Kfz-Handwerk in Ostvorpommern: Zwischen Schließungen und Neugründungen
Im östlichen Teil von Mecklenburg-Vorpommern, insbesondere in der Region um Ueckermünde, stehen vereinzelt ehemalige Kfz-Werkstätten leer oder werden anderweitig genutzt. Dies wirft die Frage auf, wie es um die Zukunft des Kfz-Handwerks in dieser Region bestellt ist. Der Nordkurier hat bei der Kfz-Innung Neubrandenburg und der dortigen Industrie- und Handelskammer (IHK) nachgefragt, um Klarheit zu schaffen.
Stabile Betriebszahlen trotz Einzelschließungen
Bernfried Winkler, langjähriges Mitglied der Kfz-Innung Neubrandenburg, erklärt: „Vor ein paar Jahren zeichnete sich ein Trend ab, dass Werkstätten geschlossen wurden. Im Bestand gibt es mittlerweile jedoch einen Ausgleich.“ Gebietsweise sei sogar ein positiver Trend zu verzeichnen. Derzeit zählt die Kfz-Innung Neubrandenburg 93 Betriebe als geprüfte Mitglieder, hinzu kommen weitere Betriebe ohne Mitgliedschaft.
Mehr Neugründungen als Geschäftsaufgaben
Ivonne Schnell aus der Pressestelle der IHK Neubrandenburg liefert konkrete Zahlen: Im vergangenen Jahr wurden 36 Kfz-Werkstätten aufgegeben, während 37 Betriebe neu gegründet oder eröffnet wurden. „In diesem Jahr gab es bis Ende Februar eine Schließung und zwölf Neugründungen“, so Schnell. Bereits 2020 hielten sich Schließungen (34) und Eröffnungen (32) nahezu die Waage.
Attraktive Ausbildung und technologische Anpassung
Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker hat sich stabilisiert, in einigen Klassen ist die Zahl der Auszubildenden sogar gestiegen. „Das spricht für die Attraktivität des Berufes, auch im Hinblick auf die Weiterbildung zum Kfz-Meister“, betont Winkler. In Ostvorpommern werden zudem Investitionen getätigt, wie der Bau einer neuen Kfz-Ausbildungshalle im Regionalen Beruflichen Bildungszentrum in Torgelow durch den Landkreis.
Diese Maßnahmen tragen den neuen Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Elektromobilität, Rechnung. „Die Technik hat sich enorm schnell entwickelt. Künstliche Intelligenz wird auch im Kfz-Bereich zunehmen“, erläutert Winkler. Assistenzsysteme erforderten geschultes Servicepersonal zur Fehlererkennung und -behebung.
Herausforderungen für kleine Vertragshändler
Trotz positiver Entwicklungen gibt es auch Schwierigkeiten: „Der Trend der herstellergebundenen Werkstätten, der sogenannten Vertragshändler, ist rückläufig“, stellt Winkler klar. Insbesondere Online-Bestellungen machen regionalen Vertragshändlern zu schaffen, die oft von größeren Händlern übernommen werden. „Regional unterschiedlich werden Kfz-Werkstätten geschlossen und neue öffnen“, so Winkler.
Elektromobilität in der Ausbildung verankert
Wichtig ist, dass die aktuelle Ausbildung bereits das Arbeiten an Hybrid- und reinen Elektrofahrzeugen umfasst. „Es gibt Speziallehrgänge für den Umgang mit Hochvoltanlagen. So erhalten auch Gesellen die Befähigung, an solchen Fahrzeugen zu arbeiten“, betont Bernfried Winkler. Derzeit liegt der Anteil von Elektrofahrzeugen in der Region bei etwa zehn Prozent.
Insgesamt zeigt sich: Das Kfz-Handwerk in Ostvorpommern befindet sich im Wandel, bleibt aber durch Neugründungen und Investitionen in Ausbildung und Technologie stabil. Kunden müssen sich keine Sorgen machen, dass ihre Fahrzeuge nicht mehr repariert oder gewartet werden können.



