Gestrandeter Buckelwal vor Wismar: Experten schließen Rettung aus - Tier schwerstkrank
Gestrandeter Buckelwal: Rettung laut Experten unmöglich

Gestrandeter Buckelwal vor Wismar: Experten schließen Rettung aus - Tier schwerstkrank

Die Hoffnungen auf eine Rettung des in der Ostsee vor Wismar gestrandeten Buckelwals haben sich endgültig zerschlagen. Nach umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen gaben Experten auf der Insel Poel ein ernüchterndes Statement ab: Das Tier kann weder lebend geborgen werden noch wird es sich aus eigener Kraft befreien können.

Umweltminister Backhaus: "Eine der schwersten Entscheidungen"

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete den Wal als "schwerstkrank" und nannte die Situation eine der schwierigsten Entscheidungen seiner 28-jährigen Ministerlaufbahn. "Wir wissen nur nicht, wie lange er noch braucht für diesen Prozess", sagte Backhaus mit Blick auf den Gesundheitszustand des Meeressäugers. "Wenn er an Land liegt um die fünf Tage, wenn er im Wasser ist, kann es auch länger dauern."

Lebendbergung ausgeschlossen - Hautzustand kritisch

Stephanie Groß vom Institut für terrestrische und aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte, dass sich der Zustand der Haut des Tieres weiter verschlechtert habe. "Sie fängt an, auf der Oberfläche deutlich einzureißen", sagte Groß. Eine Bergung mit Gurten oder Seilen würde die Gefahr bergen, die Haut abzuziehen. Der Wal sei in seiner aktuellen Position von weniger Wasser umgeben als an früheren Orten, was wahrscheinlich zu Organschäden geführt habe.

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"Deshalb würden wir auf alle Fälle davon abraten, dieses Tier irgendwie lebend bergen zu wollen", betonte Groß. Das ITAW hatte seine tierärztliche Expertise bei der Bewertung des Gesundheitszustands eingebracht.

Wasserstand zu niedrig für Selbstbefreiung

Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, erklärte auf der Insel Poel, dass der aktuelle Wasserstand von 1,40 Metern für eine Selbstbefreiung des Wals nicht ausreiche. "Wenn es sich aus eigener Kraft freischwimmen wollte, bräuchte es einen Wasserstand, der um etwa 60 Zentimeter höher ist als heute", sagte Baschek. Diese Hoffnung gebe es aber nicht, da für die nächsten vier Tage eher ein sinkender Wasserstand vorhergesagt werde.

"Darüber hinaus ist die Gesamtkonstitution und Kraft schlichtweg nicht da", fügte Baschek hinzu. Die Situation sei für alle Beteiligten unbefriedigend und sehr bitter.

Zustandsverschlechterung und Reaktionslosigkeit

Groß berichtete, dass der Wal zuletzt auf Annäherung per Boot praktisch nicht mehr reagiert habe. Während er zuvor noch die Schwanzflosse bewegt oder den Kopf angehoben habe, nehme er Annäherungen jetzt "relativ stoisch" hin. Diese Reaktionslosigkeit deute auf eine weitere Verschlechterung seines Zustands hin.

Bergungskonzept steht bereit

Minister Backhaus betonte, dass ein Konzept für die spätere Bergung des Wals fertiggestellt sei und sich in der Endabstimmung befinde. Die Bergung würde zwei Tage Vorbereitung und einen Tag Durchführung erfordern. Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark stünden dafür unter Vertrag.

"Die Würde dieses Tieres werden wir sehr genau beobachten und beachten", versicherte Backhaus. Bei der Bergung würden Schiffe und Hebezeuge zum Einsatz kommen, um den zwölf Meter langen und etwa zwölf Tonnen schweren Wal aus seiner Position zu befreien.

Keine Erlösungsoptionen in Betracht

Das Ministerium hatte intensiv geprüft, ob der Wal erlöst werden könnte, kommt aber zu dem Schluss, dass dies nicht infrage kommt. Bei den grundsätzlich anwendbaren Methoden - wie dem Einsatz einer Harpune, der Verabreichung von Giftstoffen oder einer Sprengung - bestehe ein erhebliches Restrisiko, dass sie nicht unmittelbar wirken und das Tier dadurch zusätzlich leiden würde.

Seit mehr als einer Woche liegt der Buckelwal vor Wismar in der Ostsee. Ein Expertenteam war am Vormittag erneut mit einem Schlauchboot zum Wal gefahren, um sich ein aktuelles Bild zu verschaffen. Taucher hatten zudem geprüft, ob das Tier seine Lage verändert hat oder weiter in den Ostseeboden eingesunken ist.

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Koordination für künftige Fälle

Backhaus brachte zudem die Koordination der Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen für derartige Fälle ins Spiel. Er sei dazu im Gespräch mit dem Havariekommando. "Der nächste Wal werde kommen", sagte der Minister und verwies auf die Notwendigkeit besserer Koordinationsmechanismen für zukünftige Strandungsfälle.