasta Sauce Basilikum“ von Mirácoli verteuerten sich um 20 Prozent. Ironisch: Auf dem kleineren Mirácoli-Glas steht nun „XXL“. Pringles-Chips schrumpften um zwölf Prozent, Sheba-Katzenfutter um 69 Prozent und Dove-Duschgel sogar um 97 Prozent. Spitzenreiter ist das Tomaten-Gewürzsalz von Lebensbaum: Statt 150 Gramm für 2,99 Euro gibt es jetzt 80 Gramm für 3,99 Euro – ein Preisanstieg von 150 Prozent.

Forderungen nach gesetzlichen Regeln

Die Verbraucherzentrale fordert verbindliche Vorgaben: „Wir brauchen einen Warnhinweis auf der Verpackung für mindestens sechs Monate, wenn die Füllmenge reduziert wurde. Auch die Packungsgröße muss entsprechend kleiner werden“, sagt Valet. Der Gesetzgeber sei gefordert, endlich klare Regeln zu schaffen. 2025 lag die durchschnittliche versteckte Preiserhöhung bei Shrinkflation-Produkten bei 28,4 Prozent – weit über der allgemeinen Inflation von 2,2 Prozent.

Warum Hersteller schrumpfen

Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) verweist auf den hohen Kostendruck. Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland (HDE) warnt jedoch vor Vertrauensverlust bei Kunden. Unternehmen erhoffen sich durch Shrinkflation höhere Preise durchsetzen zu können, ohne dass Kunden es sofort merken. Auch Händler profitieren, da sie beliebte Schwellenpreise wie 1,99 Euro halten können.

Tipps zum Sparen

Verbraucherschützer raten: Immer den Grundpreis vergleichen (pro Kilogramm oder Liter). Bei ungewöhnlichen Füllmengen wie 90 Gramm statt 100 oder 675 Milliliter statt 750 sollten die Alarmglocken schrillen. Zudem helfen Einkaufslisten, Essenspläne, der Griff zu Eigenmarken und saisonalen Produkten sowie der Kauf von Waren kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. So lässt sich trotz Shrinkflation Geld sparen.

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