Deutschlands erstes Labyrinthwehr: Einzigartige Ingenieursleistung an der Havel
Die Uckermark und insbesondere der Urlaubsstandort Templin können sich über eine neue Attraktion freuen, die unter Fachleuten für Staunen sorgt. An der Havel wurde das erste Labyrinthwehr Deutschlands errichtet, das den Vorgängerbau von 1919 ersetzt. Dieser besondere Wehrtyp, der eher in den USA, Frankreich und Vietnam verbreitet ist, wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt und stellt eine ingenieurtechnische Besonderheit dar.
Fachpublikum zeigt sich beeindruckt
Rund 50 interessierte Experten aus verschiedenen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern trafen sich kürzlich im historischen Rathaus von Templin zur 35. Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe Ost des Ingenieurverbandes Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Rüdiger Richter, Sachbereichsleiter im Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg, erläuterte die Gründe für den Neubau: „Die Wartung machte einfach keinen Spaß mehr!“ Der Unterhaltsaufwand sollte deutlich reduziert werden.
Der Bau des Labyrinthwehrs, das Richter eher als „Ziehharmonika“ beschreibt, erforderte enorme Mengen an Stahl und Beton. Die Kosten beliefen sich auf etwa neun Millionen Euro, wobei Planung und Bau durch die Auswirkungen von Corona und Krieg verteuert wurden. Besonders anspruchsvoll war die Konstruktion der Bewährung, wie Richter anhand von Fotos demonstrierte.
Ökologische Verbesserungen und positive Resonanz
Neben dem Wehr wurde auch eine komplett neue Fischaufstiegsanlage errichtet, die es zuvor an dieser Stelle nicht gab. Damit ist die ökologische Durchgängigkeit in diesem Abschnitt der Havel nun gesichert. Das Wehr samt Schleuse Schorfheide liegt etwa fünf Kilometer westlich von Hammelspring und ist über unbefestigte Waldwege erreichbar, hauptsächlich für Freizeitkapitäne gedacht.
Die Bewertungen auf Google Maps fallen durchweg positiv aus: „Nichts zu meckern. Eine kleine, aber feine Schleuse, leider ohne Schleusenwärter.“ Selbst Laien zeigen sich begeistert von der einzigartigen Konstruktion.
Wasserstraßen als nachhaltige Transportalternative
Der veranstaltende Ingenieurverband mit etwa 120 Mitgliedern sieht sich als Interessenvertretung für Wasserstraßen. Verbandsvorsitzender Johannes Kutscher betonte im Gespräch mit dem Nordkurier die Vorteile des Wassertransports: „Alle Güter lassen sich auch auf dem Wasser transportieren und es könnten noch viel mehr werden.“ Besonders für Sondertransporte wie wuchtige Flügel für Windkraftanlagen seien Wasserwege effizienter, zuverlässiger und nachhaltiger als Straßen und Schienen – vorausgesetzt, man hat genügend Zeit.
Die Fachexkursion zum neuen Wehr Schorfheide bot den Ingenieuren die Gelegenheit, den Neubau direkt zu begutachten. Fachmänner und -frauen zeigten sich ebenso beeindruckt wie interessierte Laien, die sich über diese einzigartige ingenieurtechnische Leistung in der Region wundern.



