Asphalt-Preise explodieren: Straßenbau in Deutschland droht Stillstand durch Ölkrise
Nach acht Wochen Winterpause kommt der Straßenbau in Deutschland gerade wieder in Schwung, doch bereits bremsen massive Preissteigerungen bei Asphalt die Branche aus. Zum 1. April verlangen Lieferanten kletternde Tagespreise, die die Kalkulationssicherheit der Unternehmen gefährden.
Bitumen als Kostentreiber: Ölpreis schlägt voll durch
Der steigende Ölpreis wirkt sich direkt auf die Tiefbaubranche aus, da etwa die Hälfte des Asphaltpreises auf das teure Ölprodukt Bitumen entfällt. Dieses Bindemittel wird erhitzt, um Sand, Gesteinskörner und -mehl zu verbinden. Für einen Kilometer Autobahn werden rund 500 Tonnen Bitumen benötigt, für eine Stadtstraße etwa 100 Tonnen. Erste Raffinerien haben die Preise bereits um bis zu 20 Prozent erhöht.
Dieter Mießen (64), Prokurist beim Berliner Bauunternehmen Frisch und Faust, erklärt: „Bei unseren Kalkulationen haben wir dann keine Sicherheit mehr. Diese Unsicherheit belastet die gesamte Branche.“
Preisbewegungen übertreffen Ukraine-Krieg-Niveau
Tim-Oliver Müller (40), Chef des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, warnt vor den Folgen: „Wir sehen bereits massive Preisbewegungen, die sogar höhere Ausschläge zeigen als im Jahr 2022 nach Ausbruch des Ukraine-Krieges. Das trifft Unternehmen am Bau besonders hart, weil viele Verträge mit der öffentlichen Hand als Festpreisverträge laufen.“
Müller fordert daher die Einführung von Preisgleitklauseln in öffentlichen Verträgen, wie sie bereits nach Kriegsbeginn per Erlass ermöglicht wurden. Solche Mechanismen würden Materialpreisveränderungen in laufenden Verträgen berücksichtigen und das Risiko fairer verteilen.
Doppelbelastung für Bauunternehmen
Neben den Asphaltkosten steigen auch die Treibstoffpreise für Baumaschinen dramatisch. Dieter Mießen benötigt wöchentlich 7.000 Liter Diesel für Bagger und Geräte. Während er im letzten Quartal 2025 noch 12.000 Euro pro Woche zahlte, sind es jetzt knapp 17.000 Euro – eine Steigerung von 40 Prozent.
„Diese Preissteigerung können wir aktuell nicht weitergeben, unsere Marge wird also kleiner“, klagt Mießen. Besonders belastend sei dies nach acht harten Winterwochen, in denen schlechtes Wetter zu Arbeitsausfällen und Umsatzeinbußen führte.
Existenzängste und Personalnot
Mießen befürchtet, dass einige Betriebe schließen müssen: „Der eine oder andere Betrieb wird wohl schließen müssen.“ Gleichzeitig herrscht in der Branche Personalmangel. „Allein wir könnten auf der Stelle zehn bis 15 neue Mitarbeiter einstellen. Denn die Auftragsbücher sind voll“, so der Prokurist.
Projektverschiebungen drohen
Sascha Gresitza (54) von der Fachgemeinschaft Bau in Berlin sieht düstere Aussichten: „Das traurige Ende wird sein, dass die Kommunen weniger Aufträge vergeben und das eine oder andere Projekt verschieben. Denn die Budgets werden im laufenden Haushalt ja nicht mehr angehoben.“
Die Kombination aus explodierenden Materialkosten, festen Verträgen und begrenzten öffentlichen Mitteln könnte den Straßenbau in Deutschland somit erheblich verlangsamen oder sogar zum Erliegen bringen.



