Esther Sedlaczek: „Nichts davon ist geplant“ – über Schweinsteiger und Nagelsmann
Esther Sedlaczek: „Nichts davon ist geplant“

Esther Sedlaczek zählt zu den bekanntesten Moderatorinnen des deutschen Fußballfernsehens. Im Gespräch mit der AZ gewährt sie Einblicke in ihre Arbeit mit Bastian Schweinsteiger, ihre Erfahrungen bei der WM-Vorbereitung und den schwierigen Umgang mit einem verärgerten Bundestrainer.

Die Chemie mit Schweinsteiger: Spontan und ungeplant

Auf die Frage, wo sie sich mit Bastian Schweinsteiger im Vergleich zu legendären Duos wie Delling/Netzer oder Welke/Kahn einordne, antwortet Sedlaczek bescheiden: „Gar nicht. Ich mache mir darüber keine Gedanken. Vergleiche hinken sowieso immer.“ Die besondere Chemie zwischen den beiden beschreibt sie als spontan und organisch: „Wir geben uns gegenseitig Raum und reagieren spontan. Wenn sich eine Situation ergibt, dann greifen wir sie auf – auch mit Humor. Aber nichts davon ist geplant oder inszeniert.“

Diese Art der Interaktion sei im deutschen Fernsehen eher ungewohnt, aber sie entstehe einfach. „Wir lachen übereinander und über uns selbst. Und: Wir nehmen uns danach nichts krumm. Es gab noch nie eine Situation, in der einer zum anderen gesagt hätte: 'Was sollte das denn jetzt?'“

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Drittes Großereignis gemeinsam: „Unbezahlbar“

Sedlaczek und Schweinsteiger bereiten sich bereits auf ihr drittes großes Turnier vor. „Ja, man freut sich auf die Vorbereitung, auf die Spiele, auf das ganze Team, mit dem man unterwegs ist. Wenn das passt, ist das unbezahlbar“, schwärmt sie. Die Vorfreude auf die gemeinsame Arbeit sei groß.

WM-Doku ohne Schweinsteiger: Thomas Hitzlsperger als Partner

Auf die Frage, warum sie für eine WM-Doku mit Thomas Hitzlsperger und nicht mit Schweinsteiger unterwegs war, erklärt Sedlaczek: „Eine Dokumentation hat nichts mit den Live-Übertragungen zu tun. Und Thomas ist eines unserer Gesichter. Das hat sich sehr gut ergeben.“ Zudem sei sie nicht durchgehend gemeinsam unterwegs gewesen: „Ich habe einen kleinen Sohn – da sind zeitliche Grenzen ganz real. Ich war in den USA und in Mexiko, Thomas war beispielsweise in Curaçao und Kanada unterwegs.“

WM-Stimmung in den USA: Noch verhalten

Ihre Eindrücke aus den USA sind ernüchternd: „Ganz ehrlich? Noch keine große. In den USA ist die WM im Moment noch nicht wirklich präsent. Selbst im Taxi muss man oft erklären, was demnächst überhaupt ansteht.“ Dennoch glaubt sie an eine Wende: „Die Amerikaner sind Meister darin, Euphorie zu erzeugen – gerade im Showgeschäft. Merchandising, Events, Inszenierung: Das wird alles kommen. Aber aktuell ist es noch erstaunlich ruhig.“

Herausforderungen der XXL-WM: Distanzen und Zeitzonen

Die größte Herausforderung bei der WM mit 48 Mannschaften in drei Ländern seien die Distanzen: „Vier, fünf Stunden Flug zwischen Spielorten, mehrere Zeitzonen, alle zwei Tage ein anderes Hotel. Das ist eine völlig andere Belastung als eine EM in Europa oder eine kompakte WM wie zuletzt.“ Gleichzeitig biete die WM eine besondere Erfahrung: „Ich werde die USA in kürzester Zeit unglaublich intensiv kennenlernen. Das hatte ich in Katar so nicht. Und bei der Heim-EM war vieles vertraut. Diesmal ist alles neu – das reizt mich sehr.“

Politische Neutralität versus Haltung

Angesichts der politischen Lage, insbesondere mit Präsident Donald Trump, stellt sich die Frage, wie politisch sie in ihren Moderationen werden darf. Sedlaczek betont: „Nein, das sollte man auch nicht. Wir erleben gerade Konflikte, die so nah sind wie lange nicht mehr. Es gibt einen Krieg in Europa. Das darf man nicht ignorieren.“ Der Fußball solle eigentlich verbinden, doch der Spagat sei schwierig: „Fußball muss ein Raum bleiben, der Menschen zusammenbringt, der eine Auszeit ermöglicht. Gleichzeitig muss man Haltung zeigen. Beides auszuhalten, ist die Herausforderung.“

Persönliche rote Linien zieht sie dort, wo Grenzen überschritten werden: „Man kann nicht auf alles eingehen. Aber es gibt rote Linien. Wenn sie überschritten werden, dann muss man darüber sprechen.“

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Umgang mit einem angefressenen Bundestrainer

Eine besondere Herausforderung war das Interview mit Julian Nagelsmann nach dem 0:2 in der WM-Quali gegen die Slowakei. Sedlaczek beschreibt ihre Vorbereitung: „Inhaltlich bereitet man sich immer vor – klar. Aber entscheidend ist etwas anderes: die Situation zu lesen. Wie kommt jemand auf mich zu? Wie ist die Haltung?“ Sie gibt zu, dass sie manchmal nervös sei: „Ja, manchmal schon. Aber nicht aus Angst, sondern aus Respekt vor der Situation. Und dann vertraue ich mir selbst – meiner Erfahrung und meiner Empathie. Wenn ich merke, jemand geht komplett in die Deckung, kann es wichtig sein, ihn ein Stück herauszuholen. Gleichzeitig verstehe ich, wenn jemand seine Mannschaft schützen will.“

Wenn eine Leistung offensichtlich schlecht war, will sie das auch hören: „Wenn jeder gesehen hat, dass es nichts war, dann sollte man das nicht schönreden.“ Bei schroffen Reaktionen auf ihre Fragen bewahrt sie Distanz: „Das Allerwichtigste ist, nichts persönlich zu nehmen. Eine innere Distanz zu bewahren. Dann steht man da drüber.“ Wenn ein Nachhaken nötig sei, mache sie das ganz ruhig: „Das gehört zum Job.“