Vatertag: Eine Hommage an die Väter
Heute ist Vatertag – ein Tag, um innezuhalten und Danke zu sagen. Drei BILD-Reporter schreiben sehr persönliche Oden an ihre Väter, die ihre ersten Helden waren. Und einer schreibt an seinen Sohn, der ihm ein schlechtes Gewissen machte.
Ein Vater, der die Sterne erklärte
Tobias Render (40) über seinen Vater Johann (67): In meiner Kindheit war für mich klar: Am Vatertag ziehen Männer mit Bollerwagen los und betrinken sich. Alle, außer meinem Papa. Er trinkt keinen Alkohol, dachte ich, deshalb geht er nicht mit. Hinterfragt habe ich das nie. Heute schon, weil ich auf Dienstreise bin und lieber bei meinen Kindern wäre. Meine Tochter (8) fragt mich nach meiner Kindheit. Dann erzähle ich von meinem Papa, der für mich ein Vorbild ist – der gutmütigste Mensch der Welt. Er war Lehrer und oft nicht da, kam spät nach Hause. Manchmal waren wir eifersüchtig auf seine Schüler. Aber wenn er da war, war alles andere egal. Dann zeigte er uns nachts die Sterne, erzählte Geschichten, schnitzte mit uns, ging schwimmen, radfahren, wandern, ins Stadion und in den Wald. Meine Mama hatte die Hauptlast der Erziehung, aber Papa legte nie die Füße hoch. Er interessierte sich für alles. Wenn ich heute beim Ballett meiner Tochter mitmache, ernte ich Bewunderung. Mein Papa tat das schon vor 40 Jahren – nicht aus Modernität, sondern weil es normal war.
Ein Vater, der Rückenwind gibt
Lukas Bruckmann (22) über seinen Vater Dirk (55): Wenn das Wort Held fällt, denke ich an meinen Papa. Schon als Kind prägte er meinen Geschmack bei Musik, Spielen und Humor. Heute ist er mein erster Ansprechpartner für alle Lebensfragen. Als ich von Frankfurt nach Berlin zog, half er mir beim Umzug. Seitdem feiert er jeden Erfolg mit. Nach dem Abitur riet er zum Studium, aber heute unterstützt er meinen Traumjob im Volontariat. Papa, ich bin stolz auf dich! Ich wünsche dir einen tollen Vatertag.
Ein Vater, der schwieg und doch alles sagte
Jörg Wienforth (54) über seinen Vater Karl Heinz (†73): Mein Vater redete wenig. Schichtarbeiter, früh raus, abends müde. Aber der Kühlschrank war voll, wir machten Urlaub, Autos wurden bar bezahlt. Mit 22 outete ich mich an Weihnachten 1994. Meine Mutter weinte, mein Vater schwieg kurz, dann: „Okay, dann ist das nun so.“ Kein Vorwurf, kein Streit. Ein Mann der alten Schule, der in Sekunden mehr Frieden mit meinem Leben hatte als ich selbst. 18 Jahre später, ich lebe in Berlin als Regisseur, da kam die Diagnose Speiseröhrenkrebs. Unheilbar. Ich sollte nach Peking fliegen. Mein Vater sagte: „Die brauchen dich. Flieg.“ Eine Woche später rief mein Bruder: „Wenn du Papa noch mal sehen willst, komm zurück.“ Ich flog zurück ins Krankenhaus nach Gelsenkirchen. Mein Vater lag still, erkannte mich nicht. Meine Mutter flüsterte: „Er hat auf dich gewartet.“ Ich setzte mich ans Bett, nahm seine Hand und sagte: „Ich bin zurück. Du kannst gehen. Danke für alles.“ Sein Atem veränderte sich, dann Stille. Ich weckte meinen Bruder: „Papa ist eingeschlafen.“ Wir gingen nach Hause, weckten Mama. Sie sagte: „Lieber Gott, ich danke dir.“ Ich denke: Lieber Papa, ich danke dir, dass du auf mich gewartet hast.
Ein Vater, der mit dem schlechten Gewissen lebte
Jakob Mell (54) über seinen Sohn Adrian (29): Vater wurde ich mit 25, ungeplant. Die Mutter kannte ich erst seit Wochen. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich einließ. Ich jobbte bei der Post, dann studierte ich in Wuppertal – 600 km vom Bodensee entfernt. Von da an war ich Teilzeitvater. Die Beziehung zerbrach, meine Schuld. Später zog ich nach Regensburg und München, näher am Bodensee, aber die Arbeitszeiten waren kompliziert. Das schlechte Gewissen war ständig da. Bis zum 18. Geburtstag meines Sohnes fuhr ich fast jedes Wochenende zu ihm. Später kam er mit dem Zug zu mir. Wir fuhren in den Urlaub: Kroatien, Italien, Türkei. Trotzdem fühlte ich mich nie als präsenter Vater. Der Vatertag war für mich nichts für Alleinerziehende. Heute ist er 29, arbeitet in Hessen und hat etwas aus seinem Leben gemacht. Er sagt noch Papa, aber die Anrufe werden seltener. Der kleine Junge hat längst ein eigenes Leben.



