Sachsen und Tschechien drängen auf verbindliche Zusagen für den Neubau der Bahnstrecke von Dresden nach Prag. Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (CDU) hob nach einem Treffen mit dem tschechischen Verkehrsminister Ivan Bednárik die europäische Dimension des Vorhabens hervor. „Hier handelt es sich nicht um ein sächsisches Wunschprojekt, sondern ein bedeutendes europäisches Schlüsselvorhaben. Die EU steht bereit, es kräftig mitzufinanzieren“, erklärte sie. Nun sei der Bund gefordert, seine Zusagen einzuhalten. „Wir brauchen Planungssicherheit, den Staatsvertrag und die nötigen Mittel im Bundeshaushalt.“
Strategisches Projekt für Mitteleuropa
Bednárik bezeichnete die Strecke als strategisches Projekt für Tschechien und Sachsen. „Zugleich ist sie eine Schlüsselinvestition in den modernen und nachhaltigen Verkehr in Mitteleuropa. Jetzt sollten wir alle Kräfte darauf konzentrieren, eine adäquate europäische Mitfinanzierung zu sichern“, betonte der Minister. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Bundestag das Projekt bald genehmige, damit der Staatsvertrag unterzeichnet und die Realisierung vorangetrieben werden könne.
Finanzbedarf und Zeitplan
Für die weiteren Planungsschritte müssen im Bundeshaushalt 2027 rund 20 Millionen Euro bereitgestellt werden, teilte das sächsische Infrastrukturministerium mit. Am 21. Mai will Kraushaar das Anliegen in einer Rede vor dem Plenum des Deutschen Bundestags erläutern. Die Eisenbahnneubaustrecke Dresden–Prag hat für Sachsen höchste Priorität.
Technische Details
Die Gesamtlänge der Strecke beträgt etwa 150 Kilometer. Kernstück ist ein 30 Kilometer langer Tunnel durch das Osterzgebirge zwischen Heidenau und Chabařovice. Mit rund 18 Kilometern auf deutscher Seite wäre er der längste Eisenbahntunnel in Deutschland. Aktuell benötigen Züge zwischen Dresden und Prag etwa 2,5 Stunden. Die neue Strecke soll die Fahrzeit auf eine Stunde reduzieren.
Elbeschifffahrt als weiteres Thema
Bei dem Treffen ging es auch um die Elbeschifffahrt. Über Tochterunternehmen gehören die Elbehäfen Děčín und Lovosice zur Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH. „Der Freistaat und Tschechien benötigen diese Binnenwasserstraße als verlässliche Verbindung zu den deutschen Seehäfen, insbesondere den Hafen Hamburg“, hieß es. Sachsen will sich für den Erhalt und die Verbesserung der Schiffbarkeit der Elbe einsetzen. Gerade Groß- und Schwerlasttransporte seien teilweise auf die Wasserstraße angewiesen. Deshalb sollen Häfen, Schiene, Straße und Wasserstraße als gemeinsames System gedacht werden, in dem die Verkehrsträger sinnvoll ineinandergreifen.



