Stille, Kerzen und Tränen: Wittenburg trauert bei Gedenkandacht um Mutter und Tochter
Wittenburg trauert bei Gedenkandacht um Mutter und Tochter

Gemeinsame Trauer in der St. Bartholomäus-Kirche

In der evangelischen St. Bartholomäus-Kirche in Wittenburg versammelten sich am Donnerstagabend mehr als 100 Menschen aus der gesamten Region zu einer bewegenden Gedenkandacht. Sie kamen zusammen, um gemeinsam der Mutter und ihrer achtjährigen Tochter zu gedenken, die am vergangenen Wochenende tot in einem Mehrfamilienhaus im nahegelegenen Bobzin aufgefunden worden waren. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem erweiterten Suizid aus, bei dem die 38-jährige Frau zunächst ihre Tochter und dann sich selbst getötet haben soll.

Ein geschützter Raum für Emotionen

Pastor Martin Waack hatte bewusst zu dieser Trauerandacht eingeladen und betonte dabei die besondere Funktion des Kirchenraums. „Unsere Kirche ist ein geschützter Raum, in dem Emotionen sein dürfen“, erklärte er den Anwesenden. Aus diesem Grund bat er auch eindringlich darum, auf Film- und Fotoaufnahmen während der Andacht zu verzichten. Der Theologe führte weiter aus: „Wir sind hier zusammengekommen, um miteinander zu schweigen, uns zu erinnern und auch, um mit unseren Gefühlen nicht allein zu sein.“

Waack thematisierte direkt die unfassbare Tragödie von Bobzin, die sich zwar nicht verstehen lasse, dennoch Realität geworden sei. Besonders im Blick auf die Angehörigen, Freunde, Kollegen, Mitschüler, Lehrer und alle, die Mutter und Tochter gekannt hatten, betonte er die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung. „Manches lässt sich leichter tragen, wenn man spürt, dass vor einem, neben einem und hinter einem andere Menschen sitzen“, sagte der Pastor und beschrieb damit genau die Atmosphäre, die in der Kirche spürbar war.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Spürbare Gemeinschaft und stille Anteilnahme

Die tiefe Verbundenheit unter den Besuchern war während der gesamten Andacht deutlich zu spüren. Menschen umarmten und stützten einander, viele weinten gemeinsam und fanden Trost im gemeinsamen Empfinden. Im Anschluss an die Andacht entzündeten die Kirchenbesucher zahlreiche Kerzen, die auf dem Lichteraltar kaum noch Platz fanden, und verharrten noch eine Weile in schweigsamer Gemeinschaft beieinander.

Pastor Waack kennt dieses Bedürfnis nach gemeinsamem Schweigen aus anderen, ähnlich tragischen Situationen. „Seit Jahrhunderten haben sich die Menschen bei besonderen Ereignissen in der Kirche versammelt“, erklärte er nach der Andacht. Daher sehe er es als seine besondere Aufgabe an, diesen Raum zu öffnen und offenzuhalten. Ihm sei wichtig, dass in der Kirche alles seinen Platz finden könne – von tiefster Trauer und Ohnmacht bis hin zu Lachen und Freude.

Hilfsangebote bei Suizidgedanken

Falls Ihre eigenen Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit anderen Menschen darüber! Es gibt zahlreiche, auch anonyme Hilfsangebote:

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration
  • Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222
  • Der Anruf ist kostenlos und taucht nicht in der Telefonrechnung auf
  • Weitere Unterstützung finden Sie bei örtlichen Beratungsstellen und psychologischen Diensten