Sicherheitsgipfel bei der Bahn: Gewerkschaften kritisieren fehlende Doppelbesetzung
Bahn-Sicherheitsgipfel: Kritik an fehlender Doppelbesetzung

Sicherheitsgipfel bei der Bahn: Gewerkschaften kritisieren fehlende Doppelbesetzung

Nach dem tragischen Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters in Rheinland-Pfalz, der bei einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast attackiert und tödlich verletzt wurde, hat die Deutsche Bahn ein Gipfeltreffen im Bahntower in Berlin abgehalten. Teilgenommen haben neben Bahnchefin Evelyn Palla auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Vertreter aus den Ländern, Gewerkschaften, Branchenverbänden und Aufgabenträgern des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV). Das Ziel war, Maßnahmen für mehr Sicherheit der Beschäftigten im Bahnverkehr zu beschließen.

Beschlossene Maßnahmen und Kritik der Gewerkschaften

Die Bahn kündigte an, noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt im Fernverkehr und an Bahnhöfen auf freiwilliger Basis mit Bodycams auszustatten. Bisher waren diese Kameras nur im Regionalverkehr verfügbar. Zudem soll der Hilferufknopf weiterentwickelt werden, um unauffällige Alarmierungen der Leitstelle zu ermöglichen. Weitere 200 Sicherheitskräfte werden eingestellt, um die bestehenden 4000 zu unterstützen. Ab dem 1. März können Zugbegleiter nach eigenem Ermessen entscheiden, ob sie neben dem Ticket auch den Personalausweis kontrollieren, um Konfliktsituationen zu vermeiden.

Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), zeigte sich jedoch enttäuscht. Zwar seien Kernforderungen aufgegriffen worden, aber das zentrale Anliegen einer flächendeckenden Doppelbesetzung im Regionalverkehr bleibe unerfüllt. »Es ist, wie angenommen, wieder das Pingpong zwischen Bund und den Ländern«, kritisierte Burkert und forderte eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten sowie ein Engagement von Kanzler Merz (CDU).

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Finanzielle Hürden und politische Debatten

Verkehrsminister Schnieder betonte, dass mehr Präsenz durch häufigere Doppelbesetzung das Ziel sei, aber die Umsetzung müsse auf der Verkehrsministerkonferenz im März erörtert werden. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) verwies auf die gestiegenen Kosten im öffentlichen Nahverkehr und forderte mehr Mittel vom Bund, da die Länder die finanziellen Mittel für eine flächendeckende Doppelbesetzung nicht aufbringen könnten.

Laut der Bahn gab es im vergangenen Jahr rund 3000 körperliche Übergriffe auf Beschäftigte, was einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Die EVG wies jedoch darauf hin, dass sich das Sicherheitsgefühl der Belegschaft deutlich verschlechtert habe, basierend auf einer Umfrage unter etwa 4000 Mitarbeitern.

Datenschutzbedenken und Ausblick

Die Einführung von Bodycams wirft auch Datenschutzfragen auf. Datenschützer fordern klare Vorgaben zu Aufzeichnungen und Speicherfristen, um Unbeteiligte zu schützen. Die Bahn betonte, dass sie handeln wolle, bevor etwas passiert, aber die Debatte um die Doppelbesetzung und finanzielle Unterstützung bleibt ungelöst. Die nächsten Schritte werden auf der Verkehrsministerkonferenz im März diskutiert, während die Gewerkschaften weiter auf umfassendere Sicherheitsmaßnahmen drängen.

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