CSD-Saison in Sachsen-Anhalt startet mit Fokus auf Sicherheit
Mit einem klaren Bekenntnis zu Vielfalt und Toleranz beginnt an diesem Samstag in Schönebeck die Christopher-Street-Day-Saison in Sachsen-Anhalt. Bis zum 26. September sind in zahlreichen Städten des Bundeslandes bunte Feste, engagierte Kundgebungen und lebhafte Umzüge geplant. Höhepunkt wird der europäische Pride-Treffpunkt vom 9. bis 11. Oktober in Magdeburg sein, wo sich die europäische Pride-Bewegung versammeln wird.
Dokumentierte Angriffe bei CSD-Veranstaltungen
Das Gewaltopferberatungsprojekt „Mobile Opferberatung“ hat für das vergangene Jahr besorgniserregende Zahlen veröffentlicht. Insgesamt wurden zehn Angriffe mit elf direkt Betroffenen im Zusammenhang mit sechs verschiedenen Christopher Street Days in Sachsen-Anhalt dokumentiert. Unter diesen Vorfällen befanden sich drei gefährliche Körperverletzungen, zwei einfache Körperverletzungen und fünf konkrete Bedrohungen.
Die dokumentierten Vorfälle zeigen ein erschreckendes Muster queerfeindlicher Gewalt. Bereits am 26. April 2025, zu Beginn der CSD-Saison in Schönebeck im Salzlandkreis, wurden Teilnehmer massiv beleidigt und bedroht. Einem 20-jährigen Teilnehmer wurde dabei von einem 19-jährigen Rechten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, worauf der Täter nationalsozialistische Parolen skandierte. Am 26. Juni in Wittenberg wurden CSD-Teilnehmer unter anderem als „biologischer Abfall“ queerfeindlich beleidigt und bedroht, während parallel dazu die Jungen Nationalisten, die Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD), eine Gegendemonstration mit etwa 70 Teilnehmenden veranstalteten.
Statistischer Anstieg queerfeindlicher Straftaten
Die Zahlen des Innenministeriums Sachsen-Anhalt bestätigen den besorgniserregenden Trend. Für das vergangene Jahr wurden in der Statistik zur Politisch motivierten Kriminalität 50 Straftaten im Themenfeld geschlechtsbezogene Diversität erfasst – ein deutlicher Anstieg gegenüber 32 Fällen im Jahr 2024. Zusätzlich wurden 77 Straftaten mit Blick auf sexuelle Orientierung registriert, verglichen mit 48 Fällen im Vorjahr. Es ist wichtig zu beachten, dass einzelne Straftaten in beide Themenfelder fallen können.
Bei den Straftaten mit Bezug auf sexuelle Orientierung handelte es sich im vergangenen Jahr vorwiegend um 28 Beleidigungen, 15 Propagandastraftaten, 9 Volksverhetzungen, 8 Sachbeschädigungen, 7 Bedrohungen und 3 Körperverletzungen. Im Bereich der geschlechtsbezogenen Diversität wurden beispielsweise 17 Beleidigungen, je 7 Volksverhetzungen und Propagandastraftaten, 4 Bedrohungen und ebenfalls 3 Körperverletzungen erfasst. Alle diese Delikte fallen unter den Bereich der Hasskriminalität, da sie auf Vorurteilen gegen Geschlecht, geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung basieren.
Polizeiliche Maßnahmen für die kommende Saison
Das Innenministerium Sachsen-Anhalt gab bekannt, dass im Umfeld von Christopher-Street-Day-Veranstaltungen im vergangenen Jahr in 28 Fällen Straftaten registriert wurden, die dem Themenfeld „sexuelle Orientierung“ und/oder „geschlechtsbezogene Diversität“ zugeordnet wurden. Für die anstehende CSD-Saison befindet sich die Landespolizei in fortlaufender Abstimmung mit den Organisatoren sowie den zuständigen kommunalen Sicherheitsbehörden.
„Ziel ist es, einen sicheren und störungsfreien Verlauf des jeweiligen CSD zu gewährleisten. Die Einsatzkonzepte werden fortlaufend überprüft und erforderlichenfalls angepasst“, betonte das Ministerium. Dabei wurde hervorgehoben, dass es Anspruch der Landespolizei sei, allen Betroffenen mit der nötigen Professionalität und Empathie entgegenzutreten.
Warnung und Aufruf zur Solidarität
Antje Arndt von der Projektleitung der Mobilen Opferberatung äußerte sich besorgt über die Entwicklung: „Wir müssen uns leider auch für die kommende CSD-Session auf Angriffe einstellen, trotz Sicherheitskonzepten und verstärktem Polizeischutz.“ Sie betonte die Bedeutung von Solidarität: „Umso wichtiger ist es, sich solidarisch mit der queeren Community zu zeigen und für das Recht geschlechtlicher und sexueller Selbstbestimmung einzustehen.“
Der Verein CSD Magdeburg wies darauf hin, dass in den vergangenen Jahren CSDs behindert und queere Veranstaltungen angefeindet wurden. Gerade in einer Zeit, in der queere Rechte zunehmend unter Druck geraten, sei es ein starkes Signal, dass die europäische Pride-Community sich in Sachsen-Anhalt versammelt. Die anstehenden Veranstaltungen in Städten wie Dessau-Roßlau, Köthen, Wernigerode, Magdeburg, Halle und Stendal stehen somit nicht nur im Zeichen der Feier, sondern auch des engagierten Einsatzes für Grundrechte und gesellschaftliche Akzeptanz.



