Abschied von Karsten Wettberg: Löwen-Legende mit unermüdlichem Herz für Menschen in Not
Karsten Wettberg: Löwen-Idol mit großem sozialen Engagement

Abschied von Karsten Wettberg: Löwen-Legende mit unermüdlichem Herz für Menschen in Not

Karsten Wettberg war weit mehr als nur der legendäre "König von Giesing": Der frühere Trainer des TSV 1860 München prägte den Verein und seine Fans mit einem außergewöhnlichen Herz, tiefem sozialen Engagement und unermüdlicher Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Sein Leben bewegte sich zwischen Fußball, Politik, Ehrenamt und gelebter Nächstenliebe – eine Persönlichkeit, die über den Sport hinaus wirkte.

Ein Leben zwischen Fußball und sozialer Verantwortung

Karsten Wettberg, der am vergangenen Sonntag im Alter von 84 Jahren in Wasserburg am Inn friedlich eingeschlafen ist, hinterlässt eine Lücke, die weit über den Fußball hinausreicht. "Karsten war ein absolut toller Kerl, ein herzensguter Mensch", sagt Olaf Bodden, der ehemalige Stürmer, über den Verstorbenen. "Seinen Titel 'König von Giesing' hat er sich mehr als verdient. Aber was für mich noch mehr bedeutet hat, war sein enormes Engagement."

Im schnelllebigen und oft rücksichtslosen Geschäft des Profifußballs stellte Wettberg eine Ausnahme dar. Sein Wirken zeugte von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ihn zu einer besonderen Figur im Münchner Sportgeschehen machten.

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Frühe Jahre und tiefe Verwurzelung in Bayern

Die Nächstenliebe schien dem am 11. November 1942 in Friesack geborenen Brandenburger bereits in die Wiege gelegt worden zu sein. Sein Vater war dort der ortsansässige evangelische Pfarrer. Der Zweite Weltkrieg führte die Familie nach Bayern, wo sie in Mainburg im niederbayerischen Landkreis Kelheim in der Holledau ein neues Zuhause fand.

Mit neun Jahren begann der kleine Karsten beim FC Mainburg mit dem Fußballspielen. 1974 folgte der Umzug ins nahe gelegene Elsendorf. Obwohl ihn seine aktive Karriere nicht in den Profibereich führte, sollte er eine lange und erfolgreiche Laufbahn als Trainer einschlagen.

Seine Verbindung zum TSV 1860 war vielfältig und tief:

  • Von 2007 bis 2008 übernahm er Verantwortung als Vizepräsident
  • Später war er kurze Zeit als Aufsichtsrat tätig
  • Immer wieder engagierte er sich als ehrenamtlicher Scout
  • Er führte die Traditionself der Sechzger an und kickte selbst noch mit über 80 Jahren – meist für wohltätige Zwecke

Engagement weit über den Fußball hinaus

Was Karsten Wettberg besonders auszeichnete, war sein vielfältiges Engagement abseits des Fußballplatzes. Bei der Deutschen Post durchlief er eine berufliche Laufbahn bis zum Postoberamtsrat. Zwischen 2002 und 2020 saß er als SPD-Mitglied im Kreisrat und setzte sich politisch für seine Mitmenschen ein.

Sein Engagement wurde mehrfach gewürdigt:

  1. 2006 erhielt er den Bundesverdienstorden für sein vielfältiges Engagement
  2. 2018 wurde er mit der Hans-Bröckler-Medaille für sein Lebenswerk in Gewerkschaft, Politik, Sport und Sozialem ausgezeichnet

Besonders hervorzuheben ist seine Tätigkeit für den FC Sternstunden, die Benefiz-Fußballmannschaft des Bayerischen Rundfunks. Wettberg absolvierte über 100 Spiele, betätigte sich über Jahrzehnte als Spendensammler und wurde zum Ehrenspielführer gekürt.

Unermüdliche Hilfe für Menschen in Not

Eine besondere Geschichte verbindet Karsten Wettberg mit Olaf Bodden, dem ehemaligen Bundesliga-Torjäger der Blauen, der am Chronischen Erschöpfungssyndrom erkrankt ist. Für Wettberg war es eine Selbstverständlichkeit, sich in schweren Zeiten für Bodden einzusetzen.

Seine Hilfsmaßnahmen waren vielfältig:

  • Organisation mehrerer Benefizspiele im Grünwalder Stadion
  • Einrichtung eines Spendenkontos
  • Unermüdliches Aufmerksam-Machen auf das schwere Schicksal des ehemaligen Profis

"Karsten hat mir durch die Benefizspiele und seine ungebrochene Unterstützung sehr geholfen", erinnert sich Bodden. "Als ich an den Rollstuhl gefesselt war, haben wir uns erst richtig kennengelernt. Ich werde ihm nie vergessen, wie sehr er sich für mich eingesetzt hat."

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Wettberg blieb bis ins hohe Alter aktiv und fit – durch Krafttraining und Rennradfahren. 2018 besiegte er bei der Aktion "Liegestützen für den guten Zweck" den ehemaligen Ingolstädter Spieler Andreas Buchner. Damals war Wettberg 77 Jahre alt, während der Ex-Profi Buchner erst 33 Jahre zählte.

Was bleibt: Liebe, Dankbarkeit und Erinnerung

Mit Karsten Wettberg verliert der TSV 1860 München innerhalb kurzer Zeit eine weitere Vereinslegende. An Ostern 2025 hatte der Verein bereits mit Kult-Trainer Werner Lorant eine absolute Ikone verloren. Nun folgt kurz vor Ostern 2026 der nächste Mann, der bei den Sechzgern über seine Rolle als Trainer hinaus tiefe Fußspuren hinterlassen hat.

Am 10. April wird Karsten Wettberg mit einer Trauerfeier geehrt – ebenso wie zuvor Werner Lorant. Was bleibt, sind die Erinnerungen an einen Mann, der nicht nur durch seine fußballerischen Qualitäten, sondern vor allem durch seine Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft in Erinnerung bleiben wird.

Karsten Wettberg war nicht nur für Olaf Bodden ein ganz Großer. Sein Vermächtnis reicht weit über den Sport hinaus und berührt die Herzen all jener, die seine Unterstützung erfahren durften oder sein Engagement bewunderten. In einer Welt, die oft von Egoismus geprägt ist, stand er für Selbstlosigkeit und gelebte Solidarität.