Spendendose auf dem Rücken: Wie die „Railway-Dogs“ Waisenkindern halfen
Railway-Dogs: Hunde sammelten Spenden für Waisenkinder

Spendendose auf dem Rücken: Wie die „Railway-Dogs“ Waisenkindern halfen

Ist das etwa das vielleicht erste tierische Charity-Projekt? Die Antwort lautet: Ja, die sogenannten „Railway-Dogs“ waren Pioniere der Wohltätigkeit auf vier Pfoten. Wer heute durch große Bahnhöfe wie London, Paris oder Hamburg läuft, erlebt Hektik, Pendlerstress und gelegentlich Menschen in Not. Doch im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Situation für viele Eisenbahner-Familien noch weitaus dramatischer.

Gefährlicher Job bei der Eisenbahn

Der Dienst bei der Eisenbahn war extrem hart und lebensgefährlich. Sicherheitsstandards existierten praktisch nicht, Unfälle gehörten zum Alltag. Starben Bahnangestellte bei der Arbeit, blieben ihre Kinder oft mittellos zurück, da es keine staatliche Absicherung gab. Um diesen Waisen zu helfen, wurde im Jahr 1885 das Waisenhaus Southern Railway Servants' Orphanage in Woking gegründet. Mitte der 1960er Jahre setzte man dann auf ganz besondere „Sammler“, die die Herzen der Reisenden eroberten.

„Railway Dogs“ sammeln für das Waisenhaus

Die „Railway Dogs“ zogen mit einer fest montierten Spendendose auf dem Rücken durch die Wartehallen der Bahnhöfe. Sie sammelten Kleingeld für das Waisenhaus, während Reisende Münzen einwarfen und die Hunde freudig weiterwedelten. Heute gelten sie als Vorreiter der modernen Charity-Kultur. Einer von ihnen steht noch immer am Bahnhof Wimbledon: der Airedale Terrier „Laddie“.

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Airedale Terrier Laddie wird Ehren-Centurian

„Laddie“, geboren im Jahr 1948, war ein besonders erfolgreicher Spenden-Sammler. Zu Lebzeiten lief er wedelnd am Londoner Bahnhof Waterloo entlang und sammelte beträchtliche Summen. Sein Erfolg war so groß, dass er Ehrenmitglied im Tail Waggers Club wurde, einer Tierschutzorganisation aus dem Jahr 1929. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1956 erreichte er dort den Rang „Ehren-Centurian“, die höchste Auszeichnung für einen Hund. Anschließend zog er in das Altenheim der Eisenbahner in Woking.

Präpariert zurück nach Wimbledon

Als Laddie um 1960 starb, wurde er fachmännisch präpariert. In einer Glasvitrine kehrte er an den Bahnhof Wimbledon zurück und ersetzte dort „Wimbledon Nell“, die ins Museum umzog. Auf Gleis 8 sammelte Laddie weiterhin Spenden – bis 1990 fütterten Passagiere seine Box, ganze 30 Jahre nach seinem biologischen Tod. Experten schätzen, dass er und Hunde wie „Station Jim“ aus Slough über Jahrzehnte hinweg Tausende Pfund für Witwen und Waisen zusammentrugen.

Heute steht Laddie sicher verwahrt am Bahnhof Wimbledon, wo kleine Infotafeln seine bewegende Geschichte erzählen. Diese einzigartige Initiative zeigt, wie tierische Helfer menschliches Leid lindern konnten und bis heute als Symbol für Mitgefühl und Engagement gelten.

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