Italienischer Hochgeschwindigkeitszug startet Probefahrten in Deutschland
Ab Ende des Jahres sollen Münchner Bahnreisende bequem und schnell die Alpen überqueren können: Der italienische Schnellzug Frecciarossa 1000 wird ab Mai 2026 für umfangreiche Probefahrten in Deutschland unterwegs sein. Diese Testfahrten sind Teil des Zulassungsprozesses der Hersteller Hitachi und Alstom, um den Zugtyp für den regulären Betrieb vorzubereiten.
Direktverbindungen ab Dezember 2026 geplant
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 soll der Frecciarossa 1000 auf den neuen Direktverbindungen München–Mailand und München–Rom eingesetzt werden. „Nach ersten Probefahrten im italienischen Netz im Jahr 2025 wurde kürzlich der erste umgerüstete Frecciarossa 1000 über den Brenner nach Deutschland überführt“, erklärte ein Bahnsprecher. „Dort erfolgen zahlreiche technische Tests an den Fahrzeugen. Im Mai 2026 starten wir dann mit umfangreichen Probefahrten in Deutschland und Österreich.“
Die Strecke München–Mailand wird voraussichtlich rund sechseinhalb Stunden dauern, während die Verbindung München–Rom mit Zwischenstopps in Bologna und Florenz etwa achteinhalb Stunden in Anspruch nehmen wird. Damit würden Reisende im Vergleich zur aktuellen Fahrtzeit mit Umstiegen auf dem Weg nach Mailand gut 75 Minuten sparen, nach Rom sogar 45 Minuten weniger.
Attraktive Zwischenhalte und Ausbaupläne
Die Fahrgäste dürfen sich auf attraktive Zwischenhalte freuen:
- Innsbruck
- Bozen
- Verona
Zunächst ist je eine Verbindung pro Tag geplant, perspektivisch sollen täglich fünf Hin- und Rückfahrten zwischen Deutschland, Österreich und Italien angeboten werden. Ab Ende 2028 soll die Strecke bis Neapel erweitert werden und in Deutschland bereits in Berlin beginnen.
Technische Details und Komfort
Der Frecciarossa 1000 (deutsch: roter Pfeil) kann theoretisch bis zu 400 Kilometer pro Stunde erreichen, wird aber standardmäßig mit etwa 300 km/h unterwegs sein – vergleichbar mit deutschen ICE-Zügen. Die 200 Meter langen Schnellzüge bieten vier Komfortklassen:
- Standard
- Premium
- Business
- Executive Class mit luxuriösen Ledersitzen und Gourmet-Menü
Die Preise stehen noch nicht fest, Tickets sollen jedoch mit dem gewohnten DB-Preissystem aus Spar- und Flexpreisen buchbar sein.
Herausforderungen und europäische Zusammenarbeit
Experten sehen den Starttermin 2026 als ambitioniert. „In den drei Ländern haben wir verschiedene Zulassungsbehörden, Stromsysteme und Signaltechnik“, erklärte Andreas Barth, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. „All das muss erst noch angegangen werden – und deswegen ist das eine ehrgeizige Zeitplanung.“
Die Kooperation zwischen Trenitalia, ÖBB und Deutscher Bahn macht die Planung jedoch einfacher. „Keiner von uns hätte diese Verbindungen alleine auf die Schiene bringen können“, betonte Sabine Stock, Vorständin des ÖBB-Personenverkehrs. Die ÖBB könne Erfahrungen aus ihrer im letzten Jahr gestarteten Nachtzugverbindung von München nach Rom einbringen.
Zukunftsperspektiven und Bedeutung
Mit der für Ende 2032 geplanten Eröffnung des Brenner-Basistunnels werden sich die Fahrtzeiten voraussichtlich noch einmal um etwa eine Stunde verkürzen. Die Zusammenarbeit und das Projekt seien „ein starkes Symbol für ein zusammenwachsendes Europa“, betonte der DB-Vorstand für Personenverkehr, Michael Peterson.
Für die neue Direktverbindung erwartet man starke Fahrgastzahlen. „Die Kombination aus diesem schönen Zug, attraktiven Fahrzeiten und wunderschönen Tourismusdestinationen ist unschlagbar“, sagte Sabine Stock. Der Frecciarossa überquert bereits jetzt die Alpen von Mailand nach Paris und ist somit geübt darin, Hindernisse zu überwinden, wie Gianpiero Strisciuglio, CEO von Trenitalia, bei der Vorstellung hervorhob.



