Ein Jahr nach Bahn-Bauarbeiten in Neubrandenburg: Kaum Verbesserungen im Zugverkehr
Bahn-Bauarbeiten in Neubrandenburg: Kaum Verbesserungen nach einem Jahr

Ein Jahr nach Bahn-Bauarbeiten: Kaubrandenburgs Zugverkehr weiterhin mit Problemen

Genau ein Jahr ist vergangen, seit Neubrandenburg nach langwierigen und immer wieder verlängerten Bauarbeiten wieder an den bundesweiten Zugverkehr angeschlossen wurde. Am 1. April 2025 um 4.27 Uhr setzte sich der erste Regionalexpress nach monatelanger Unterbrechung vom Neubrandenburger Bahnhof in Richtung Oranienburg in Bewegung. Die Freude bei den Fahrgästen war damals groß, doch heute zeigt sich ein ernüchterndes Bild.

Eisenbahnclub zieht mittelmäßiges Fazit

Der Neubrandenburger Eisenbahnclub bewertet die Situation ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten als enttäuschend. Bernd Wüstemann, Ehrenvorsitzender des Vereins, erklärt gegenüber dem Nordkurier: "Die Baumaßnahmen waren für die auf Züge angewiesenen Menschen eine enorme Belastung." Zwar sei Neubrandenburg wieder am Netz, doch treten auch nach Abschluss der Arbeiten regelmäßig Probleme auf.

"Verspätungen, Zugausfälle und Streckensperrungen gehören leider weiterhin zum Alltag", so Wüstemann. "Die gewünschten Verbesserungen sind kaum eingetreten." Besonders kritisch sieht der Eisenbahnfreund die Vergabe der Arbeiten am elektronischen Stellwerk (ESTW), das nun von Burg Stargard aus gesteuert wird.

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Deutsche Bahn verteidigt Modernisierungen

Die Deutsche Bahn zieht ein deutlich positiveres Resümee. Ein Unternehmenssprecher betont, dass mit den Bauarbeiten rund um Neubrandenburg langfristig mehr Verkehr und Güter auf die Schiene verlagert werden sollten. "Die neue Technik funktioniert zuverlässig", stellt der Sprecher fest und verweist auf modernisierte Gleise und barrierefreie Bahnsteige.

Allerdings räumt die Bahn ein, dass die Bauarbeiten deutlich umfangreicher ausfielen als geplant. Ursprünglich sollten die Arbeiten auf der RE5-Strecke nur von März bis Mai 2024 dauern, doch die Fertigstellung wurde mehrfach verschoben – zunächst auf Juni, dann auf Dezember 2024, später auf Februar 2025 und schließlich bis Ende März 2025.

Fehlende Ausweichstellen und verfallende Infrastruktur

Ein zentraler Kritikpunkt des Eisenbahnclubs betrifft die mangelnden Ausweichstellen auf der Strecke. Zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz können Züge nur in Burg Stargard und Blankensee andere Züge überholen. Bis 1990 habe es noch zwei weitere solcher Stellen gegeben, die heute fehlen.

Zudem bemängeln die Vereinsmitglieder, dass nicht mehr benötigte Eisenbahn-Infrastruktur in der Vier-Tore-Stadt verfällt. Dies trifft unter anderem auf das ehemalige Bahnbetriebswerk mit den dazugehörigen Wassertürmen oder auf das Stellwerk B1 zu. "Leider haben unsere Anfragen zur Nutzung der Gebäude bislang keine Antwort ergeben", bedauert Wüstemann.

Bahnsteig-Verlängerung erst für 2028 geplant

Besonders ärgerlich finden die Eisenbahnfreunde, dass während der monatelangen Vollsperrung nicht auch eine Bahnsteig-Verlängerung realisiert wurde. Eine solche Verlängerung ist zwar geplant, ein Baustart wird jedoch erst für das Jahr 2028 angestrebt. Erst dann wäre theoretisch wieder ein ICE- oder IC-Halt in Neubrandenburg möglich.

"Es ist ein Unding, dass ein Oberzentrum wie Neubrandenburg keine einzige Fernzug-Verbindung hat", kritisiert Wüstemann. Die monatelangen Bauarbeiten hätten die Gelegenheit geboten, diese wichtige Infrastrukturmaßnahme gleich mit umzusetzen.

Während die Deutsche Bahn die Modernisierungen als zukunftsweisend bewertet, bleiben die Fahrgäste in Neubrandenburg mit einem gemischten Gefühl zurück. Die Hoffnung auf deutlich verbesserten Zugverkehr hat sich ein Jahr nach den Bauarbeiten noch nicht erfüllt.

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