Güstrow startet kommunale Wärmewende: Sanierung und Heizungsaustausch im Fokus
Die Kreisstadt Güstrow arbeitet intensiv an einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045. Mit einem neu erarbeiteten kommunalen Wärmeplan sollen die Weichen für eine nachhaltige Energiezukunft gestellt werden. Bei der Stadtvertretersitzung am 28. Mai soll das Konzept beschlossen werden, wie Bürgermeister Sascha Zimmermann mitteilt.
Handlungsempfehlungen statt verbindlicher Vorgaben
„Doch unsere kommunale Wärmeplanung beinhaltet erst einmal nur Handlungsempfehlungen, keine verbindlichen Maßnahmen“, betont der Stadtchef. Dennoch gewinnt das Thema für viele Bürgerinnen und Bürger zunehmend an Bedeutung. Die Energiesparzentrale der Wemag hat auf Basis einer umfassenden Bestands- und Potenzialanalyse verschiedene Szenarien entwickelt, wie die Energieeffizienz in der Barlachstadt verbessert werden kann.
Energiebilanz zeigt Handlungsbedarf
Derzeit werden bereits gut 37 Prozent der Wärmeversorgung durch Nah- und Fernwärme in acht Netzen sichergestellt, die auf regenerativem Biomethan aus großen Biogasanlagen basieren. Allerdings werden noch immer 48 Prozent der Wärme über Erdgas für dezentrale Heizungen erzeugt, hinzu kommen etwa neun Prozent Heizöl. Diese Zahlen verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf.
Die Planer setzen daher auf mehrere zentrale Hebel:
- Energetische Sanierung von Gebäuden
- Austausch fossiler Heizungen
- Ausbau des bestehenden Fernwärmenetzes
- Ertüchtigung von Stromnetzen
- Nutzung erneuerbarer Energien
Sanierungstempo muss sich mehr als verdoppeln
Ein besonders wichtiger Schlüssel ist der Austausch der Heiztechnik in dezentral versorgten Gebäuden. Dazu gehören auch das KMG-Klinikum Güstrow und Güstrower Schlossquell, die beide noch mit Erdgas Wärme erzeugen. Vor allem bei älteren Einfamilienhäusern werden große Einsparpotenziale durch bessere Dämmung von Dach und Fassade sowie durch neue Fenster gesehen.
Derzeit werden Häuser in Güstrow nur mit einer Quote von rund 0,8 Prozent pro Jahr saniert. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste sich dieses Tempo mehr als verdoppeln, nämlich auf zwei Prozent. Staatliche Förderprogramme sollen dabei helfen, die Investitionen für Hausbesitzer tragbar zu machen.
Förderprogramme als entscheidender Faktor
Die Kosten für Sanierungen, neue Heizsysteme oder den Ausbau von Netzen können erheblich sein. Deshalb sollen Förderprogramme von Bund und Ländern genutzt werden. Dazu zählen insbesondere:
- Zuschüsse und Kredite im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
- Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)
- Förderungen des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
- Landesprogramme von Mecklenburg-Vorpommern
Die Planer weisen jedoch darauf hin, dass sich Förderbedingungen regelmäßig ändern. „Für viele Eigentümer wird die Frage, wann und wie saniert oder umgestellt wird, auch von der Verlässlichkeit der Förderkulisse abhängen“, erklärt Bürgermeister Zimmermann. Gleichzeitig geht er davon aus, dass ein großer Teil der Heizungen in den nächsten Jahren ohnehin ausgetauscht werden muss und viele Gebäudesanierungen notwendig werden.
Wirtschaftlicher Impuls für die Region
Investitionen in erneuerbare Wärme können zu einem wirtschaftlichen Impuls für die Region werden. Während bei fossilen Energieträgern ein erheblicher Teil der Ausgaben dauerhaft ins Ausland abfließt, bleibt Geld bei regionalen Investitionen in der Region – etwa durch Aufträge für das lokale Handwerk oder die Nutzung regionaler Energiequellen.
Allerdings stellt der Umbau das Handwerk vor große Herausforderungen: Es braucht ausreichend Fachkräfte und umfassende Beratungsangebote für Hausbesitzer.
Ausbau der Fernwärmenetze geplant
Ein weiterer Schwerpunkt der Güstrower Wärmeplanung liegt auf der Verbesserung und Erweiterung der bestehenden Fernwärmenetze. So sollen durch zwei Leitungen zwei große Netzgebiete im Ortsteil West verbunden werden. Als zusätzliches Gebiet soll die Niklotstraße angeschlossen werden.
„Ob das bestehende Wärmenetz ‚Stahlhof‛ in Betrieb geht, hängt davon ab, wie viele Haushalte daran angeschlossen werden wollen“, so Sascha Zimmermann. Falls genügend Interesse besteht, muss nach der wirtschaftlichsten Form für die Wärmeerzeugungsanlage gesucht werden.
Erneuerbare Energien und Abwärmenutzung
Der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. So sollen Photovoltaikanlagen auf Dächern ausgebaut werden. Zudem wird eine Ertüchtigung der Stromnetze als notwendig erachtet, was jedoch in der Verantwortung der Netzbetreiber liegt. Nicht zuletzt sollen Möglichkeiten geprüft werden, Abwärme von Industriebetrieben zu nutzen.
Klimamanager als Ansprechpartner geplant
Um die Ziele umzusetzen, soll es einen festen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung geben, möglicherweise durch die Einstellung eines Klimamanagers. Außerdem ist eine regelmäßige Überprüfung des Umsetzungsstandes vorgesehen. Die Wärmeplanung wird alle fünf Jahre fortgeschrieben, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können.
Die kommunale Wärmewende in Güstrow zeigt damit nicht nur den Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung auf, sondern bietet auch konkrete Perspektiven für Hausbesitzer, Handwerksbetriebe und die regionale Wirtschaft insgesamt.



